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850 Sportler bringen ein Stück Hawaii nach Dortmund

9. Westfalentriathlon

DORTMUND Normalerweise geht es im Dortmunder Fredenbaumpark sonntags eher gemächlich zu: Hundebesitzer führen ihre Vierbeiner Gassi, Pärchen flanieren Händchen haltend über die Gehwege – Idylle pur eben. Am Sonntag war jedoch alles anders. Der 9. Westfalentriathlon mit seinen 850 Teilnehmern sorgte für reichlich Action, Schweiß und Spannung.

von Von Matthias Dersch

, 04.07.2010
850 Sportler bringen ein Stück Hawaii nach Dortmund

Flüssigkeitsaufnahme und Erfrischungen gehörten beim gestrigen Westfalentriathlon und 28 Grad im Schatten zum Wettbewerb wie die Lauf- und Rennradausrüstung.

Rennrad an Rennrad, eins teurer als das andere, stehen ordentlich aneinander gereiht in einer Linie. Daneben: Dutzende Laufschuhe, unzählige Trinkflaschen und kiloweise Bananen. Man merkt sofort: Es ist wieder Triathlon-Zeit im Fredenbaum. Es schlägt wieder die Stunde der (positiv-)verrückten Ausdauersportler! Die Zeiger stehen auf fünf vor zwölf, als Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau bei „wilden Temperaturen“ den Wettkampf über die olympische Distanz (1,5 km Schwimmen, 40 km Rennrad, 10 km Laufen) eröffnet – und dann ist sie auch schon dahin, die berühmte Ruhe vor dem Sturm. 250 Starter verwandeln den vorher sanftmütig vor sich hin fließenden Dortmund-Ems-Kanal von jetzt auf gleich in eine wahre Kampfarena. Gliedmaßen suchen sich ihre Weg durch die Fluten, jeder will sich seinen Platz im Feld erkämpfen. Zurückstecken? Gibt es nicht! Für die vielen Zuschauer, die das Ufer säumen, bedeutet der hundertfache Ellenbogen-Kampf das erste große Spektakel des Tages. Für die Athleten, unter denen sich auch die wacker kämpfenden Teilnehmer des Ruhr Nachrichten-Triathlon-Duells befinden, ist die Schwimmstrecke jedoch Segen und Fluch zugleich. Bei schwül-heißen Saunatemperaturen bedeutet das immerhin 23 Grad warme Wasser einerseits zumindest etwas Abkühlung, andererseits fürchten vor allem die vielen Hobbysportler die erste – und vielleicht schwerste – Etappe des Dreikampfs.

Rasch trennt sich dann auch die Spreu vom Weizen. Als Matthias Bergermann (TBV Lemgo) nach 19:50 Minuten als Erster aus dem Kanal klettert, ist so manch anderer gerade erst an der Wendemarkierung angelangt. Ähnlich schnell, wie er sich zuvor durch das Wasser gepflügt hat, fliegt der gebürtige Hertener anschließend mit dem Rad über die 40 Kilometer lange Distanz (58:15 Minuten). Den Sieg hat er da bereits in der Tasche – und doch gibt er auch noch auf der schattigen Laufstrecke (34:22) alles, um den Beobachtern am Streckenrand ein Spektakel zu bieten. Die Faszination des Sports. Sie wird in Momenten wie diesen greifbar. Nach 1:52.29 Stunden überquert Bergermann scheinbar locker die Ziellinie. Fast mitleidig schaut er für einen kurzen Moment zurück auf die Piste, wo sich seine rund 200 Konkurrenten über die olympische Distanz ausgepowert Meter für Meter voran quälen. Manche von ihnen werden noch über eine Stunde auf den Beinen sein, bevor sie im Zielbereich von ihren Liebsten empfangen – und teilweise gestützt – werden. Ins Ziel geschleppt

Bei Triathlon-Teilnehmer André Hundt ist die Freude besonders groß, als er eine gute halbe Stunde später auf die Zielgerade einbiegt. Sieben Monate lang hatte er sich auf diesen Tag vorbereitet. Mit Erfolg: Deutlich vor RN-Redakteur Sascha Fligge, dessen zweiter Rang mit einem Giant-Zeitfahrrad aus dem Hause „2 Rad Center Bergmann“ garniert wurde, kämpft er sich stolz ins Ziel (das übrigens alle zehn Triathlon Duell-Teilnehmer, die gestartet waren, auch erreichten). Als Belohnung wartet auf Duell-Sieger Hundt nun eine von Explorer Fernreisen zusammengestellte, siebentägige Reise zum berüchtigten „Ironman“ auf Hawaii.  Doch davon will er im Moment seines Triumphs zunächst gar nichts wissen. „Fragen Sie mich morgen noch einmal. Mein Kopf ist total leer, so erschöpft bin ich“, stöhnt er: „Ich brauche jetzt erst einmal etwas zu trinken.“ Wie ihm geht es vielen – und doch wird man sie auch im nächsten Jahr wieder schwitzend im Fredenbaumpark vorfinden. Ein wenig Verrücktheit gehört beim Triathlon eben dazu! 

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