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Christian Bodach: Salzige Zunge und taube Füße

Extremsport

Christian Bodach mag es extrem. Bei einem Lauf unter Tage in einem Bergwerk hatte er dabei vor allem mit der Hitze zu kämpfen. Bei seinem letzten Abenteuer machte dem Dortmunder vor allem die Kälte zu schaffen.

DORTMUND

von Von Andrea Wellerdiek

, 17.07.2012
Christian Bodach: Salzige Zunge und taube Füße

Extremsportler und Triathlet Christian Bodach auf der Fähre.

Beim 24. internationalen Nordseeschwimmen geht es über 10,6 Kilometer von der Insel Langeoog zum Festland nach Bensersiel. Dabei heißt die größte Herausforderung: die bissige Kälte. Bei einer Wassertemperatur von unter 15 Grad stürzen sich die rund 200 Extremsportler in die Nordsee – Wellengang, Strömungen und bitteres Salzwasser inklusive. Neben den äußerlichen Bedingungen kämpfen die Sportler vor allem damit, die Orientierung nicht zu verlieren. „Man sieht nur Wasser und es dauert sehr lange, bis Land in Sicht ist“, erzählt Bodach, der als 33. und nach 1:47 Minuten das Ziel erreicht. Nach dem Start von einer Fähre aus dient ein Segelschiffchen zwar als Orientierung, aber „das ist für die meisten Teilnehmer ja auch schnell außer Sichtweite“.

Für viele Sportler ist das eine Horrorvision, für Christian Bodach genau der Reiz, der es ausmacht. Das Ungewisse ist das Besondere. Eine gezielte Vorbereitung für das Nordseeschwimmen gab es für den Dortmunder, der kürzlich noch am Ironman in Frankfurt startete, deshalb auch nicht. Nur einen Trick hat sich der 32-Jährige von seinen Mitstreitern von der ersten Teilnahme im vergangenen Jahr abgeguckt: die Mitnahme einiger Energiebringer. Dieses Mal hat sich Bodach vorn in seinen engen Neoprenanzug ein Päckchen Traubenzucker gesteckt. Doch auch auf den letzten Kilometern bleibt die gewünschte Energiezufuhr aus.

Der Triathlet kann das Päckchen schlichtweg nicht öffnen. Seine Hände sind taub vom eiskalten Wasser. Auch die Füße sind nicht mehr zu spüren. „Das habe ich noch nie erlebt“, sagt Bodach, der sich so richtig auch nicht über die heiße Erbsensuppe im Ziel freuen konnte. Denn schmecken konnte er sie nicht. Zu sehr lag ihm noch das Salzwasser auf der Zunge. Er habe deutlich mehr Wasser geschluckt als letztes Jahr, meint Bodach.

Auch noch ein weiteres Souvenir hat der Berufsschullehrer von der Nordsee mitgenommen: Wunden an den Füßen. Kurz vor dem Ziel muss er sich diese an Steinen im Bensersieler Hafen aufgeschlagen haben. Gespürt hat er dies aber auch erst, als seine Füße langsam wieder aufgetaut sind. Andere Teilnehmer hatten Probleme anderer Art: Sie hatten schon vor dem Ziel Land unter den Füßen. Denn sie sind auf eine Sandbank geschwommen. Aber den Extremsportler Christian Bodach kann das nicht abschrecken. Nächstes Jahr soll es wieder in die Nordsee gehen. Auch wenn es dann wohl von Norddeich zur Insel Norderney geht.

„Erst habe ich gesagt ’nie wieder‘, aber jetzt sieht das schon ganz anders aus. Nächstes Jahr schwimme ich auch gern nach Norderney“, sagt Christian Bodach. Dann nimmt er auch wieder einen Tipp seiner Mitstreiter an: Handschuhe und Schuhe aus Neopren sind gegen die Kälte hilfreich. Beim nächsten Nordseeschwimmen wird Bodach darauf zurück kommen. Auch wenn er es gern extrem mag. 

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