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Daumenschrauben für Sorgenkinder

DFL-Lizensierungsverfahren

DORTMUND. Während der Generalversammlung der 36 Profi-Fußballklubs am 18. August in Berlin soll schwarzen Schafen der Branche das Misswirtschaften erschwert werden. Im Mittelpunkt eines 186 Seiten dicken Antragspakets steht eine Verschärfung des Lizenzierungsverfahrens.

von Von Sascha Fligge

, 04.08.2010

Die Pläne sehen vor, dass jeder Erstligist seine Schuldenlast 2010/2011 um zehn Prozent verringert. Wer an dieser Hürde scheitern würde, müsste zehn Prozent der entsprechenden Summe als Strafe zahlen. Wer die Schuldenlast erhöht, würde gar mit 20 Prozent zur Kasse gebeten. Im Wiederholungsfall droht der Abzug von Punkten.

Was auf den ersten Blick wie ein Dolchstoß in den Rücken von Klubs wie Borussia Dortmund oder Bayern München wirkt (beide stehen aufgrund ihrer Stadion-Finanzierungen mit riesigen Beträgen in der Kreide), entpuppt sich bei näherer Betrachtung eher als Problem für Vereine, die über keinen außerordentlichen Immobilienbesitz verfügen und auch nicht auf einen überdurchschnittlich werthaltigen Spielerkader bauen dürfen. „Es geht darum, ob ein Klub über positives oder negatives Kapital verfügt. Alle Werte werden zusammengerechnet und den Verbindlichkeiten gegenübergestellt. Natürlich gehören auch Werte wie ein Stadion oder der Profikader dazu“, sagt Liga-Präsident Dr. Reinhard Rauball.

Der Buchwert jedes Spielers berechnet sich nach einem gängigen Modell. „Wenn Sie einen Akteur für vier Millionen Euro verpflichten und ihn mit einem Vierjahresvertrag ausstatten, wird der Profi über diesen Zeitraum abgeschrieben. Nach einem Jahr schlägt er noch mit drei Millionen, nach zwei Jahren mit zwei Millionen Euro zu Buche“, erklärt Dortmunds KGaA-Chef Hans-Joachim Watzke. Der BVB-Kader weist einen Buchwert von rund 18 Millionen Euro auf, der Signal Iduna Park steht mit 110 Millionen in den Bilanzen, die Schuldenlast betrug (Stand: 30. Juni 2009) 61,5 Millionen Euro. „Ich bin aber sehr sicher, dass wir unsere Verbindlichkeiten im abgelaufenen Geschäftsjahr erneut reduzieren konnten“, sagt Watzke. Offizielle Zahlen werden in wenigen Wochen erwartet.

Finanziell eng würde es im Falle einer Durchsetzung der DFL-Pläne in Zukunft vor allem für Klubs, die nicht (z.B. Köln, Berlin) oder nur teilweise (z.B. Schalke) Herr ihrer Spielstätte sind. Sie müssten Schuldenberge deutlich reduzieren – oder Buße tun. Dass der deutsche Fußball keine Insel der Glückseligkeit ist, haben die vergangenen Monate gezeigt. Um die Lizenz zu erhalten, mussten elf Klubs Bedingungen mit einem Gesamtvolumen von 64 Millionen Euro erfüllen. 57 Millionen wurden fremdfinanziert.

In einer DFL-Situationsanalyse heißt es: „Die Vermögenslage der Lizenzklubs hat sich im letzten Jahr deutlich verschlechtert.“ Die Aufrechterhaltung des Spielbetriebs sei „bei einigen Klubs nicht (...) durchgängig und zweifelsfrei gesichert“ gewesen. Die DFL strebt deshalb nach „einer Verbesserung des negativen Kapitals“ der Klubs. Und nicht wie bislang nur nach „keiner Verschlechterung“.