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„Noch zwei Jahre Europa“

Tinga im Interview

DORTMUND Vor Saisonbeginn galten die Planstellen des Dortmunder Mittelfelds an Tamas Hajnal, Jakub Blaszczykowski, Nuri Sahin und Sebastian Kehl vergeben. In der ersten Ligapartie gegen Köln (1:0) lief der Brasilianer Tinga im linken BVB-Mittelfeld auf und spielte sich in den Vordergrund. Im Interview spricht er über seinen Vertrag, seine Familie und sein Verhältnis zu Jürgen Klopp.

von Von Thomas Schulzke

, 12.08.2009
„Noch zwei Jahre Europa“

Gegen Köln war Borussias Tinga einer der besten Spieler auf dem Platz. Jetzt fällt er zwei Wochen aus.

Nein, aber natürlich bin ich mit meiner Leistung zufrieden. Vor Beginn der zweiten Hälfte habe ich mir gedacht, dass einfach mehr kommen und irgendeiner vorangehen muss. Deshalb habe ich das Spiel in die Hand genommen und nach vorne getrieben.

Ich kann nicht behaupten, dass ich auf der Halbposition besser bin als auf der „Sechs“. Es sind zwei vollkommen unterschiedliche Jobs. Auf der „Sechs“ kann ich mir nur wenige Fehler leisten, weil hinter mir nur noch die Innenverteidiger stehen. Auf der Halbposition kann ich ein größeres Risiko eingehen, weil ich weiß, dass hinter mir noch drei zentrale Leute aufpassen. Dort falle ich einfach mehr auf, weil ich mehr nach vorne machen kann.

Ich versuche Tag für Tag den Trainer zu überzeugen. Am Ende entscheidet nur er, wenn er samstags aufstellt. Eine Garantie für einen Stammplatz hat doch niemand hier.

Seine Aussage, dass ich im Training nicht mitziehe und nicht alles bringe, hat mich zum Nachdenken gebracht. Ich habe nie zuvor in meiner Karriere erlebt, dass ein Trainer in der Öffentlichkeit so deutlich sagt, dass er mit meiner Trainingsleistung unzufrieden ist.

Gekränkt nicht, eher motiviert. Es ist ja keine persönliche Sache gewesen. Ich fasse die Aussage jetzt einfach als Tipp für meine letzten Jahre als Profifußballer auf. Wenn ich noch mit einem 18-Jährigen mithalten kann, ist das ja auch ein gutes Bewerbungsschreiben für andere Klubs.

Das Verhältnis zum Coach ist dasselbe wie in der vergangenen Saison. Auch wenn es zwischenzeitlich Probleme gab.

Ich bin ganz ehrlich: Klopp muss mich nicht loben. Der beste Beweis des Trainers, dass er meine Arbeit anerkennt, ist, dass ich auf dem Platz stehe und er mich für die Startelf nominiert. Er muss nicht zu mir kommen und sagen, Tinga, du warst heute aber klasse.

Nein, bei keinem speziellen Verein. Meine Leistungen bringe ich aktuell nur für die Borussia, die mir immer geholfen und mir zu jeder Zeit sämtliche Türen geöffnet hat.

Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Ich rede auch nicht viel über einen Klub, wenn gerade mein Vertrag ausläuft. Das klingt doch dann so, als böte ich mich dem Verein an. Das würde ich nie machen. Klar ist: Der nächste Vertrag wird mein letzter lukrativer sein.

Ich plane nicht lange im Voraus, aber meine Gedanken gehen aktuell dahin, dass ich noch zwei weitere Jahre in Europa auf hohem Niveau spielen will.

Das wird mein größtes Problem, mein größtes Hindernis werden, wenn ich wieder nach Brasilien möchte. Meine Familie fühlt sich hier sehr, sehr wohl. Meine Kinder habe ihre ganzen Freunde hier. Wenn wir im Sommer für 30 Tage nach Brasilien in den Urlaub fahren, fragen meine Kinder schon nach zwei Wochen, wann wir denn endlich wieder nach Hause fahren.

Der Kontakt zu ihm ist abgebrochen, weil ich ein echter Familienmensch geworden bin.

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