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Das S04-Interview

Manager Horst Heldt über Talente, Hierarchien und Ziele

GELSENKIRCHEN Das Wochenende verbrachte Schalke-Manager Horst Heldt in Berlin, um die A-Jugend im Pokalfinale gegen den SC Freiburg zu unterstützen. Zuvor sprach Heldt mit Frank Leszinski über seine Personalpolitik, das Theater um Thomas Tuchel und seine Zukunftspläne mit dem FC Schalke 04.

Manager Horst Heldt über Talente, Hierarchien und Ziele

Schalkes Manager Horst Heldt (l.) verteilt für die Saison 13/14 die Schulnote zwei.

Wenn ich das Schulsystem von 1 bis 6 zugrunde lege, würde ich eine 2 ausstellen.

Wir haben in der Bundesliga und in der Champions League unsere Ziele erreicht. Platz drei in der Bundesliga ist gut, in der Königsklasse haben wir überwintert. Nur das frühe Aus im DFB-Pokal war eine Enttäuschung.

BERLIN Die U19 des FC Schalke 04 hat den DFB-Pokalsieg verpasst! Dem SC Freiburg unterlag das Team von Trainer Norbert Elgert am Samstagmittag in Berlin trotz eines dominanten Auftritts mit 7:8 nach Elfmeterschießen. Offensivspieler Felix Platte zog sich eine schwere Verletzung zu.mehr...

Im Wintertrainingslager in Katar habe ich gespürt, dass die intensive Analyse in der Winterpause erste Früchte trug. Als wir dann gut in die Rückrunde gestartet sind und unsere Konkurrenten Punkte ließen, wurde ich immer zuversichtlicher.

Die Wahrnehmung, dass unsere Hinrunde mau war, die Rückrunde top, kann ich so nicht uneingeschränkt stehen lassen. Es gab auch in der ersten Saisonhälfte Dinge, die gut gelaufen sind, während es in der zweiten Hälfte ebenfalls Schwächen gab. Wir sind bei der Nachbereitung der Saison tief ins Detail gegangen, aber es würde zu sehr in das Innenleben der Mannschaft gehen, wenn ich Interna preisgebe.

Wir müssen wieder das richtige Maß zwischen Qualität und Quantität finden, denn erfreulicherweise sind wir in der nächsten Saison wieder in vier Wettbewerben vertreten.

Ich zähle die Abstellungen für die Nationalmannschaft neben Bundesliga, DFB-Pokal und Champions League dazu. Wir haben ja nicht nur A-Nationalspieler, sondern auch U21- und U19-Akteure. Das muss bei der Kaderplanung berücksichtigt werden.

Auf dieser Position werden wir voraussichtlich nichts machen.

