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Rainer Bonhof: Werden uns nicht in die Hosen machen

Topspiel zwischen BVB und Gladbach

Rainer Bonhof ist Teil der erfolgreichen 70er-Ära Borussia Mönchengladbachs gewesen. Seit 2009 arbeitet der 65-Jährige als Vizepräsident für die "Fohlen". Im Interview spricht er über die Leistungsschwankungen seines Teams, das Duell mit dem BVB und Kaffeekränzchen des Video-Schiris.

Dortmund

, 17.02.2018
Rainer Bonhof: Werden uns nicht in die Hosen machen

Gladbachs Vizepräsident Rainer Bonhof (l.) stärkt seinem Sportdirektor Max Eberl im Interview den Rücken: „Wir stehen voll und ganz hinter Max Eberl und seinem Team.“ © dpa

Herr Bonhof, haben Sie den Karneval in Mönchengladbach gut überstanden?
Ja, auf jeden Fall. Wir hatten hier gestern (Anm. d. Red.: am Dienstag) den wichtigsten Feiertag mit 350.000 bis 400.000 Menschen auf den Straßen. Es war ein sehr schönes Fest (lacht).


22 Spiele sind in der Bundesliga absolviert. Borussia Mönchengladbach rangiert aktuell auf Platz 10 der Tabelle. Wie fällt ihr Zwischenfazit aus?

Wir sind natürlich mit den letzten Wochen nicht zufrieden. Das hat aber auch Gründe. Wir haben zurzeit viele Verletzte, auch wenn wir uns darüber jetzt nicht immer beschweren möchten. Die zweite Sache ist, dass das Trainerteam auf diese Situation Woche für Woche neu reagieren muss. Diese Umstellungen greifen dann nicht immer direkt, und wir schießen aktuell zu wenige Tore. Aber wir müssen es so nehmen, wie es ist.

Wie schwer wiegen aktuell die verletzungsbedingten Ausfälle von Spielern wie Yann Sommer, Oscar Wendt und Raffael?
Man muss sich ja nur mal die Ersatzbänke von den anderen Top-Teams wie Bayern München oder Borussia Dortmund anschauen. Für Borussia Mönchengladbach ist es natürlich schwierig, die Ausfälle solcher Schlüsselspieler dauerhaft aufzufangen.


Max Eberl hatte zu Saisonbeginn das Ziel eines einstelligen Tabellenplatzes ausgegeben. Wie groß ist die Sehnsucht nach der Rückkehr auf die europäische Bühne?

Wir stehen da voll und ganz hinter Max Eberl und seinem Team. Die Einstelligkeit war das, was wir ausgegeben haben. Wir haben im vergangenen Sommer unter anderem mit Mahmoud Dahoud einen sehr wichtigen Spieler verloren. Aber das ist eben auch das, was uns ausmacht. Wir holen Spieler in jungen Jahren, die sich bei uns weiterentwickeln und wachsen können. Aber dann kann es eben passieren, dass wir solche Spieler wieder verlieren. Wir kommen dann in eine Situation, in der wir neu aufbauen müssen. Da sind wir dabei. Wir haben wieder Super-Talente, aber wenn die Stützpfeiler wegbrechen, dann wird es auch für die Talente eng. Das ist diese Saison passiert - ob Ibrahima Traore oder Tobias Strobl. Jonas Hofman war lange verletzt, Raffael ist häufiger verletzt. Yann Sommer und Oscar Wendt sind es aktuell. Fallen Spieler in dieser Häufigkeit aus, ist es schwer für uns, das zu kompensieren. Aber wir arbeiten dran. Und die, die auf dem Platz stehen, geben aber alles, das sehen wir.


Der Kampf um die internationalen Plätze ist hart umkämpft. Trotz Platz 10 ist Gladbach nur fünf Punkte von einem Champions-League-Rang entfernt. Was haben Sie noch vor in den verbleibenden 12 Spielen?
Wir müssen jetzt erst einmal wieder ein Erfolgserlebnis haben. Um einfach zu wissen, wie es wieder geht. Dadurch erfahren wir ja dann, wo wir weiter ansetzen können. Das würde dann die nächsten Schritte einfacher machen.


In Thorgan Hazard haben Sie ein international begehrtes Top-Talent in ihrem Kader. Wie wichtig ist es, solche Top-Leute im Verein zu halten?
Die Verweildauer der Talente bei Borussia Mönchengladbach ist größer geworden. Das war immer unser Ziel, dass wir das, was wir an Talenten haben, langfristig an uns binden. Das ist uns mit Thorgan gelungen. Damals mit Granit Xhaka war es ähnlich. Das ist eine große Sache, die Max Eberl mit seinem Team auf die Beine gestellt hat.

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Oder muss Borussia Mönchengladbach bei lukrativen Angeboten dann auch ans Wirtschaftliche denken?
Da ist man natürlich immer hin- und hergerissen. Wenn man für einen Spieler natürlich proportional viel Geld bekommt, dann wird es diskutiert. Die andere Frage ist, ist die Notwendigkeit da oder ist die Wertigkeit des Spielers für die Mannschaft so hoch, dass man das Risiko eingeht, den Spieler vielleicht ein Jahr später ablösefrei gehen zu lassen. Wir wollen unsere Spieler aber so lang wie möglich bei uns halten.


