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Pressekonferenz zu Fan-Krawallen: Kritik am BVB

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Einen Tag nach den schweren Fan-Krawallen vor dem Champions-League-Spiel zwischen dem BVB und Galatasaray Istanbul haben die Behörden in einer Pressekonferenz einen Überblick über den Zwischenstand der Ermittlungen gegeben. Dabei gab es deutliche Kritik am BVB. Die wichtigsten Aussagen im Überblick.

DORTMUND

, 05.11.2014
Pressekonferenz zu Fan-Krawallen: Kritik am BVB

Die beschlagnahmten Gegenstände waren bei Galatasaray-Fans vor dem Spiel gefunden worden.

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Beschlagnahmte Gegenstände bei Fan-Krawalle

Die Polizei hat auf einer Pressekonferenz einen Zwischenstand der Ermittlungen zu den Fan-Krawallen gegeben. Dabei wurden auch beschlagnahmte Gegenstände präsentiert.
05.11.2014
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Die beschlagnahmten Gegenstände waren bei Galatasaray-Fans vor dem Spiel gefunden worden.© Foto: Dieter Menne
Auf der PK wurden auch Videos der Ausschreitungen gezeigt.© Foto: Dieter Menne
Bei den Ausschreitungen waren auch Sitze vom Ober- in den Unterrang geworfen worden.© Foto: Dieter Menne
Die beschlagnahmten Gegenstände waren bei Galatasaray-Fans vor dem Spiel gefunden worden.© Foto: Dieter Menne
Das Medien-Interesse war enorm.© Foto: Dieter Menne
Die beschlagnahmten Gegenstände waren bei Galatasaray-Fans vor dem Spiel gefunden worden.© Foto: Dieter Menne
Auf einer Pressekonferenz stellten die Behörden ihre bisherigen Ermittlungsergebnisse vor.© Foto: Dieter Menne
Die beschlagnahmten Gegenstände waren bei Galatasaray-Fans vor dem Spiel gefunden worden.© Foto: Dieter Menne
Auf dem Podium des PK saßen (v.l.) Staatsanwalt Henner Kruse, die leitende Oberstaatsanwältin Birgit Cirullies, BVB-Organisations-Chef Dr. Christian Hockenjos, Einsatzleiter Edzard Freyhoff, Polizei-Präsident Gregor Lange und Polizei-Pressesprecher Oliver Peiler.© Foto: Dieter Menne
Auf der PK wurden auch Videos der Ausschreitungen gezeigt.© Foto: Dieter Menne
Auf der PK wurden auch Videos der Ausschreitungen gezeigt.© Foto: Dieter Menne
Auf der PK wurden auch Videos der Ausschreitungen gezeigt.© Foto: Dieter Menne
Die beschlagnahmten Gegenstände waren bei Galatasaray-Fans vor dem Spiel gefunden worden.© Foto: Dieter Menne
Die beschlagnahmten Gegenstände waren bei Galatasaray-Fans vor dem Spiel gefunden worden.© Foto: Dieter Menne
Die beschlagnahmten Gegenstände waren bei Galatasaray-Fans vor dem Spiel gefunden worden.© Foto: Dieter Menne
Die beschlagnahmten Gegenstände waren bei Galatasaray-Fans vor dem Spiel gefunden worden.© Foto: Dieter Menne
Die beschlagnahmten Gegenstände waren bei Galatasaray-Fans vor dem Spiel gefunden worden.© Foto: Dieter Menne
Die beschlagnahmten Gegenstände waren bei Galatasaray-Fans vor dem Spiel gefunden worden.© Foto: Dieter Menne
Schlagworte Dortmund

Damit endet die PK.

Kritik am BVB kommt von der Leitenden Obertstaatsanwältin Cirullies: "Man muss in Zukunft auch einmal früher ansetzen und einiges tun, dass solche Situationen nicht auftreten. Diese Pyrotechnik-Arsenale waren nicht so klein, dass man sie in Körperhöhlen verstecken konnte. Die Sicherheit der Allgemeinheit geht vor. Dann müssen die Fans sich auch mal vier Stunden vorher kontrollieren lassen. Der Verein muss sich da nach Kräften bemühen und zum Beispiel ein weiteres Tor einrichten, damit die Fans besser getrennt werden können. Wir haben das in einer Sicherheitskonferenz erörtert. Das ist nicht umgesetzt worden, warum hat sich mir nicht erschlossen.“ BVB-Organisationschef Dr. Christian Hockenjos erwiderte auf die Kritik, dass keine unrealistischen Forderungen aufgestellt werden dürften. Teilweise würde das Baurecht gegen weitere Veränderungen am Bau sprechen.

