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Granate Teddy hängt die Handschuhe an den Nagel

BVB-Legende de Beer beendet Karriere

Nach 32 Jahren bei Borussia Dortmund nimmt Wolfgang de Beer Abschied. Sportdirektor Michael Zorc schwärmt in den höchsten Tönen, nennt Teddy „eine menschliche Granate“. Ganz geht der 54-Jährige zum Glück nicht.

DORTMUND

, 26.05.2018
Granate Teddy hängt die Handschuhe an den Nagel

Beendet nach 32 BVB-Jahren seine aktive Karriere: Teddy de Beer. © Guido Kirchner

Ein Shetland-Pony könnte problemlos durch seine O-Beine hindurchreiten. Diese extrem krummen Dinger sind das Markenzeichen des blonden Mannes, dessen falschen Namen an jedem Spieltag Zehntausende aus Leibeskräften Richtung Norden brüllen. Die Südtribüne des BVB ist eben schwer verliebt, seit 32 Jahren schon hat sie sich verguckt in ihren Teddy.

„Komm, Junge, nächste Woche wird’s besser“

Eigentlich heißt er ja Wolfgang. Aber so nennt ihn nur seine Frau. Dann eben Teddy de Beer. Erst war er Torwart, dann Ersatztorwart, dann Torwarttrainer der Dortmunder Borussia. Längst ist er einer der ganz großen Lieblinge des Klubs, auf einer Stufe mit Michael Zorc oder Aki Schmidt, einer der immer einen Stehplatz im Herzen der treuen Schwarzgelben haben wird. Denn de Beer, der jetzt, mit 54, die Handschuhe zur Seite legt, war von der ersten Minute an einer von ihnen. Weil de Beer verinnerlichte, worauf es in Dortmund ankommt. Auf Leidenschaft. Auf Bodenständigkeit. „Wenn du den Leuten hier dein Herz zeigst, dann vergessen sie dir das nicht. Wenn du alles gegeben hast, klopfen dir die Leute trotz einer Niederlage auf die Schulter und sagen: Komm, Junge, nächste Woche wird’s besser“, sagt er.

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Die besten Bilder aus der Karriere des Teddy de Beer

25.05.2018
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Die besten Bilder aus der Karriere des Teddy de Beer.
Die besten Bilder aus der Karriere des Teddy de Beer.© picture alliance / dpa
Die besten Bilder aus der Karriere des Teddy de Beer.© imago sportfotodienst
Die besten Bilder aus der Karriere des Teddy de Beer.© imago sportfotodienst
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Die besten Bilder aus der Karriere des Teddy de Beer.© imago/Sven Simon
Die besten Bilder aus der Karriere des Teddy de Beer.© imago/Team 2
Die besten Bilder aus der Karriere des Teddy de Beer.© imago/Thomas Bielefeld
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Die besten Bilder aus der Karriere des Teddy de Beer.© imago/Christian Schroedter
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Die besten Bilder aus der Karriere des Teddy de Beer.© picture alliance / Friso Gentsch
Die besten Bilder aus der Karriere des Teddy de Beer.© picture alliance / dpa
Die besten Bilder aus der Karriere des Teddy de Beer.© picture alliance / dpa

15 Trainer wie Saftig, Hitzfeld, Sammer, van Marwijk, Klopp oder Stöger kamen, schätzten seine Spezialisten-Dienste - und gingen wieder. De Beer blieb. Und er wirkte für sie alle als unumstrittener Spezialist. Erst zwischen den Pfosten als reaktionsschneller Torwart, dann 17 Jahre lang als Trainer und Förderer seiner Nachfolger. Vom BVB weggehen? Nicht de Beer. „Wenn es wirklich eng wurde, hat keiner mehr gepfiffen. Die Fans haben ein gestolpertes 1:0 gefeiert. Denn die Leute hier haben ein feines Gespür dafür, wann sie hinter der Mannschaft stehen müssen. Das ist in Dortmund etwas ganz Besonderes. Ich habe den Fans viel zu verdanken“, gesteht er. Und sie ihm viele unvergessliche Momente. Tragik, Jubel, Paraden.