Vor der Saison hat sich Gladbach mit Matthias Ginter von Borussia Dortmund verstärkt. Er hat bislang alle 22 Spiele über die volle Distanz bestritten. Was sagen Sie zu dem Weltmeister?
Er ist dafür geholt worden, dass er spielt und dass er eine stabile Innenverteidigung mit wem auch immer bildet. Es war unser Ziel, dort eine Stabilität hereinzubringen: Torwart und Innenverteidigung müssen harmonieren und das tut es bei uns. Insofern haben wir dieses Ziel erreicht.


Sie sind selber Weltmeister geworden, zwei Mal Europameister als Spieler, einmal als Co-Trainer. Im Sommer kann Deutschland seinen WM-Titel verteidigen. Wie sehen Sie die Chancen der Löw-Elf?
Sehr schwierig. Die anderen werden uns jagen. Brasilien will die Schmach von vor vier Jahren wettmachen wollen. Wenn Argentinien funktioniert, ist das auch wieder eine Hausnummer. Ich sehe Frankreich wieder sehr stark, die haben den Umbruch gut geschafft. Aber auch wir sind sehr stark. Wenn man den Confed-Cup gewinnt, zählt man direkt zu den Favoriten dazu, aber es wird kein Selbstläufer.


Sie sind drei Mal mit dem Tor des Monats der Sportschau für sehenswerte Treffer aus der Distanz. Wieso sehen wir dieses Mittel heutzutage so selten?
Da bin ich wohl der falsche Ansprechpartner. Ich wusste immer, wie es geht (lacht). Ich hätte es auch jetzt in der Neuzeit ausprobieren wollen. Ich bin öfter beim Training dabei und da werden die Dinger aus 17, 18 Metern versenkt, aber im Spiel sehe ich sie nicht mehr. Aber das ist ja auch nicht nur bei uns so, sondern auch bei Bayern oder Dortmund: Jeder will den Ball ins Tor tragen. Ich weiß gar nicht, ob diese Mittel nicht mehr greifen oder bei den Spielern nicht mehr so im Geist vorhanden sind, aber ich denke schon, dass man immer noch aus 20 Metern aufs Tor schießen kann.


Sie sind seit 2009 zusammen mit Siegfried Söllner Vize-Präsident von Borussia Mönchengladbach. Wie sieht ein normaler Arbeitstag von Ihnen aus?
Ich bin fast jeden Tag ein paar Stunden hier am Vereinsgelände. Es geht ja auch nicht nur um die erste Mannschaft, sondern ich kümmere mich auch um die A-Jugend oder die U23 und unser Nachwuchs-Leistungszentrum. Es ist gut, wenn diese Dinge jemand aus dem Präsidium im Kopf hat.

Sie erhalten ja immer viel Lob für Ihr Nachwuchsleistungszentrum. Haben Sie da aktuell wieder Spieler dabei, denen Sie den Sprung zu den Profis zutrauen?
Wir haben Talente, bei denen wir uns den Durchbruch erhoffen. Wir wissen aber auch, wie viel durch äußere Einflüsse auf die jungen Leute einprasselt. Das kann in die eine und auch in die andere Richtung gehen. Bei Marc-Andre ter Stegen konnte man mit 17 sehen, dass er ein Großer wird - das ist er auch geworden. Dann gab es da auch ein anderes Beispiel, als ein Spieler mit 17 Jahren uns verlassen hat zu einem ­„Riesenverein“, sich dort aber nicht mehr positiv weiterentwickelt hat. Da muss man aufpassen, dass man den Pfad, den man sich vorgenommen hat, nicht verlässt.


Zurück zur Liga: Am Sonntag empfangen Sie die Borussia aus Dortmund. Wie schwierig wird es, gegen den Tabellendritten die Trendwende einzuleiten?

Das wird schon eine richtige Aufgabe für uns. Denn wir wissen, welche Qualität der BVB vorne hat. Wir werden uns deswegen aber nicht in die Hosen machen, sondern uns dem einfach stellen. Für die Dortmunder wird es auch nicht einfach bei uns, denn wir haben ein Heimspiel, und unsere tollen Fans werden uns richtig unterstützen.


Im Hinspiel hat Gladbach in Dortmund eine schmerzhafte 1:6-Niederlage eingesteckt. Wie zuversichtlich sind Sie, dass es dieses Mal ein ausgeglicheneres Spiel wird?
Erst einmal die Tatsache, dass wir ein Heimspiel haben und dass ich weiß, dass unsere Jungs brennen werden. Wir brauchen aber natürlich auch mal das Quäntchen Glück. Wir haben viele Chancen gehabt, aber den Ball nicht reinbekommen. Dann haben wir aber auch noch kuriose Schiedsrichter-Entscheidungen gegen uns bekommen wie in Freiburg, als wir erst mit einer fast einmütigen Verzögerung einen Elfmeter gegen uns bekommen. Dann fragst du dich: „Was ist da in Köln los? Waren die noch Kaffee trinken?“ Gegen Schalke kriegen wir eine Gelbe Karte anstatt eines Elfmeters. Das muss sich mal wieder für uns drehen.

Wie ist den generell ihre Meinung zum Videoschiedsrichter?
Das ganze Paket ist stimmig. Man muss aber die Beteiligten mehr mit einbinden, und es muss klare Regelungen geben.


Noch einmal zurück zum BVB, wie erwarten Sie generell die Dortmunder im Borussia-Park?
Ich glaube, dass Borussia sich nicht verstecken wird. Alles, was die Dortmunder in ihren Heimspielen zeigen, wird man auch auswärts von ihnen sehen. Es wird ein schönes offenes Spiel.

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