Schalker Gewinner und Verlierer der Saison 13/14

GEWINNER Ralf Fährmann: Seit der 25-Jährige am 14. Spieltag zur Nummer eins im Schalker Tor aufrückte, kehrte die lang ersehnte Stabilität in der Abwehr zurück. Der gebürtige Chemnitzer kassierte in den restlichen 21 Bundesligaspielen nur 17 Gegentore und hatte damit herausragenden Anteil an der direkten Champions-League-Qualifikation. Manager Heldt belohnte Fährmann, der sich wie kaum ein anderer Spieler des Kaders mit dem Verein identifiziert, mit der vorzeitigen Vertragsverlängerung bis 2019.
Will mit dem FC Schalke 04 wieder angreifen: Sead Kolasinac.
GEWINNER Max Meyer: 2012/2013 kam er auf fünf Kurzeinsätze, in der gerade abgelaufenen Saison ist der 18-Jährige mit 30 Spielen bereits eine Stammkraft, die aus dem Schalker Mittelfeld kaum noch wegzudenken ist. Meyer hat die Rückennummer 7 von Raul übernommen und ist so überzeugend durchgestartet, dass Bundestrainer Löw ihn sogar ins vorläufige WM-Aufgebot berief. Trainer Keller hat das Ausnahmetalent behutsam aufgebaut und ihm auch mal Pausen gegönnt. Meyer fühlt sich auf Schalke pudelwohl: »Hier kann Großes zusammenwachsen.«
GEWINNER Leon Goretzka: Nach durchwachsener Hinrunde steigerte sich der 19-Jährige so enorm, dass ihn Bundestrainer Löw ins vorläufige WM-Aufgebot berief. »Über die Hinrunde und die vielen Verletzungen habe ich mich sehr geärgert. Gerade die Mandel-Geschichte hat mich sehr zurückgeworfen, nach der Operation ging es mir nicht besonders gut. Umso glücklicher bin ich über die Rückrunde mit der Nominierung für die Nationalmannschaft als krönendem Abschluss«, freut sich Goretzka.
VERLIERER 
Timo Hildebrand: Solange er im Schalker Tor stand, machte er zwar keine großen Fehler, aber er rettete Schalke auch keine Punkte. Weil Fährmann so überzeugte, rückte Hildebrand ins zweite Glied. Dass der Vertrag mit dem 35-Jährigen nicht verlängert wurde, war nachvollziehbar. Hildebrand reagierte professionell und verlor kein böses Wort. Er möchte seine Karriere fortsetzen. Ob ihm das gelingt, ist offen.
VERLIERER Christian Fuchs: Kolasinac und Aogo, wenn er wieder fit ist, sind bei den Königsblauen auf der Linksverteidigerposition erste Wahl. Der österreichische Nationalspieler, der lange eine Knieoperation hinauszögerte und mit Schmerzmitteln spielte, dürfte es sehr schwer haben, sportlich auf Schalke noch einmal Fuß zu fassen.
VERLIERER Felipe Santana: Der Brasilianer konnte nur in wenigen Spielen in seiner ersten Saison auf Schalke überzeugen. Santana kam zwar auf 20 Bundesligaeinsätze, aber das war hauptsächlich der Verletztenliste in der Abwehr (Papadopoulos, Höwedes) geschuldet. Außerdem neigt der 28-Jährige zu Undiszipliniertheiten wie bei seiner Gelb-Roten Karte in Freiburg.
VERLIERER Adam Szalai: Nach ordentlicher Hinrunde blieb er in der Rückserie fast alles schuldig. Manager Heldt verglich Szalais Situation mit der von Julian Schieber beim BVB: »Schieber hat Lewandowski vor sich, bei Szalai ist es Huntelaar.« Bleibt der Niederländer gesund, ist er auf Schalke gesetzt und Szalai wird sich auch in Zukunft mit Kurzeinsätzen begnügen müssen.

Viele Klubs – manchmal auch wir – glauben zu wenig an die Qualität in den eigenen Reihen. Dabei ist die gerade abgelaufene Saison doch das beste Beispiel dafür, was möglich sein kann, wenn man den eigenen Talenten vertraut. Warum soll ein Marvin Friedrich nicht der nächste Spieler sein, der aus unserer A-Jugend den Sprung in die Bundesliga schafft? Die vergangenen Wochen haben uns davon überzeugt, dass wir das meiste auch mit eigenen Spielern lösen können.

Keine Frage, die Talente haben uns mächtig beeindruckt. Aber dass sich Meyer und Co. so gut entwickelt haben, ist auch ein Verdienst der älteren und arrivierten Spieler. Sie haben die jungen Talente geführt und unabhängig vom Alter als wichtigen Teil der Mannschaft akzeptiert. In der Rückrunde hatten wir eine klare Hierarchie. Da hat das Zusammenspiel zwischen alten und jungen Spielern perfekt funktioniert.

Es wird auf jeden Fall keinen großen Umwälzungsprozess geben. An einigen Stellschrauben werden wir vielleicht noch drehen. Wir haben Sidney Sam und Fabian Giefer verpflichtet. Dennis Aogo und Jan Kirchhoff bewerte ich auch als Neuzugänge für die nächste Saison, weil sie aus Verletzungsgründen bisher leider kaum gespielt haben.

Gelsenkirchen Roman Neustädter kommt in der Saison 2013/2014 auf die meisten Einsätze beim FC Schalke 04, Kevin-Prince Boateng sammelte die meisten gelben Karten. Die Saison der Königsblauen im Zahlenspiegel.mehr...

Wir haben von keinem dieser Spieler Signale erhalten, dass er wechseln will.

Wir sind nach drei Champions-League-Teilnahmen in Serie an einem Punkt angelangt, wo wir uns fragen müssen: Wo wollen wir in Zukunft hin? Ich verspreche ja nicht, dass wir 2015 oder 2016 Meister werden. Aber wir brauchen nach den Erfolgen der vergangenen Jahre eine ambitionierte Vision, um noch besser zu werden. Wir müssen mehr an die eigene Qualität glauben.

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