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Der Dortmunder Heiko Wasser in seiner 25. Saison

Formel 1

Seit mehr als zwei Jahrzehnten gibt er der Formel 1 seine Stimme: Heiko Wasser. Zum bereits 25. Mal kommentiert der 58-Jährige eine Rennsaison auf RTL. Christian Stein sprach mit dem bekannten Fernsehkommentator über den Rennsport, Reisestrapazen und Hotelanimation.

DORTMUND

, 07.10.2016
Der Dortmunder Heiko Wasser in seiner 25. Saison

... und Formel-1-Kommentator Heiko Wasser (l.).

Heiko Wasser, durch Ihre jahrelange Arbeit als Formel-1-Kommentator bereisen Sie die ganze Welt. Überwiegt die Anstrengung? Oder doch die Vorfreude auf neue Länder, Kulturen und Menschen?

Halbe-halbe. Ziele wie Australien, Kanada oder Singapur sind immer noch aufregend. Aber es gibt auch Rennen, auf die ich gut verzichten könnte – wie zum Beispiel Russland oder China.

Warum ausgerechnet Russland oder China?

Einmal natürlich wegen der politischen Lage. Aber auch schlicht und einfach, weil es extrem umständlich ist, hin und wieder zurück zu kommen. Endlose Visa-Formalitäten und weite, komplizierte Anreisen.

Bleibt bei all den Reisen und dem straffen Renn-Programm an den Wochenenden überhaupt noch Zeit, die Städte zu entdecken?

Wenig. Es ist meine 25. Saison und mit 21 Rennen die längste Saison aller Zeiten. Da versuche ich schon, so schnell wie möglich wieder nach Hause zu kommen.

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Sie sprechen das Zuhause an. Wie erholen Sie sich am liebsten von den Reisestrapazen?

Durch lange Spaziergänge mit meiner Frau und meinen Hunden in der Bittermark in Dortmund, mit Joggen am Phoenix-See, ich treffe mich mit Freunden und gehe natürlich regelmäßig ins beste Stadion der Welt (Signal Iduna Park in Dortmund, Anm. d. Red.).

Wie hat sich die Formel 1 aus Ihrer Sicht in den vergangenen Jahren entwickelt?

Vieles ist zu kompliziert geworden, auch durch einige blöde Regelungen. 16 Rennen wie früher würden völlig ausreichen. Ein Grand-Prix muss etwas Besonderes bleiben. Dadurch haben wir viele Zuschauer verloren, was echt traurig ist, denn dieses Jahr haben wir bereits tolle Rennen mit extrem vielen Überholmanövern gesehen.

Welche Regelungen sind zu kompliziert geworden?

In erster Linie die Hybridtechnik. Wann und wie die Batterien geladen werden, der Einfluss auf die Bremsbalance und dann vor allem die Limitierung der einzelnen Komponenten – Motor, Turbo und so weiter. Und die Strafen, wenn mehr als fünf benutzt werden. Da blickt kein Fan mehr durch. Ähnlich beim Funkverbot.

 

Seit 1998 sitzen Sie in der Kommentatorenkabine neben Experte Christian Danner. So häufig, wie Sie sich sehen: Fühlt sich das mittlerweile wie eine Arbeitsehe an?

Fast. Wir hängen ja auch auf den Reisen und im Hotel viel miteinander ab. Da Christian aber mit Fußball nichts am Hut hat, Vegetarier ist und immer früh ins Bett geht, bin ich fast mehr mit Florian König (RTL-Moderator, Anm. d. Red.) unterwegs, der auch zu unserer Dreier-Gruppe gehört.

Sie müssen als Kommentator natürlich objektiv sein – hat man insgeheim aber trotzdem nicht einen Lieblingsfahrer? Ich finde einige Fahrer sehr gut, einige kenne ich aber auch privat sehr gut.

Zum Beispiel? Mit wem kann man privat auch mal was unternehmen?

Unternehmen ist vielleicht etwas übertrieben, das könnten ja alle meine Söhne, wenn nicht sogar Enkel sein. Aber wenn ich Seb, Hulk, Pascal und Nico (Sebastian Vettel, Nico Hülkenberg, Pascal Wehrlein und Nico Rosberg, Anm. d. Red.) im Hotel oder Flieger treffe, reden wir auch schon mal privat miteinander – zum Beispiel über Hunde, Urlaubsziele zwischen den Rennen und natürlich Fußball. Richtig gut verstanden habe ich mich aber auch mit Mika Häkkinen und Mark Webber, die aber ja beide leider nicht mehr dabei sind.

Was hat das Schicksal von Michael Schumacher mit Ihnen gemacht? Sie kennen ihn sehr gut und auch schon lange.

Wie jeder von uns war und bin ich immer noch geschockt und traurig. Es gibt kaum ein Formel-1-Wochenende, an dem er mir nicht in den Sinn kommt – weil er eben so gut wie überall gewonnen hat. An ihn gibt es 1000 schöne Erinnerungen. Dagegen sind die Nachrichten, die auch ich nur sehr spärlich bekomme, leider alles andere als wirklich gut.

Sie sprechen das Thema Erinnerungen an. An welche Kuriosität in der Formel 1 erinnern Sie sich noch heute?

Das ist eine ganz schwere Frage, es gab so viele Kuriositäten. Zum Beispiel der LKW-Streik vor 20 Jahren in Frankreich, als ich mit Kai Ebel (Streckenreporter, Anm. d. Red.) im Leihwagen stundenlang über Landstraßen und Feldwege von Paris nach Magny-Cours geirrt bin – ohne Handy und Navi wohl gemerkt. Oder die WM-Party mit Schumi in Japan. Oder einen Formel-1-Wagen mal selbst gefahren zu haben. Oder der Deutsche Fernsehpreis, den ich gewonnen habe. Oder auch, als ich dem Disney-Film „Cars“ meine Synchronstimme gegeben habe.

Früher haben Sie regelmäßig Fußballspiele bei RTL kommentiert. Fehlt Ihnen das?

Leider kollidieren zu oft die Länderspiele, die RTL ja überträgt, mit der Formel 1. Sonst käme ich sicher häufiger ans Mikro. Traurig, aber nicht zu ändern. Man muss Prioritäten setzen. Von fünf Länderspielen im Jahr kann ich nicht leben.

Stimmt es, dass Sie in den 80er-Jahren auch mal als Hotelanimateur in Griechenland gearbeitet haben? Das scheint letztendlich nichts für Sie gewesen zu sein, oder?

Stimmt, im Robinson-Club. Das hat viel Spaß gemacht und war eine gute Schule für Radio und TV. Danach habe ich viele Animateure ausgebildet. Auch heute mache ich noch Mikrotraining, halte Vorträge und habe ein Comedy-Bühnenprogramm mit den besten Storys aus 25 Jahren Formel 1 auf die Beine gestellt.