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Eichberg hört auf, Assauer kehrt zurück

Rückblick auf 1993

Das Jahr 1993 geht als eines der turbulentesten in die Schalker Vereinsgeschichte ein. Der Schuh drückt besonders finanziell, als Präsident Günter Eichberg eine wichtige Entscheidung trifft und Rudi Assauer zu einem Comeback überredet – 1986 war Assauer entlassen worden.

Gelsenkirchen

von Von Frank Leszinski

, 13.08.2012
Eichberg hört auf, Assauer kehrt zurück

Wenige Monate Schalke-Präsident: Bernd Tönnies.

Schalke drücken Millionen-Schulden, sogar der Lizenzentzug droht. Der DFB verlangt die Auflösung der Marketing GmbH, die 20 Millionen Mark Schulden angehäuft haben soll. Sportlich schließt der FC Schalke 04 die Bundesliga-Saison 1992/93 zwar als Tabellenzehnter ab, im zweiten Jahr nach dem Wiederaufstieg eine respektable Platzierung. Doch finanziell wird die Lage immer prekärer. Am 17. Oktober 1993 tritt Günter Eichberg zurück. Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ hat schweres Geschütz aufgefahren. Eichberg wird im Spiegel als „Scharlatan“ bezeichnet, dem Privatkliniken-Besitzer – und damit indirekt auch Schalke – werden Steuerbetrug, Finanztricks, ungedeckte Bürgschaften, Lizenzerschleichung und Schiedsrichterbestechung unterstellt. Der DFB kündigt an, die Vorwürfe zu prüfen – sollten sie sich als wahr herausstellen, droht Schalke im Ernstfall sogar der Lizenzentzug. Sportlich hatte der Vorstand bereits die Reißleine gezogen: Einen Tag vor Eichbergs Rücktritt wurde Trainer Helmut Schulte entlassen. Jörg Berger soll Schalke vor dem Abstieg retten. Der Trainer gilt als Spezialist in Sachen Abstiegskampf, hat schon mehrere Clubs vor dem Fall in die Zweite Liga gerettet. Die Lage „auf Schalke“ gilt als fast aussichtslos, aber mit Berger geht es langsam wieder aufwärts. Auch die angesichts der finanziellen Situation schwierige Suche nach einem neuen Präsidenten verläuft erfolgreich. Am 7. Februar 1994 wird der Fleischfabrikant Bernd Tönnies zum neuen Schalke-Präsidenten gewählt. Tönnies ist fest entschlossen, in Schalke aufzuräumen. Zwar brodelt es hinter den Kulissen weiter gewaltig, aber die größten Klippen werden umschifft. Schalke schafft mit Jörg Berger tatsächlich den Klassenerhalt, und auch den befürchteten Lizenzentzug kann Schalke abwenden und muss „nur“ eine Geldstrafe in Höhe von 500.000 Mark zahlen. Bernd Tönnies kann sich weder über den Klassenerhalt noch über die Lizenz oder über die Rückkehr von Olaf Thon richtig freuen. Der Gesundheitszustand von Dialyse-Patient Tönnies hat sich verschlechtert, am 1. Juli 1994 stirbt Schalkes Präsident im Alter von nur 42 Jahren an den Folgen einer Nieren-Transplantation. Schalke trauert. Als die Tränen getrocknet sind, beginnt die Suche nach einem neuen Präsidenten. Die aktuelle Vereinsführung möchte endlich Stabilität in den Club bekommen. An den Schreibtischen wird an einer Satzungsänderung gearbeitet, für die Volker Stuckmann als Präsidentschafts-Kandidat werben soll. Ein Gegenkandidat auf der Jahreshauptversammlung am 12. September 1994 im Sportparadies ist Helmut Kremers. Aber die Wahl von Stuckmann gilt als sicher. Doch es kommt anders. Stuckmann hat am Mikro nicht seinen besten Tag erwischt, seine Aussage, dass Schalke demnächst „im stillen Kämmerlein“ geführt werden soll, nehmen ihm die Mitglieder übel. Helmut Kremers, Ex-Profi und Ex-Manager, gewinnt die Herzen durch den legendären Satz: „Wenn wir früher gegen Dortmund gespielt haben, haben wir uns dafür nicht mal umgezogen.“ Kremers bekommt 1.129 Stimmen, Stuckmann 739. Kremers ist neuer Präsident. Nach seiner Wahl beginnt „auf Schalke“ ein Hauen und Stechen, das seinesgleichen sucht. Das Verhältnis Assauer/Kremers ist nicht mal eine Zweckgemeinschaft. Schalke, zwischendurch von einem Notvorstand regiert, gleicht einem Tollhaus. Irgendwann ist Kremers mürbe gemacht. Im Dezember 1994 wird die entscheidende Satzungsänderung beschlossen, neuer Präsident wird Gerd Rehberg. Die „wilden Jahre“ sind damit erstmal vorbei.

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