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„Die beste Schalker Mannschaft“

Fischers Erinnerungen an das DFB-Pokalfinale am 1. Juli 1972

Klaus Fischer muss nur kurz überlegen, als die Frage kommt, ob er sich noch an den 1. Juli 1972 erinnern könne. Doch dann glänzen seine Augen: „So weit ich denken kann“, schwärmt Schalkes erfolgreichster Torschütze aller Zeiten, „war das die beste Schalker Mannschaft überhaupt.“

Gelsenkirchen

von Frank Leszinski

, 29.06.2012
„Die beste Schalker Mannschaft“

Stolz präsentieren die Schalke den Pokal den Fans.

Gemeint ist jene Elf, die an dem besagten 1. Juli 1972 in einem total einseitigen DFB-Pokalfinale mit einem 5:0-Erfolg gegen den 1. FC Kaiserslautern in Hannover triumphierte. Helmut Kremers (2), Klaus Scheer, der leider viel zu früh verstorbene „Aki“ Lütkebohmert, und Klaus Fischer hießen die Torschützen. Mit diesem Erfolg beendeten die Königsblauen eine höchst erfolgreiche und turbulente Saison, die ihnen in der Bundesliga auch noch die Vizemeisterschaft bescherte. Trotz einer Ausbeute von 52:16 Punkten mussten die Königsblauen dem FC Bayern München den Vortritt lassen, der drei Tage vor dem Pokalfinale mit 5:1 die Schalker bezwang. „Das hat natürlich weh getan. Aber uns war schon vor der Partie klar, dass es sehr schwer werden würde. Denn wir mussten in München gewinnen, um Meister zu werden“, erinnert sich Fischer. Schalke verlor zwar deutlich, aber die Mannschaft war so stabil, dass sie sich drei Tage später den Pokalsieg nicht nehmen ließ. Dabei schien im Halbfinale für Schalke nach der 1:4-Hinspielschlappe beim 1. FC Köln schon alles verloren. Doch die Königsblauen setzten sich am 10. Juni im Rückspiel mit 5:2 durch. Als ob das nicht alles schon aufregend genug gewesen wäre, setzte das anschließende Elfmeterschießen allem die Krone auf. Fünf Elfmeter gab es alleine schon in den ersten 120 Spielminuten (incl. Verlängerung), im Elfmeterschießen waren noch mal 16 Elfmeter erforderlich. Sogar „Stan“ Libuda, der bis dahin noch nie einen Elfmeter geschossen hatte, musste ran – und schoss drüber. Am Ende gewann Schalke das Elfer-Schießen trotzdem mit 6:5 und zog ins Finale ein. Norbert Nigbur, der im gesamten Spielverlauf drei Elfmeter hielt und einen verwandelte: „Das spannendste Spiel, das ich je mitgemacht habe. Einige Zuschauer wurden ohnmächtig aus der Glückauf-Kampfbahn getragen.“ „In dieser Elf“, so Klaus Fischer, „konnte wirklich jeder Fußball spielen.“ Die Betonung liegt auf „spielen“. Fischer zählt auf: „Über Norbert Nigbur im Tor brauchen wir nicht zu reden, ein Top-Mann. Die Verteidigung mit Klaus Fichtel, Rolf Rüssmann, Helmut Kremers und Jürgen Sobieray. Im Mittelfeld Aki Lütkebohmert, Klaus Scheer und Heinz van Haaren. Die konnten alle malochen, aber einem auch den Ball vernünftig in den Fuß spielen.“ Und die Namen der Stürmer stehen für sich: „Links Erwin Kremers, rechts Stan Libuda in seinem letzten großen Jahr, ich in der Mitte. Ein herrliches Leben für einen Stürmer“, schwärmt Fischer. Bereits nach zwei Minuten gab es im ausverkauften Niedersachsenstadion, davon rund 25 000 aus Gelsenkirchen angereiste Fans, eine Schlüsselsituation: Stan Libuda versetzte seinen Gegenspieler Fuchs und brachte eine Maßflanke vor das Tor, doch Klaus Fischer köpfte knapp vorbei. Kein Tor, aber der für Libudas Nervenkostüm ungemein wichtige gelungene Start. Fortan sollte der Kapitän in seinem Abschiedsspiel immer wieder die blau-weißen Angriffe über die rechte Seite ankurbeln, während ihm Lütkebohmert in der Defensive den Rücken freihielt. Auf der linken Seite lieferte Helmut Kremers eine überragende Partie ab. Fischer fasst zusammen: „Es passte alles, das war ein perfektes Team. Das mit Ivica Horvath dazu noch einen ausgezeichneten Trainer hatte. Wir hätten mit dieser Mannschaft ganz große Dinge erreicht.“ Wenn nicht der Bundesliga-Skandal gewesen wäre. Die Konsequenzen des Bundesliga-Skandals, an dem 1971 auch Schalker Spieler beteiligt waren, sollten diese tolle Truppe später lahm legen und auseinanderreißen. 1972 konnte das jedoch noch niemand ahnen. Da überwog der Stolz und die Freude. An die 80 000 Menschen säumten nach dem Pokalerfolg beim Empfang der Mannschaft die Straßen Gelsenkirchens. Doch der Pokalsieg 1972 blieb der einzige Triumph einer Mannschaft, der zur Perfektion nur die Zukunft fehlte.

Die Schalker Aufstellung im Pokalfinale: Norbert Nigbur – Klaus Fichtel, Hartmut Huhse, Rolf Rüssmann, Helmut Kremers – Herbert Lütkebohmert, Heinz van Haaren, Klaus Scheer – Reinhard Libuda, Klaus Fischer, Erwin Kremers