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Nach erster Krise: Aus dem Schatten zurück ins Licht

Weigl zeigt sich formverbessert beim BVB

Die Schattenseiten des Geschäfts hatte Julian Weigl noch gar nicht kennengelernt. Am Ende eines schwierigen Jahres zeigt die Kurve nun wieder nach oben. Dabei half auch die Systemumstellung des Trainers.

Dortmund

, 30.04.2018
Nach erster Krise: Aus dem Schatten zurück ins Licht

Auch in Bremen bestätigte Julian Weigl seine ansteigende Form. Die veränderte Grundausrichtung im Dortmunder Spiel kommt ihm entgegen. © imago

Julian Weigl hat diese Geschichte schon ein paar Mal erzählt. Wie er als 18-jähriger Jung-Profi plötzlich Kapitän des TSV 1860 München war und allein vor Fernseh-Kameras die Gründe für die sportliche Krise erläutern musste. So etwas härtet ab. Es war vielleicht auch eine gute Schulung dafür, wie er mit seiner ersten persönlichen sportlichen Krise umzugehen hatte. Als sie dann kam, traf ihn das dennoch ziemlich unvorbereitet.

Weigl rutscht mit in die Krise

Eine schwere Verletzung, die Rückkehr ohne Sommervorbereitung, dazu ein neuer Trainer, der gerade für seine Position einige besondere Ideen hatte - die „Zutaten“ für Weigls erste richtige Leistungs-Delle lagen eigentlich bereit, ohne dass er selbst sie bemerkt hätte. Als er im Herbst endlich wieder richtig fit war, kam er zudem in eine Mannschaft, die nach einem Traumstart unverhofft in eine Krise schlitterte. Weigl rutschte kräftig mit.

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„Man merkt dann, wie schnell Erwartungen wachsen“, sagte der 22-Jährige unlängst in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung. „Ich war auf der Welle, habe jedes Spiel genossen.“ Doch dann kam die schwere Sprunggelenkverletzung samt der langen Reha, und als er wieder fit war, lief es nicht. Die Selbstverständlichkeit war irgendwo auf diesem Weg zurück verlorengegangen. „In solchen Phasen beginnst du dann mit jedem Pass zu hadern, der nicht ankommt.“

Status eingebüßt

Weigl war immer gesetzt, wenn er fit war. Diesen Status büßte er ein, auch noch nach dem Trainerwechsel zu Peter Stöger, der allerdings erkannte, wie ein Spieler wie Weigl seine Stärken am besten zur Geltung bringen kann. Seit Stöger mehr Risiko eingeht, seit er das System umgestellt hat, ist Weigl als alleiniger Sechser verantwortlich. Er ist dennoch freier in seinem Aktionsradius, er hat viel Fläche vor und neben sich. „Ich fühle mich gut damit“, meinte er jetzt nach dem 1:1 in Bremen. „Wenn ich Räume habe, kann ich aktiver ins Spiel eingreifen. Das tut meinem Spiel gut.“

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Nach zwei BVB-Jahren, die ihn ins Notizbuch vieler Top-Vereine spülten, die ihn zur EM 2016 brachten und in denen es eigentlich nur bergauf ging, hat Weigl nun erlebt, wie es auf der anderen Seite ist. Eine klare Selbsteinschätzung zu behalten, das werde heutzutage immer schwieriger, sagt Weigl in dem Interview. „Du wirst sehr schnell hochgejubelt. Die Gefahr ist dann, sich besser zu sehen, als man schon ist.“ Ein Schlüsselmoment allerdings sei die Verletzung gewesen. Bruch des Sprunggelenks, das setzte ihn für drei Monate außer Gefecht.

Weigl: „Im Moment nicht unverzichtbar“

„Du musst alle Bewegungen neu automatisieren. Das kommt einem vor, als müsste man neu laufen lernen.“ Weigl hat die Situation angenommen, auch wenn es schwere Tage gab. Ihm sei klar, dass er sich den einstigen Stellenwert völlig neu erarbeiten müsse. „Ich weiß, dass die Leute im Verein viel von mir halten. Ich weiß aber auch, dass ich im Moment nicht unverzichtbar bin.“

Das Interview mit der SZ fand vor dem Derby statt. Dort spielte Weigl nicht, was sicher kein Nachteil war. Mit der Umstellung auf das 4-1-4-1 kehrte er dann erfolgreich zurück. In Bremen gewann er 57 Prozent seiner Zweikämpfe, verbuchte 71 Ballkontakte, spielte 64 Pässe. 58 kamen an. Weigl hat sich seinen Platz zurückgeholt. Ziemlich eindrucksvoll.

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