„Er hat den Laden zusammengehalten“

70.000 Deutsche Mark ließ sich der BVB anno 1986 die Verpflichtung des damals 22-Jährigen vom MSV Duisburg kosten. Heute ist Teddy unbezahlbar. Eine bessere Investition? Unvorstellbar. Das weiß auch de Beers Chef. „Wir sind Teddy zu großem Dank verpflichtet und lassen ihn nur mit einer dicken Träne im Auge in den verdienten Trainer-Ruhestand gehen. Er ist und bleibt ein großes Stück BVB“, betont Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke.

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Nicht nur als Sportsmann hat der Dinslakener sein Denkmal in Dortmund zementiert. „Als Mensch ist Teddy eine Granate. Er hat den Laden zusammengehalten. Teddy war so ein bisschen der Klebstoff, den man braucht, um sportlichen Erfolg zu haben“, sagt BVB-Sportdirektor Michael Zorc, der einst mit dem Keeper zu Spielerzeiten das Hotelzimmer teilte. Dann verletzte sich de Beer schwer, ein Schien- und Wadenbeinbruch zwang ihn zu einer langen Pause. Doch der Verein ließ ihn nicht fallen. Teddy gab in der zweiten Reihe als Keeper fortan alles - und das Zimmer mit Zorc irgendwann auf. „Sie müssen wissen, dass Teddy abends immer früh ins Bett geht und ich lange wach bleibe. Freundschaftlich sind wir aber trotzdem immer ganz eng verbunden geblieben“, verrät Zorc.

Teddy, der Baumeister

Dann kam de Beers dritter Akt in Schwarzgelb. Teddy, der Torwarttrainer. Und Teddy, der Baumeister. Denn de Beer baute seine Trainingsgeräte gern selbst. „Warum auch nicht, ich bin gelernter Schreiner, habe einen Gesellenbrief“, sagt er, als wäre das auch heute im Profifußball noch selbstverständlich. Um Spielsituationen realitätsnah zu trainieren, schraubte und sägte er Prellwände passgenau zusammen. Und Rampen. „Um einen Maulwurfhügel auf dem Rasen zu simulieren“, erklärt er und lacht. Mit dem Schreinern und dem Bälle schießen ist jetzt Schluss. „Mein Kopf und mein Körper sagen mir nach all den wundervollen, spannenden, intensiven Jahren, dass es nun an der Zeit ist“, meint de Beer. Täglich in kurzen Hosen auf dem Rasen zu stehen, das ist jetzt was für Jüngere.

Bleiben wird viel mehr als sein (vermutlich selbst gebauter) Schrank voller Trophäen. Mit dem Pokalsieg 1989 als Karriere-Höhepunkt. De Beer stand auch im Spielerkader, der 1997 die Champions League und den Weltpokal gewann, er reckte 1995 und 1996 die Meisterschalen gen Himmel. Als Torwarttrainer fuhr er drei weitere Meistertitel (2002, 2011, 2012) und zwei DFB-Pokalsiege (2012 und 2017) ein. Ein ganz schön strammer Briefkopf. Als interner Kassenwart der Mannschaft war er zudem gnadenlos mit Schuldnern. „Ich bin eben ein Mann mit Prinzipien, ich kann Schlunzigkeit nicht leiden“, erklärt de Beer. Auch für diese Haltung lieben sie ihn in Dortmund.

Der vierte Akt steht bevor

Und genau deshalb ist er auch wie geschaffen für den vierten Akt in Schwarzgelb, der jetzt bald kommen wird. Er selbst mag noch nicht viel über seine neue Herausforderung sprechen, aber er wird sich im Auftrag des Klubs um die Belange von BVB-Fans kümmern. Und wenn nicht er, wer denn sonst? Er hat hier alles miterlebt. Gute Zeiten, schlechte Zeiten. Beides bis ins Extrem. Er hat sich hier festgeliebt. „Ich bin nur nicht mehr so groß wie früher. Die Beine werden krummer.“ Alles andere wäre auch kein Teddy.

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Ein Spitzname für die Ewigkeit Den Spitznamen Teddy verpasste de Beer einst ein Jugendtrainer. Damit ihn die vielen neuen Spielernamen nicht durcheinander brachten, taufte er de Beer nach dessen Nachnamen merkfähig um.