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Einmal Giant, immer Giant: Markus Wiesemes

Serie: Herzblut

"Einmal Giant, immer Giant", sagt Markus Wiesemes, angesprochen auf seinen Herzensklub, der seine Spiele im Dortmunder Hoeschpark austrägt. Wiesemes sagt das mit viel Pathos, ist dabei aber so authentisch, wie man es nur sein kann, wenn man seinen Sport aufrichtig liebt. Der Präsident der Giants tut dies - und lebt seine Leidenschaft bereits seit mehr als 30 Jahren beim Dortmunder Klub aus.

DORTMUND

, 24.06.2017
Einmal Giant, immer Giant: Markus Wiesemes

Markus Wiesemes trägt nicht nur den Football, sondern auch seinen Verein im Herzen. Auf dem 2015 eingeweihten Kunstrasenplatz im Hoeschpark gehen die Giants aktuell in der Regionalliga auf Punktejagd.

Wiesemes ist ein Vereins-Urgestein, zu dem alle aufsehen – und das nicht zuletzt wegen seiner körperlichen Statur, die eigentlich überhaupt nicht zu seinem Leben abseits des Platzes passt: Der Gigant aus dem Hoeschpark ist gelernter Versicherungskaufmann. „Ich habe das aber immer strikt voneinander getrennt. Wie hätte das denn ausgesehen, wenn ich meinem Gegner auf dem Platz eine Versicherung angeboten hätte“, sagt der 48-Jährige mit einem Lächeln. Wiesemes’ Leben als Giant war aber keineswegs immer nur spaßig.

Gegen eine Mauer prallen

Als der im Februar dieses Jahres zum Präsidenten gewählte Bochumer 1986 das erste Mal für den Dortmunder Footballklub auf dem Rasen stand, habe er keinen blassen Schimmer davon gehabt, was seine Aufgaben sind. „Ich wurde wie ein Flummi hin- und hergeworfen. Das lag vielleicht auch daran, dass ich sofort in der Bundesligamannschaft zum Einsatz kam. Als ich hier aufgekreuzt bin, hat mir blöderweise niemand gesagt, dass es auch ein Jugendteam gibt“, erinnert sich der ehemalige Defense Liner, der meist als Nose Guard eingesetzt wurde.

Rücken und Knie hat er in den folgenden 22 Jahren auf dem Feld so sehr beansprucht, dass Spielen heute – abgesehen von der ein oder anderen Benefizveranstaltung – nicht mehr möglich ist: „In der Line ist es, als würde man mit 30 km/h vor eine Mauer fahren. Aber obwohl ich jetzt weiß, welche Folgen das haben kann, würde ich wieder anfangen, wenn ich denn könnte. Dafür finde ich den Sport zu schön.“

Der Ruf von früher

Football habe teilweise immer noch den Ruf von früher: Hohle Rüben, die sich gegenseitig umrennen. Aber das sei nicht so. „Natürlich kann man beim Football Frust abbauen. Und es tut auch schon mal weh, aber brutal ist es nicht“, sagt Wiesemes. Schließlich gebe es heute eine technologisch hochwertige Ausrüstung, die Regeln seien wesentlich strenger als früher und die Spieler würden so trainiert, dass sie lernten, sich nicht zu verletzen.

Das war in den 80er- und 90er-Jahren noch nicht ganz so. Rein sportlich betrachtet war es für die Giants allerdings die erfolgreichste Zeit. Erste Bundesliga, Hunderte Zuschauer im Stadion Rote Erde, der damaligen Heimspielstätte der Footballer. Wiesemes hat diese Zeiten genauso mitgemacht wie den Untergang Ende der 90er, als den Giants nach der Fusion mit den Bochum Cadets die Lizenz entzogen wurde. Und er hat seit seinem Eintritt in den Vorstand 1999 kräftig mitgeholfen beim Wiederaufbau des Vereins, für den die Verantwortlichen zunächst die alten Veteranen reaktivieren mussten. Dann ging es allmählich bergauf. Aktuell gehen die Giants in der Regionalliga auf Punktejagd.

Die Highlights

Wiesemes erinnert sich gerne an seine persönlichen sportlichen Highlights – das Spiel gegen die Berlin Adler Ende der 80er etwa, als die Giants die Siegesserie des Serienmeisters brachen. Oder – und das erscheint ihm heute fast noch wichtiger – die Vizemeisterschaft der Jugend vor zwei Jahren. Die jungen Spieler seien schließlich die Zukunft des Vereins. Eine Zukunft, der der Giants-Präsident jedoch nicht ohne Sorgen entgegenblickt: „Wir haben immer wieder tolle Jugendspieler, aber die werden uns häufig abgeworben. Vor kurzem sind wieder drei Jungs in die USA gewechselt. Ich gönne es ihnen ja, aber für uns ist das eben auch ein großer Verlust.“

Wiesemes muss sich jetzt, da er Präsident ist, mit vielen Dingen herumschlagen, die es früher auf dem Feld nicht gab. Es sei heutzutage schwer, ehrenamtliche Helfer zu bekommen. Während andere Jugendteams mit zehn Coaches anreisen, ist die Personalstärke bei den Giants gerade einmal halb so groß. „Ich würde unseren Coaches am liebsten 2000 Euro im Monat zahlen, aber das ist leider nicht drin“, sagt Wiesemes mit gesenktem Kopf. Stattdessen liege der Fokus derzeit auf dem Spielerkader. „Wir versuchen gerade, bezahlte Spieler für die erste Mannschaft zu bekommen. Aber das ist für uns Neuland“, gibt der Präsident zu.

Der Kampf um Sponsoren

Und das ist nicht der einzige Grund dafür, dass sein Smartphone fast schon im Fünf-Minuten-Takt klingelt. Als seine Vorgängerin ihr Amt aus gesundheitlichen Gründen abgegeben und Wiesemes, der eigentlich als Coach tätig war, ihren Platz eingenommen hat, habe er trotz seiner jahrelangen Vorstandsarbeit nicht geahnt, wie viel auf ihn zukommt, was er alles koordinieren und letztlich auch delegieren müsse.

„Zu Bundesligazeiten wurden uns die Spieler quasi ohne große Worte direkt auf den Platz gestellt. Das ist heute anders. Wir müssen um jeden Sponsor hart kämpfen, um sie finanzieren zu können. Hinzu kommen 350 Mitglieder – und immer hat jemand irgendetwas auf dem Herzen“, sagt der 48-Jährige. Dennoch macht er seinen Job gerne – auch wenn das Privatleben, wie er sagt, dabei auf der Strecke bleibt: „Für mich gilt: einmal Giant, immer Giant! Man wird mich hier so schnell nicht los. Sollten irgendwann andere gute Leute in den Vorstand kommen und mich ablösen, wäre ich trotzdem weiter dabei – dann aber als Coach.“