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Fanprotest und blasses Team: Gegenwind für Magath

FC Schalke 04

Vier Tage vor dem Bundesliga-Start hat Schalkes Trainer Felix Magath noch eine Menge Sorgen. Der 2:1-Pokalsieg beim VfR Aalen zeigte, dass er dringend einen Spielmacher benötigt. Und erste Anhänger des Traditionsvereins beginnen, gegen seine Machtfülle zu demonstrieren.

GELSENKIRCHEN

von dpa

, 17.08.2010
Fanprotest und blasses Team: Gegenwind für Magath

Schalke-Trainer Felix Magath

Einige Fans protestierten, die Mannschaft braucht dringend Verstärkung: Der maue 2:1 (1:0)-Pokalsieg beim VfR Aalen hat Schalkes Trainer Felix Magath deutlich mehr Sorgen bereitet, als er sie vier Tage vor dem Saisonstart der Fußball-Bundesliga gebrauchen kann. Nach Wochen des Streits über Transferausgaben und Einfluss innerhalb des Traditionsvereins gibt es seit Montagabend nun auch ein Symbol dafür, dass der sportliche Alleinherrscher beim FC Schalke 04 ersten Gegenwind zu spüren bekommt: Vor und nach der Partie wurde im Fanblock ein meterbreites Plakat mit der Aufschrift „Unser Verein ist keine Diktatur“ entrollt. Das war gegen Magath gerichtet. Vordergründig geht es dabei um die Entlassung des Fanbeauftragten Rolf Rojek. Die eigentliche Streitfrage reicht aber tiefer: Einigen Schalker Fans, Mitgliedern und auch Beschäftigten ist die Machtfülle des Trainers, Sportchefs und Vorstands zu groß. Am Tag des Aalen-Spiels erschien im Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ ein Artikel, in dem Angestellte des Vereins Magath und die von ihm mitgebrachten Mitarbeiter „mit einer Art Besatzungsmacht“ verglichen.

Magath selbst hätte dagegen gern noch mehr Einfluss. Er sagte in Aalen, dass er die Proteste nur bei einer „Gruppe von Fans“ ausmacht und nicht „den Fans“ in ihrer Gesamtheit. Er sagte aber auch: „Ich weiß nur, dass ich vor einem Jahr nach Schalke kam und der Verein fast pleite war. Und wenn man nur Schulden hat und fast pleite ist, kann man nicht sehr wählerisch sein.“ Der 57-Jährige hält einigen Anhängern und auch Rojek vor, bei der Mitgliederversammlung eine Satzungsänderung verhindert zu haben, nach der er Ausgaben von mehr als 300.000 Euro auch ohne Genehmigung des Aufsichtsrates hätte tätigen können. Und so hat dieser Konflikt letztlich auch mit dem dringlichsten Schalker Problem dieser Tage zu tun: Der zähen Suche nach einem neuen Spielmacher und einem neuen Mittelstürmer. „Wir haben noch nicht die nötige Qualität in der Offensive und müssen da dringend noch etwas tun“, sagte Magath nach dem mühevollen Sieg in Aalen. Der Drittliga-Aufsteiger stand nach der Roten Karte gegen Andreas Schön (18. Minute) nur noch mit zehn Mann auf dem Feld, dennoch spielte sich der blasse Champions-League-Teilnehmer kaum nennenswerte Chancen heraus.

Am Ex-Bremer Diego (Juventus Turin) hat Schalke nach Angaben von Magath kein Interesse, beim Wolfsburger Zvjezdan Misimovic bietet laut „Bild“-Zeitung (Dienstag) auch Galatasaray Istanbul mit. Der Bundesligist hat auf dem Transfermarkt nicht nur mit der üblichen Konkurrenz zu kämpfen, sondern auch damit, dass er während seines wochenlangen Streits um die Höhe seiner Transferausgaben wertvolle Zeit verlor. Bis zum Bundesliga-Auftakt beim Hamburger SV soll immerhin der am Montag noch geschonte Raul fit sein. Doch auch der neue Stürmerstar aus Spanien braucht einen Ideengeber hinter und einen starken Partner neben sich. Der einzige Schalker, der diesen hohen Ansprüchen in Aalen gerecht wurde, war der zweifache Torschütze Jefferson Farfan (42./46.). „Er hat ja schon letztes Jahr überzeugt. Und wenn er dieses Jahr noch mehr Zug zum Tor hat, kann er auch zweistellig Tore machen“, sagte Magath. Wohl wissend, dass Raul und Farfan allein nicht reichen werden für die Champions League und die Ligaspitze.