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Erschreckende Schalker Vorstellung beim 1:2 gegen Hannover

Völlig von der Rolle

Ein solcher Stoßseufzer nach erst zwei Bundesliga-Spieltagen ist ungewöhnlich, auf Schalke hat er aber durchaus seinen Sinn: „Gott sei Dank“, atmete Felix Magath nach der 1:2 (0:1)-Niederlage gegen Hannover 96 tief durch, „ist jetzt erst mal Pause“.

GELSENKIRCHEN

von Von Norbert Neubaum

, 29.08.2010
Erschreckende Schalker Vorstellung beim 1:2 gegen Hannover

Raul (r.) konnte gegen Hannover keine Akzente setzen.

Die Länderspielpause als „Flucht“ in die Hoffnung auf bessere Zeiten – was sich schon beim Pokalspiel in Aalen und beim Bundesliga-Start in Hamburg andeutete, ist seit Samstag Gewissheit: Schalke ist völlig von der Rolle.Es sind weniger die null Punkte aus zwei Spielen, die so Besorgnis erregend sind. Vielmehr ist es die Erkenntnis, dass Schalke trotz „einiger guter Ansätze“, die Trainer Felix Magath erkannt haben wollte, einem auf Sicht in der unteren Tabellenhälfte vermuteten Gegner im eigenen Stadion kolossal unterlegen war – das Eckball-Verhältnis von 15:1 für Schalke ist da ein lediglich zu Trugschlüssen verleitender Parameter.

Dass die Partie gegen Ende nach Toren von Rausch (31.), Abdellaoue (49.) und dem Anschlusstreffer von Jones (82.) zumindest noch von der Spannung lebte, war allein dem Umstand geschuldet, dass Hannover in der Schlussviertelstunde mindestens vier hochkarätige Chancen fahrlässig vergab. Die nicht zu leugnende Krise des Vizemeisters alleine am komplett neben sich stehenden Christoph Metzelder festzumachen, wäre zu einfach. Es stimmt hinten und vorne nicht bei Königsblau. In einer komplett instabilen Abwehr war der kurzfristig zur „Schadensbegrenzung“ verpflichtete „Haudegen“ Hans Sarpei (34) noch Schalkes Turm in der Schlacht – von seinen Nebenleuten konnten weder Metzelder noch Matip (diesmal Innenverteidiger) und schon gar nicht der Japaner Uchida (spielte rechts) Bundesliga-Format nachweisen. Mit dem aktuellen Defensivverbund – die beiden ersten Liga-Spiele lassen keine andere Zwischenbilanz zu – ist Schalke nicht konkurrenzfähig. Auch der gegen Hannover 96 gesperrte Höwedes wird demnächst nicht alle Löcher stopfen können, hatte in Hamburg außerdem auch genug mit sich selbst zu tun.

Magaths radikaler Umbau ist bislang nichts anderes als eine offenbar außer Kontrolle geratene Großbaustelle, die vom Architekten mit ständig neuen Plänen bearbeitet wird und die Beobachter rätseln lässt, welcher Plan eigentlich dahinter steckt. So lobte Magath den durchwachsen spielenden Baumjohann über den grünen Klee, während er seinen in dieser Saison bislang besten Offensivspieler, Jefferson Farfan, überraschend deutlich kritisierte. Farfan, so Magath, habe am Spiel nicht teilgenommen. Fast klang es so, als würde Magath doch noch einen Grund suchen, um den Peruaner gegen den Wolfsburger Spielmacher Misimovic einzutauschen. Das, so Magath, sei aber nach wie vor kein Thema. Bis Dienstag ist der Manager Magath gefordert, dann schließt (endlich) die Transferliste. Ab Mittwoch muss der Trainer Magath beweisen, dass er die Mannschaft wieder in die Spur bringen kann. „Wir kriegen das in den Griff“, beruhigt Schalkes Macher die Fans, die sich ernsthafte Sorgen machen.

Magath ist vielleicht der einzige Trainer und Manager, dem man abnimmt, diesen Optimismus auch mit Inhalt füllen zu können – jedem anderen für den aktuell desolaten Zustand der Mannschaft Verantwortlichen wäre wohl schon längst das Vertrauen entzogen worden. Für Magath spricht, dass er in Wolfsburg ähnlich agierte – auch im Meister-Jahr beim VfL krempelte er die Mannschaft komplett um, war nach der Hinrunde Neunter und musste sich kritisieren lassen. Am Ende holte er die Schale nach Wolfsburg.Mit Schalke muss er nun zunächst schleunigst den Tabellenkeller verlassen – eine andere Zielsetzung wäre derzeit purer Größenwahn. Die Länderspielpause kommt Schalke jedenfalls gerade recht – fast wie ein Rettungsring. Und das nach zwei Spieltagen.