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Faktencheck

Werden die BVB-Spieler wirklich häufiger gefoult?

DORTMUND Gehen die Gegner den BVB überhart an? Diese Diskussion wird in der Bundesliga seit dem vergangenen Samstag geführt. Dortmunds Trainer Thomas Tuchel hatte sie nach der 0:2-Niederlage bei Bayer Leverkusen angestoßen. Doch hält sein Gefühl und der von ihm zitierte Daten-Ausschnitt dem Faktencheck stand? BVB-Reporter Matthias Dersch hat die Bundesliga-Statistik geprüft.

Werden die BVB-Spieler wirklich häufiger gefoult?

Sebastian Rode (r.), hier gefoult von Charles Aranguiz, musste in Leverkusen angeschlagen ausgewechselt werden.

Der Moment, in dem Thomas Tuchel in Leverkusen vor laufender Kamera einen Zettel aus der Tasche zieht, um die Foulstatistik der vergangenen Spiele abzulesen, besitzt das Zeug, in die Annalen der Bundesliga einzugehen. Seitdem jedenfalls wird in der Bundesliga heftig darüber debattiert, ob Dortmund das Opfer überharter Gegner ist.

Watzke stimmt Tuchel zu

BVB-Boss Hans-Joachim Watzke ist wie Tuchel davon überzeugt und kündigte via „Bild“ an, notfalls hart dagegenzuhalten. „Vielleicht“, sagte er, „sollten wir ein bisschen härter einsteigen und auf den Fairness-Preis verzichten.“ Auge um Auge, Foul um Foul, wenn man so will.

DORTMUND 119 Fouls in sechs Spielen – außer dem FC Ingolstadt (120) wird kein Bundesliga-Team so häufig gefoult wie Borussia Dortmund. BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke fordert nun, mit Härte auf dem Platz zu reagieren. Wir fragen daher: Muss der BVB mit Härte dagegenhalten?mehr...

Doch wird der BVB wirklich zu hart angegangen? Die allgemeine Foulstatistik spricht dafür: Dortmund wurde an den bisherigen sechs Spieltagen insgesamt 119 Mal gefoult, einzig der FC Ingolstadt wird minimal häufiger gefoult (120 Mal). Im Gegenzug griff der BVB bislang nur 51 Mal zu unerlaubten Methoden, kein anderes Team foulte seltener. Selbst der FC Bayern, der ähnlich häufig am Ball ist wie der BVB, foulte bislang 61 Mal.

Statistiken für und wider

Die Kartenstatistik spricht ebenfalls für die Theorie von Tuchel und Watzke: Dortmund kassierte fünf Gelbe Karten, die von Tuchel explizit angesprochenen Teams aus Leverkusen (zwölf Gelbe Karten, davon fünf gegen den BVB), Freiburg (14 Gelbe Karten, davon drei gegen den BVB) und Mainz (elf Gelbe Karten, davon drei gegen den BVB, sowie zwei Rote Karten) jeweils deutlich mehr.

Schweigen auf der BVB-Chefetage

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Aber: Im Schnitt kassiert ein BVB-Gegner für rund jedes sechste Foul eine Gelbe Karte, niedrigere Quoten haben in der Liga nur Hertha BSC (4,7) und RB Leipzig (5,1). Von einem laxen Umgang der Schiedsrichter mit Dortmunds Gegenspielern kann also keine Rede sein.

Höhere Ballbesitzquote

In den direkten Duellen mit Freiburg und Mainz hatte der BVB jeweils den höheren Ballbesitzanteil: gegen Freiburg 64 Prozent, gegen Mainz 57 Prozent. Die Fouls waren prozentual noch wesentlich deutlicher verteilt: Die Freiburger vereinten 87 Prozent aller Fouls auf sich, die Mainzer immerhin noch 77 Prozent. Das spricht für eine harte Gangart des Gegners.

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Etwas diffuser gestaltet sich das Bild allerdings ausgerechnet in dem Spiel, nach dem Tuchel sich so echauffiert hatte: Dortmunds Ballbesitzanteil gegen Leverkusen lag bei 70 Prozent, der Anteil an den Fouls bei 25 Prozent. Im Umkehrschluss heißt das: Gegen den Ball hat der BVB nur unwesentlich seltener gefoult als die Spieler der Werkself. Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc versuchte im „Kicker“, die Diskussion wegzuziehen von der rein quantitativen Betrachtung, hin zu einer qualitativen. „In vielen Spielen ist es ein taktisches Mittel, unseren Spielfluss, unsere Dribblings, unsere schnellen Kombinationen zu unterbrechen“, sagte er dort und kritisierte die fehlende Konsequenz der deutschen Referees: „Das wird leider von den Schiedsrichtern nicht – wie es eigentlich angekündigt wurde – geahndet.“

Dribbler häufiger gefoult

In der Tat sind es vor allem Dortmunds Dribbler Emre Mor, André Schürrle und Mario Götze, die häufig unfair gestoppt werden. Götze und Schürrle werden im Schnitt alle 26 Minuten gefoult, Mor alle 27 Minuten. Ligaspitze sind sie damit nicht. Dort rangieren unter anderem Dario Lezcano (alle 21 Minuten gefoult, Ingolstadt), Jhon Cordoba (alle 23 Minuten gefoult, Mainz) und Sandro Wagner (alle 25 Minuten gefoult, Hoffenheim) vor den genannten Borussen. Übrigens: Völlig fremd ist Thomas Tuchel ein körperbetontes Spiel nicht. Als er in der Saison 2013/2014 mit Mainz beim BVB 2:4 verlor, foulten seine Spieler bei ausgeglichenen Ballbesitz 18 Mal, Dortmund neun Mal.

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