Nun läuft die Fragerunde der Journalisten. Frage: Was wäre passiert, wenn die Polizei anders gearbeitet hätte? Polizei-Chef Lange: "Das ist immer eine Risikoabwägung im Einzelfall. Was wäre passiert, wenn die Fans losgezogen und auf andere Fans getroffen wären?" Frage: Warum wurden die Fans nicht festgesetzt? Einsatzleiter Freyhoff: "Diese Frage habe ich mir auch gestellt. Eine Horde von 1400 Fans hätte man anhalten können – aber die Frage war: Was wäre dann passiert? Denn zeitgleich gab es den Anmarsch der BVB-Fans." Die Fans hätten die Festsetzung bei Facebook und Twitter gelesen und hätten dahin gehen. "Ich will mir nicht ausmalen, was dann passiert wäre. Den Marsch zuzulassen war alternativlos. Das Wort benutze ich nur ungern. Was auf dem Marsch abgebrannt wurde, wurde nicht im Stadion abgebrannt."

Nun spricht die leitende Oberstaatsanwältin Birgit Cirullies: Das Ganze sei traurig für die Fankultur. Schlimm, wie sich der Hass hier Bahn gebrochen habe. Am Dienstag sei die Eskalation immer weiter vorangeschritten. Daher habe die Staatsanwaltschaft entschieden, die 700 Fans festzusetzen und ihre Personalien aufzunehmen. Sie schildert einen "unsäglichen Fall": Aus Oberrang sei eine Sitzkonstruktion mit 3,6 Kilo Gewicht 10 bis 11 Meter tief einfach in die Menge geworfen worden. "Es hätte einen Toten geben können." Nun sei die Kapitalabteilung, im Gefolge die Mordkommission eingeschaltet worden. Den Tatort habe man abgesperrt und Spuren gesichert. Wenn herauszufinden ist, wo die Werfer saßen, besteht die Möglichkeit, dass es zu einer Identifizierung kommt. Die Staatsanwältin zählt weitere Vorwürfe auf: Pyrotechnik in voll besetzte Ränge (gefährliche Körperverletzung), Verletzte wurden billigend in Kauf genommen. Verstöße gegen Vermummungsverbot, Widerstand gegen die Staatsgewalt, Landfriedensbruch, Verstöße gegen das Sprengstoffgesetz. Es gab Fälle von Gefangenenbefreiung.

BVB-Organisationschef Hockenjos nimmt auch Stellung zu den Krawallen: "Wir sind höchst erschrocken. Speziell meine ich die Taten, die keinen Respekt vor der Unversehrtheit anderer Menschen haben. Ich wünsche mir, dass wir diese Menschen identifizieren und verantwortlich machen können." Laut Rotem Kreuz gab es im Stadion zehn Verletzte. Das seien vergleichsweise wenig, so Hockenjos. Die Verletzungen reichen vom blauen Auge bis zu Prellungen. "Ich bin froh darüber, dass auf den anderen Tribünen nichts geschehen ist." Für BVB-Angreifer gab es ein "Tageshausverbot". Galatasaray-Anhänger waren auch in anderen Stadionbereichen – "da war es aber ruhig". Man könne nicht alle Galatasaray-Anhänger in einen Topf werfen, "aber es waren deutlich zu viele, die in diesen Topf gehören." Er erinnert an CL-Spiel gegen Juventus Turin. "Uns war bewusst, dass dieses Spiel eine andere Qualität hat, auch anders als das Derby. Diese Begegnung war anders gelagert." Ordner konnten 35 Pyro-Gegenstände entdecken – "das ist eine sehr hohe Zahl." Immer wieder diese eine Frage: Wie konnten die Fans so viel Pyro ins Stadion bringen? "Wir können das zu 100 Prozent nicht verhindern.“ Fans schmuggeln in Körperöffnungen, in BH und in Unterhosen ein." Im Stadion seien 250 Sitzelemente im Nordblock zerstört, dazu kommen weitere Schäden. Kosten: bis zu 30.000 Euro. Die Uefa werde den BVB zu einer Stellungnahme auffordern. Hockenjos: "Ich hoffe, dass wir mindestens 200 Hauptakteure identifzieren können."

