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Die BVB-Mängelliste ist lang

Risse im Dortmunder Gebilde sind unübersehbar

DORTMUND Die Risse im BVB-Gebilde sind unübersehbar. 0:6 in München - und das war noch schmeichelhaft. Borussia Dortmund wirkt wie eine fußballerische Ruine, deren glanz- und prachtvolle Zeit lange und weit zurückliegt. Eine Bestandsaufnahme.

Risse im Dortmunder Gebilde sind unübersehbar

Die Liste der Mängel auf der Großbaustelle Dortmund, die sportlich derzeit eher einer Ruine gleicht, ist lang. Foto: imago

1. Die Bereitschaft: „So etwas passiert, wenn man die Grundtugenden im Fußball komplett weglässt, wenn man keine Gegenwehr leistet, wenn man die Zweikämpfe nicht nur nicht führt, sondern sie gar nicht erst sucht.“ So lautete Michael Zorcs Erklärung für die Klatsche von München. Es waren deutliche und bittere Worte des BVB-Sportdirektors. Deutlich bitterer allerdings ist, dass Zorc in dieser Saison regelmäßig mit der Verbalkeule umherschwingen muss. Egal ob „Alibifußball“, „Beamtenfußball“ oder kurzum „inakzeptabel“. Alles schon gehört, alles nicht schön.

Beim BVB fehlt es in dieser Saison viel zu häufig am kleinen Fußball-Einmaleins - und egal wer, wann, wie oft und wie laut darauf hingewiesen hat: Bislang scheint es von den Spielern unerhört geblieben zu sein. Die Gleichgültigkeit, mit der viele BVB-Profis auf und neben dem Spielfeld ihrer Arbeit nachgehen, ist die größte Konstante in dieser Spielzeit. Und gleichzeitig eines der größten Probleme bei Borussia Dortmund.



2. Der Teamgeist: Der BVB ist schon lange keine Einheit mehr. Manch ein Spieler beklagt unter der Hand, die mannschaftliche Geschlossenheit sei seit Ewigkeiten nicht so schlecht gewesen wie in dieser Spielzeit. Der BVB in der Saison 2017/2018 wirkt wie ein buntes Potpourri an Einzelkämpfern. Wobei das mit den Kämpfern eigentlich noch zu positiv klingt. Jeder kocht sein Süppchen, niemand hilft dem anderen.

BVB-Training in Brackel am 3. April

BVB-Training in Brackel am 3. April.
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Hans-Joachim Watzke und Michael Zorc haben die „Risse im Team“ nach der Trennung von Peter Bosz im vergangenen Dezember selbst und offen thematisiert. Zu mehr als unzureichender Flickschusterei scheint es seitdem trotz zahlreicher Gespräche hinter verschlossenen Türen nicht gereicht zu haben. Die Hierarchien sind festgefahren - und müssen spätestens im Sommer gründlich aufgebrochen werden.



3. Der Kader: Es sind klangvolle Namen, die Borussia Dortmund trotz der Abgänge von Ousmane Dembélé und Pierre-Emerick Aubameyang Woche für Woche auf den Rasen schickt. Auf 364,45 Millionen Euro taxiert das Internetportal www.transfermarkt.de den Marktwert des BVB-Ensembles. Nur die Bayern (642,50 Mio.) bringen im nationalen Vergleich mehr auf die Geldwaage. Auf Rang drei hinter dem BVB folgt RB Leipzig (305,55 Mio.) mit mehr als 50 Millionen Euro Abstand.

Spannende Spielerporträts, exklusive Interviews und außergewöhnliche Einblicke hinter die schwarzgelben Kulissen: Mit Borussini erwartet die Leser ein Magazin, das speziell auf eine junge Zielgruppe zugeschnitten ist und sie ganz nah an ihren Lieblingsverein bringt.mehr...

Das Problem: Bis auf Marco Reus, der mit Verletzungs- statt mit Leistungsproblemen zu kämpfen hat, ist in dieser Saison kein BVB-Profi in der Lage, sein Potenzial konstant abzurufen. Oder - und das wäre die deutlich besorgniserregende Erkenntnis für die BVB-Bosse - die Qualität ist einfach nicht so hoch, wie es lange Zeit propagiert wurde. Die „Kaderjustierung“, die Hans-Joachim Watzke unlängst angekündigt hat, muss umfassender ausfallen, als es sich viele zu Beginn der Saison hätten träumen lassen. Es fehlt an Mentalität und Führung, es fehlt an Klasse.


4. Der Trainer: Peter Stöger wirkt ratlos, zu Zeiten resigniert. „Vielleicht ist es eine gute Situation, mal so eine Klatsche zu bekommen, damit man alle Steine umdreht“, hat er am Samstag in München gesagt. Dazu gehöre auch die Position des Trainers. „Dann muss man schauen, wer kann das.“ Das klingt ein bisschen so, als traue er es sich selbst nicht mehr zu. Auffallend jedenfalls ist, wie häufig Stöger in seiner kurzen Zeit in Dortmund in der Öffentlichkeit mit der Mannschaft bricht oder brechen muss. Gefühlt hat er es in knapp vier Monaten BVB häufiger für nötig gehalten als in viereinhalb Jahren beim 1. FC Köln.

Ergebnistechnisch hat der Österreicher Borussia Dortmund unter dem Strich zwar zurück in die Spur gebracht, fußballerisch aber stagniert das Team auf einem ziemlich biederen Level. Sein Lebensglück hänge nicht vom Trainerjob beim BVB ab, meint Stöger - und Stand jetzt deutet vieles darauf hin, dass er diesen Job auch nur noch für genau sechs Bundesligaspiele innehaben wird. Nicht weniger, aber wohl auch nicht mehr.



5. Die Erwartungshaltung: Die Früchte hängen hoch in Dortmund, vielleicht zu hoch. Die Fans sind ob der erfolgreichen - teils berauschenden - vergangenen Jahre verwöhnt. Wo früher Arbeitssiege bejubelt wurden, wird heute schon mal die Nase gerümpft ob der fußballerischen Magerkost. Gewinnen alleine reicht nicht mehr, es darf gern ein bisschen mehr sein. Der jüngste 1:0-Sieg gegen Hannover vor der Länderspielpause ist ein ganz gutes Beispiel dafür. Statt „Hauptsache gewonnen“ heißt es nach solchen Spielen lieber „gewonnen, aber war nicht viel“.

Umfrage

Sollte der BVB den Vertrag mit Peter Stöger verlängern?

4094 abgegebene Stimmen

Peter Stöger gibt seine Irritation darüber offen kund, wenngleich er diesen Umstand akzeptiert. Der BVB - dazu zählen auch Teile der Fans - sollte ein Stück weit zu seiner alten Demut und Leidensfähigkeit zurückfinden. Denn Anspruch und Wirklichkeit, sie liegen derzeit mindestens so weit auseinander wie Borussia Dortmund und Bayern München in der Tabelle – punktetechnisch.

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