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Union Berlin ist zurück auf der großen Bühne

Pokalfest in Dortmund

Gereist wird zusammen. Das gehört sich so beim 1. FC Union Berlin. Gut, vielleicht nicht zu jedem Spiel. Aber heute schon. Schließlich handelt es sich nicht um irgendeine Begegnung, die der Zweitligist da bestreitet. Das DFB-Pokal-Spiel bei Borussia Dortmund gehört zu den wichtigsten und aufregendsten der jüngeren Vereinsgeschichte.

BERLIN

von Sebastian Stier

, 26.10.2016
Union Berlin ist zurück auf der großen Bühne

Jens Keller (r.) kommt mit seiner Art beim Arbeiterklub Union gut an - die Spieler zahlen das Vertrauen des Trainers mit guten Leistungen zurück.

Also kommen alle gemeinsam. Neben rund 11.000 erwarteten Fans werden auch die Mitarbeiter der Geschäftsstelle und der Stadion AG in einem der drei Sonderzüge anreisen. Bürokräfte, Empfangsdamen, Greenkeeper, jeder bekommt vom Verein die Möglichkeit, mit dabei zu sein, wenn Union vor der gigantischen Kulisse von 80.000 Zuschauern versucht, für eine große Überraschung zu sorgen.

"Ein absolutes Highlight"

„Für uns ist das ein Bonusspiel, ein absolutes Highlight, das alle von uns genießen sollen“, sagt Mittelfeldspieler Stephan Fürstner, der als einer von wenigen Berlinern schon mal in Dortmund gespielt hat. Vor einigen Jahren war das, damals noch für Greuther Fürth. Und, das sagt Fürstner auch: „Die Chancen auf ein Weiterkommen stehen 50:50. Natürlich wissen wir um die Dortmunder Stärke, aber in einem Spiel kann immer alles passieren.“

Das Selbstvertrauen der Spieler ist mächtig gewachsen in den vergangenen Wochen. Nach einem etwas holprigen Start ist Union mit dem ehemaligen Schalker Jens Keller als Trainer durch fünf Siege aus den vergangenen sechs Spielen auf den zweiten Platz in der 2. Bundesliga geklettert. Dort will man möglichst auch nach 34 Spieltagen stehen. Dann wäre Union zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte in die Bundesliga aufgestiegen. Das ist das große Ziel und wäre zugleich das Ende einer beachtlichen Entwicklung.

Sportlicher Abstieg

Vor zwölf Jahren lag der Klub am Boden. Faktisch pleite, folgte der sportliche Abstieg bis runter in die Oberliga. Im Jahr 2001 hatte Union noch im Pokalfinale gegen Schalke 04 gestanden, 2005 hießen die Gegner dann Greif Torgelow oder Anker Wismar. In dieser von Existenzängsten durchdrungenen Zeit übernahm Dirk Zingler als Präsident die Geschicke. Der Bauunternehmer führte den Ostberliner Traditionsklub zurück in den Profifußball und etablierte ihn als eigenständige Marke. Union gibt sich gern unkommerziell, soweit das im heutigen Profifußball noch möglich ist.

„Fußball pur“ will der Klub seinen Anhängern bieten, das ist der eigene Anspruch. Im Stadion läuft hautsächlich Indie-Rock, in der Halbzeitpause wird jüngst verstorbener Fans gedacht, statt Gewinnspiele oder Quizshows zu veranstalten. Eckbälle oder sonstige Statistiken werden nicht von einem Tagessponsor präsentiert, und die Halbzeitstände beziehungsweise Endergebnisse von anderen Spielen der Liga-Konkurrenten liest der Stadionsprecher noch persönlich vor.

Wenige Sitzplätze

Und, selbstverständlich, es wird gestanden. Nur rund 3500 der 22.000 Plätze im Stadion sind Sitzplätze. Alles so, als hätte die Moderne einen Bogen ums Stadion „An der Alten Försterei“ gemacht. Das kommt an. Union hat mit dieser Haltung seine Nische gefunden. Nicht selten ist in diesem Zusammenhang vom „FC. St. Pauli des Ostens“ die Rede. Die Heimspiele sind fast immer ausverkauft, längst ist das Stadion zu klein geworden. Im kommenden Jahr sollen die Bagger anrollen und einen weiteren Ausbau vornehmen.  

Hier gibt es Video-Impressionen des #BVB-Abschlusstrainings vor #BVBFCU: pic.twitter.com/TCLcH8FsPs

— Ruhr Nachrichten BVB (@RNBVB)

Gebaut wurde viel unter Zinglers Regie. Beim ersten großen Umbau vor acht Jahren gab es diverse Probleme, irgendwann wurde es den Fans zu viel, sie packten selbst an. Einige verbrachten jede freie Minute auf der Baustelle, mancher nahm gar Urlaub, um zu helfen. Die Geschichte von den Fans, die ihr eigenes Stadion renovieren, ging um die Welt und brachte Union auch außerhalb Berlins viele Sympathien ein.

Unkonventionelle Wege

Dass die Verantwortlichen gern unkonventionelle Wege gehen, bewiesen sie vor vier Jahren, als Union das Sicherheitskonzept der Deutschen Fußball-Liga im Zuge von Fanprotesten (12:12) als einer der Ersten ablehnte. Unterstützung kam zuerst, na klar, vom FC St. Pauli.