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"Ewiger Schalker": Benedikt Höwedes im Interview

10-jähriges Dienstjubiläum

Vereinstreue ist im Profifußball mehr und mehr zu einer Seltenheit geworden. Aber es gibt Ausnahmen. Eine davon ist Benedikt Höwedes. Seit dem 19. Januar 2007 ist der 28-Jährige Profi beim FC Schalke 04. Zuvor spielte er schon sechs Jahre in den Jugendteams der Königsblauen. Der "ewige Schalker" im Interview mit Frank Leszinski.

Gelsenkirchen

27.01.2017
"Ewiger Schalker": Benedikt Höwedes im Interview

Benedikt Höwedes ist seit zehn Jahren als Profi für den FC Schalke 04 im Einsatz.

Anlässlich seines zehnjährigen Profi-Jubiläums spricht Benedikt Höwedes über...

... seinen ersten Profi-Vertrag: „An den Tag kann ich mich nicht mehr genau erinnern. Ich weiß nur, dass auf der Schalker Geschäftsstelle mein Vater Wilfried und der damalige Manager Andreas Müller dabei waren. Ich war stolz wie Bolle und habe danach sofort meinen Bruder angerufen und mich sehr gefreut, den ersten Schritt in den Profibereich gemacht zu haben.“  

... mein erstes Pflichtspiel für Schalke: „Das war ohne zuvor in der Bundesliga gespielt zu haben sofort in der Champions-League, und zwar in der Saison 2007/2008 in Trondheim. Es war eine abenteuerliche Reise, dort lag viel Schnee und ich war vor dem Anpfiff tierisch aufgeregt. Ich habe linker Verteidiger für Christian Pander gespielt, weil er verletzt war. Wir haben 2:0 gewonnen. Drei Tage später durfte ich dann das erste Mal in der Bundesliga ran. Gegner war der Karlsruher SC. Wir haben leider 0:2 verloren. Trotzdem war es für mich ein tolles Erlebnis, denn es war ein Heimspiel vor über 60 000 Zuschauern.“

... mein erstes Bundesligator: „Das war beim Hamburger SV und gleich eines der schönsten Tore in meiner bisherigen Karriere. Es war ein Kopfballtreffer aus zwölf Metern. Ich bin in der Halbzeit für Krstajic eingewechselt worden und habe sofort in der 46. Minute zum 1:1-Endstand getroffen.“  

... mein unangenehmster Gegenspieler: „Ich fand Edin Dzeko brutal unangenehm. Vor allem in der Saison, wo Wolfsburg Meister wurde. In dieser Spielzeit hatte er alles, was einen Mittelstürmer auszeichnet: Die Technik, große Schnelligkeit und den Ball hat er auch hervorragend abgeschirmt. Mit Grafite war das ein Sturmduo, das hervorragend harmonierte. “  

... mein wichtigster Trainer: „A-Jugendtrainer Norbert Elgert. Er war derjenige, der mich am meisten entwickelt hat. In körperlicher Hinsicht, aber auch auf anderen Ebenen. Ich will nicht sagen, dass ich ein kleines Mäuschen war, aber ich war damals sehr zurückhaltend. Er hat mich dann als Kapitän in eine Position gebracht, wo er viel von mir verlangt hat. Deshalb habe ich den größten Schritt menschlich und fußballerisch bei ihm gemacht. Norbert Elgert habe ich sehr viel zu verdanken.“

... mein größter Erfolg auf Schalke: „Der Pokalsieg 2011. Aber auch das Pokal-Halbfinale in der Champions-League-Saison 2010/2011 gegen Manchester United war ein großer Moment.“  

... meine größte Enttäuschung auf Schalke: „Ich hatte einige Spiele dabei, wo ich dachte: Das ist jetzt der schlimmste Moment in deiner Karriere. Wenn die Fans sehr enttäuscht sind und die Mannschaft auspfeifen, das sind Momente, die mir sehr nahe gehen. Ganz lange konnte ich das Achtelfinal-Ausscheiden in der Champions League-Saison 2012/2013 gegen Galatasaray Istanbul nicht verarbeiten. Ich fand, dass wir in beiden Partien die bessere Mannschaft waren. Das Ausscheiden war sowas von unnötig, das hat mich noch sehr lange begleitet.“  

... mein schärfster Kritiker: „Bin ich immer noch selbst. Mein Vater sagt mir zwar, du machst das und das doch gut. Aber ich bin sehr selbstkritisch und will das Maximale herausholen. Wir haben uns somit immer ganz gut ergänzt (lächelt).“

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... mein tollstes Fan-Erlebnis: „Das war in Hoffenheim, als ich meinen zweiten Vertrag verlängert habe. Da haben die Fans ein Plakat aufgehangen mit der Aufschrift: „Danke Benny, wegen Spielern wie Dir sind wir hier!“ Da kriege ich immer noch Gänsehaut, wenn ich daran denke. Solch eine Reaktion zeigt mir, dass ich den richtigen Weg gegangen bin.“  

... mein liebster Zimmergenosse: „Christoph Moritz. Wir haben viel gelacht und Quatsch gemacht. Mit ihm habe ich mich super verstanden. Er ist eine rheinische Frohnatur. Auch nachdem er Schalke verlassen hat, haben wir immer noch regelmäßigen Kontakt.“  

... meine schwierigste Verletzung: „Die Sprunggelenksverletzung im Paderborn-Spiel am Saisonende, wo es um nichts mehr ging, hat sich leider sehr lange hingezogen. Ich hatte damals Tränen in den Augen, weil ich dachte: Scheiße, jetzt verpasst du deine Hochzeit! Ich wollte dort nicht als Krüppel rumlaufen, aber mir war klar, dass fast alles im Gelenk kaputt war. Ich hatte Gips und eine Schiene. Kurz vor der Hochzeit habe ich dann allein entschieden, einen Tapeverband zu machen. Zum Glück hat alles geklappt. Aber ich musste nach dieser Verletzung das Gehen ganz neu lernen. Als ich wieder spielen konnte, hat es rund ein halbes Jahr gedauert, bis ich wieder meinen Rhythmus gefunden hatte. Zuvor kam ich oft einen Schritt zu spät und war auch gedanklich zu langsam.“

... meine Vorbilder: „Mittlerweile habe ich keine mehr, weil ich meinen Weg gegangen bin. Zu Beginn meiner Karriere war Giovanne Elber mein Vorbild, damals habe ich auch noch im Sturm gespielt. Die Art, wie Elber gespielt hat, hat mir imponiert. Während meiner Schalker Jugendzeit habe ich zu Ebbe Sand und Marcelo Bordon aufgeschaut. In meiner Anfangszeit auf Schalke konnte ich von älteren Spielern wie Krstajic und Rodriguez einiges abschauen. Das war für mich Gold wert.“  

... meine Erfolgsgeheimnisse: „Ich war immer ehrgeizig und selbstkritisch. Meine Stärken und Schwächen kann ich gut einschätzen. Ich habe immer Leidenschaft ins Spiel gebracht und hoffentlich bis heute nicht verloren.“  

... meine Pläne nach der Fußballer-Karriere: „Da habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Ich will ja noch ein paar Jahre spielen. Aber die zehn Jahre Profi-Fußball haben schon ihre Spuren hinterlassen. Doch ich bin so ehrgeizig, dass ich mich nach meiner aktiven Karriere bestimmt nicht zur Ruhe setzen werde. Die neue Aufgabe muss nicht im Fußballbereich sein, sondern es muss passen und mir Spaß machen.“  

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