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Dortmunds K.o.-Königin Christina Hammer kämpft um die WM-Krone

Boxen

Schnell ist sie auf den Beinen, lässt im Sparringsring die Führhand entschlossen und fordernd nach einer Lücke in der gegnerischen Abwehr suchen, schießt plötzlich und mächtig ihre rechte Schlaghand heraus. Profi-Boxerin Christina Hammer ist in ihrem Element, ehrgeizig schuftet sie für ein großes Ziel.

DORTMUND

von Von Harald Gehring

, 08.10.2010

„Ich will Weltmeisterin werden“, sagt die Athletin, die keine Zweifel aufkommen lässt: „In Riesa will ich den WBO-Gürtel im Mittelgewicht erobern.“ In Riesa, am 23. Oktober in der Erdgas Arena, trifft die 20-Jährige, die aus dem nordhessischen Sontra stammt, aber mittlerweile in Dortmund heimisch wurde, auf die Amerikanerin Teresa Perozzi.

Die 37-jährige Titelverteidigerin des WBO-Verbandes gilt als größte boxerische Herausforderung in der noch jungen Profi-Karriere von Christina Hammer. „Perozzi ist eine Rechtsauslegerin, das ist etwas ungewöhnlich, darauf muss ich mich einstellen. Aber das schaffe ich schon“, sagt Hammer. Ihr Optimismus ist wohl begründet. Die Fakten im Ring sprechen eine klare Sprache – sieben Kämpfe, sieben Siege, sechs davon durch K.o. Zwischen den Seilen macht Christina gern kurzen Prozess, sie fackelt nicht allzu lange, schlägt hart und treffsicher zu.

„Wenn Christina in den Ring klettert, hat sie wenig Zeit. Da vergisst sie schon mal die taktischen Vorgaben. Sie ist eine Boxerin, die sofort attackiert“, berichtet ihr Trainer Dimitri Kirnos. Der 74-jährige Mengeder besitzt eine jahrzehntelange Boxerfahrung. Die Boxer des BSV 20 Mengede profitieren seit vielen Jahren davon. Kirnos ist für seinen Schützling jedoch nicht nur Coach. „Er ist auch so etwas wie meine Ersatzfamilie“, bekennt Hammer. Als 15-Jährige entdeckte sie ihre Begeisterung für den Faustkampf, boxte in Eschwege unter der Regie von Trainer Robert Staar, feierte schnell nationale Erfolge. Mit 16 war sie bereits deutsche Junioren-Meisterin, entdeckte aber schnell den Haken an der Sache: „Ich fand kaum Gegnerinnen.“

Da kam es mehr als gelegen, dass sich Staar und Dimitri Kirnos gut kannten. Der Vorschlag, eine Profi-Karriere zu versuchen, wurde von der Familie Hammer unterstützt. „Ich war sehr entschlossen, Profi zu werden, ich bin ehrgeizig“, berichtet die Weltmeisterschafts-Herausforderin. Ihren starken Willen setzte die aparte, einen Meter achtzig große Neu-Dortmunderin rasch in Taten um. Ihr Talent, ihre Trainingsdisziplin und ihre Schlagkraft räumten die Siegesspur machtvoll frei. „Christina ist wohl Linksauslegerin, aber im Grunde ist sie beidhändig. Sie kann auch mir ihrer Linken eine Gegnerin auf die Bretter schicken“, preist Kirnos die boxerischen Qualitäten.

Ob die ausreichen im WM-Kampf über zehn Runden? „Zehn Runden lang habe ich noch nie geboxt. Deshalb arbeite ich hart an meiner Kondition“, sagt Hammer, deren prall gefülltes Tagesprogramm kaum Zeit für Pausen lässt. Morgens nach dem Frühstück steht ab 10 Uhr Konditionsarbeit auf dem Programm. Bis mittags um 12 wird gelaufen, gesprungen, gehüpft. Nach dem Mittagessen und einer Pause geht‘s ab 16.30 Uhr weiter mit Box-Übungen. „Die Pausen brauche ich, um meinen Haushalt zu führen, abends telefoniere ich mit meinen Eltern, mit meinem Bruder Thomas oder mit Freunden. Und gelernt wird auch. Ich will im nächsten Jahr am Westfalen-Kolleg mein Abitur machen“, sagt die eher zurückhaltende Faustkämpferin, die so gern ihrem großen Vorbild Regina Halmich nacheifert.

Für den Weltmeisterschaftskampf gegen Teresa Perozzi fühlt sie sich bestens gerüstet. Christina ist die Nummer 1 der unabhängigen Computer-Rangliste. Ihren letzten Kampf in Ljubljana gewann sie gegen die Rumänin Mihaela Dragan durch technischen K.o. – was für eine Überraschung. Sie benötigte ganze 1:30 Minuten. Ganz so schnell wird es gegen Perozzi wohl kaum gehen. „Teresa ist eine körperlich sehr robuste, physisch starke Gegnerin mit großer Erfahrung. Aber sie ist zehn Zentimeter kleiner als ich. Meinen Vorteil der größeren Reichweite will ich einsetzen“, gewährt Christina Hammer einen kurzen Einblick in ihr taktisches Konzept. In Riesa schlägt die Stunde der Wahrheit. „Der WM-Kampf ist meine riesige Chance“, sagt die Knock-Out-Spezialistin. Und die will sie nutzen. „Meine Stärke ist es, aus der Distanz zu boxen. Schlagen, treffen und Wirkung erzielen, so muss es laufen“, betont sie. Und wenn es wider Erwarten schief geht? „Ich denke nie daran zu verlieren“, sagt Christina Hammer und kehrt zurück zur Sparringsarbeit. Wer will da noch wirklich zweifeln? Niemand. Das ist sicher. 

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