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"Knappenschmied" Norbert Elgert wird 60

Schalkes Talent-Coach

Er ist der „Knappenschmied“ der Schalker Nachwuchsabteilung: A-Jugend-Trainer Norbert Elgert hat unter anderem Mesut Özil, Julian Draxler und Leroy Sané ausgebildet. Heute wird der Coach 60 Jahre alt: Im Interview spricht Norbert Elgert über seine Ziele, seine Spieler und das Handwerk des Fußballtrainers.

Gelsenkirchen

13.01.2017
"Knappenschmied" Norbert Elgert wird 60

Ein Bild aus früheren Tagen: Norbert Elgert (r.), zu dieser Zeit Co-Trainer der Schalker Profis, unterhält sich 2002 mit dem damaligen Chefcoach Frank Neubarth.

Sie werden 60 Jahre alt - Ihre Spieler sind jetzt in der Regel mehr als 40 Jahre jünger als Sie. Wie schaffen Sie es, den Draht zu den Jungs zu behalten?

Wichtig ist, sich selbst ständig persönlich und fachlich weiterzuentwickeln und mit der Zeit zu gehen. Wer das nicht tut, geht mit der Zeit. Noch wichtiger ist es aber, sich für seine Spieler, ihre Ziele, Träume, Wünsche, aber auch für ihre Sorgen und Probleme zu interessieren.

Hält einen auch der ständige Kontakt zu jungen Spielern jung?

Vielleicht ein wenig, aber was uns Menschen vor allen Dingen jung hält, ist unsere innere Einstellung. Das kalendarische Alter ist für mich nur eine Zahl.

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Werden Sie denn bis zu ihrer Rente Jugendtrainer bleiben?

Mit dem Thema Rente beschäftige ich mich gar nicht. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich noch lange Ausbilder und Coach bleibe, ist allerdings hoch.

Zu Zeiten von Frank Neubarth waren Sie Co-Trainer auf Schalke: Hat Ihnen diese Zeit die Lust auf einen Trainerposten bei den Profis genommen?

Die Zeit als Co-Trainer war für mich und meine Entwicklung sehr lehrreich und wertvoll, aber kein Grund, nie Profitrainer gewesen zu sein. Dass ich es noch nicht war, liegt einzig und allein daran, dass ich bisher für mich persönlich in meiner Aufgabe als U19-Trainer mehr Sinn und Erfüllung gesehen habe.

Was macht einen guten Trainer aus?

Für einen guten Trainer stehen seine Spieler an erster Stelle. Er sollte Empathie und emotionale Intelligenz haben. Er muss Lehrer, Pädagoge, Psychologe, Coach und Menschenführer sein. Auch sollte er mehr vermitteln als nur Technik, Taktik, Kondition und mentale Stärke. Zum Beispiel wichtige Werte wie: Hilfsbereitschaft, Dankbarkeit, Demut, Ehrlichkeit und Teamfähigkeit.

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Als die drei teuersten deutschen Transfers gelten die Spieler Leroy Sané, Mesut Özil und Julian Draxler - alles Spieler, die Sie auf Schalke ausgebildet haben. Wird Ihnen bei dem Gedanken an diese Summen bisweilen schwindlig?

Was ich von diesen Summen halte, ist ja bekannt. Aber auf der anderen Seite entsprechen diese Summen eben den aktuellen Fußballmarktwerten. Sollten die Ablösesummen in Zukunft weiter so exorbitant steigen, wonach es aussieht, kann das auch irgendwann zum Bumerang für den Profifußball werden.

Haben Sie noch Kontakt zu Ihren ehemaligen Schützlingen?

Zu den meisten ja. Dabei spielt es allerdings keine Rolle, welchen Weg die Jungs eingeschlagen haben. Ich freue mich ebenso sehr darüber, wenn meine ehemaligen Spieler Profis werden, wie wenn sie Familienväter sind und ihr Geld mit klassischen Berufen verdienen.

Die Entwicklung welches Spielers hat Sie am meisten überrascht?

Überrascht vielleicht nicht, aber der Weg und die Entwicklung von Joel Matip sind schon unglaublich. Joel hat gezeigt, dass mit durchschnittlichem Talent, aber einer maximalen Einstellung alles möglich ist.

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Der Hype um Fußballer - auch um junge Spieler - wird immer größer. Müssen Sie Ihre Jungs bisweilen erden?

Manchmal ja. Bodenständigkeit ist für uns ganz, ganz wichtig, denn das Talent eines Fußballspielers ist doch nicht höher einzuschätzen und wertvoller als zum Beispiel das eines Handwerkers - nur, weil man sehr früh viel Geld verdient und jeden Tag in der Zeitung steht. Es ist gut, früh zu verstehen, dass man kein Held ist, nur, weil man als Teenager Autogramme schreiben darf.

Wird der 60. gefeiert? Und haben Sie einen Wunsch?

Wir feiern im engsten Familienkreis. Für meine Familie und mich wünsche ich mir weiterhin gute Gesundheit.

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