Die zentralen Aussagen von Einsatzleiter Edzard Freyhoff: Die Lage begann am frühen Nachmittag mit bis zu 800 Gala-Fans in der Innenstadt. Auf dem Friedensplatz Pyrotechnik zunächst in Einzelfällen, dort gab es bereits drei Festnahmen. "Unsere Lautsprecherdurchsagen wurden mit Gelächter quittiert." Die Polizei kassierte Regenponchos ein, um Tarnungen zu verhindern. Immer wieder dazu aufgefordert, die U-Bahn zu nutzen oder in Kleingruppen zum Stadion zu gehen – "der Bitte ist man nicht nachgekommen."  Die Fans wollten einen Fanmarsch, darauf stellte die Polizei sich dann ein. Die Polizei musste für 17 Minuten die B1 sperren, um während des Marschs den Verkehr nicht zu gefährden. Es gab während der Marsch 10 Identitätsfeststellungen. Zwei Polizisten wurden verletzt. Freyhoff: Ich habe mich gefragt, ob man die Fans ins Stadion lassen kann. Ich habe mich entschieden, eine Deeskalation zu bewirken. Alles, was auf dem Weg zum Stadion abgebrannt wurde, hätte dann im Stadion nicht mehr zur Verfügung gestanden. Mit Spielbeginn mussten wir feststellen, dass die Pyrotechnik im unteren Blockbereich fortgesetzt wurde. Es gab unmittelbar auch Festnahmen. Es gab daraufhin eine Blocksperre. Das Ziel: Friedliche Fans schützen, in dem die Gala-Fans auf dem Block in Gewahrsam genommen wurden. Während der Sperre gab es massive Ausschreitungen. Toilettentüren und Eisenstangen wurden auf Polizisten und Ordner geworfen. Polizei wehrte die Angriffe mit Pfefferspray und Schlagstöcken ab. Es gibt Ermittlungen gegen etwa 700 türkische Fans. Während der Sperre sind BVB-Fans maskiert in die Osttribüne eingedrungen, um Galatasaray-Fans anzugreifen. Ordner und Polizei hielten die Fans ab, es kam jedoch zu einem zweiten Angriffsversuch und Provokationen gegen die Gala-Fans. Freyhoff: "Kein Fan ist verletzt worden. Wir müssen von Glück sprechen." Anschließend wurde der leere Fanblock durchsucht. Es wurden 55 Pyro-Gegenstände sichergestellt. Insgesamt 21 Festnahmen.

Die Pressekonferenz hat begonnen. Polizeisprecher Oliver Peiler: „Die Ereignisse waren nicht normal, sie passen nicht zum Fußball.“ Polizeipräsident Gregor Lange fügt hinzu: "Beim Spiel ist es zu massiver Randale vor allem von Gala-Anhängern gekommen, aber auch BVB-Fans waren negativ aufgefallen. Solche Chaoten und Kriminelle, die den Namen 'Fan' nicht verdienen, liefern all denen Argumente, die Gästefans ausschließen wollen." Die Polizeikräfte hätten in dieser aufgeheizten Atmosphäre besonnen und klug reagiert und dafür gesorgt, dass die Lage in der Innenstadt nicht weiter eskaliert sei, sagt Lange: "Die Polizei hat deutlich gemacht, was wir alle unter konsequenter Strafverfolgung verstehen." Bis in die Nacht wurden 700 Personalien festgestellt. Lange spricht von „Kriminellen“ und „Schwerkriminellen": "Wir müssen uns damit auseinandersetzen, ob der Polizei in schwierigen Situationen der nötige Respekt gezollt wird." Und: „Es wurden Menschenleben gefährdet.“

Der Andrang im Polizeipräsidium ist groß. Mehrere Fernsehteams warten. auf den Beginn. Die Polizei stellt eine Auswahl an sichergestellten Beweisen aus, darunter ein Messer, ein Schlagring, Masken und andere Gegenstände, die für Vermummungen geeignet sind. Gleich werden Filme zu sehen sei, die das Ausmaß der Gewalt dokumentieren.  

#bvbgal großes Medien-Interesse bei Pressekonferenz. pic.twitter.com/vwbMABwUXh

— Andreas Wegener (@Andreas_Wegener)

Bis tief in die Nacht hatte die Polizei im Stadion die Personalien von hunderten Galatasaray-Fans aufgenommen. Versuchter Totschlag, Landfriedensbruch und Verstöße gegen das Sprengstoffgesetz - die Polizei steht vor mindestens 1500 Ermittlungsverfahren. Vor dem Anpfiff hatten die Fans des türkischen Meisters auf dem Weg zum Stadion ein wahres Pyro-Feuerwerk gezündet. Auch später im Spiel kam es zu zahlreichen Böllerwürfen. Nahe des Stadions verhinderten die Beamten nach dem Spiel einen geplanten Angriff von BVB-Anhängern auf die Galatasaray-Fankurve.  Auf die beiden Vereine werden wohl Konsequenzen zukommen. In vergleichbaren Fällen hat die Europäische Fußball-Union (UEFA) in der jüngeren Vergangenheit hart durchgegriffen. So wurde unter anderem Bayern Münchens Gruppengegner ZSKA Moskau für das Verhalten seiner Anhänger mit Geldstrafen und Geisterspielen belegt. Der BVB könnte wegen mangelnder Kontrollen ebenfalls mit einer Geldstrafe belegt werden. Zwei Fragen sind relevant. Erstens: Warum durften die Galatasaray-Fans durch die Stadt ziehen und nach dem eindrucksvollen Marsch überhaupt ins Stadion? Wie konnten die Randalierer ein Arsenal an Pyrotechnik an den Kontrolleuren vorbei ins Stadion schmuggeln?

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