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Manager Horst Heldt über den Stand der Saisonplanung

„Fühle mich hier sauwohl“

Für einen Bundesligamanager gibt es auch in der Sommerpause kaum Zeit zum Verschnaufen – nach der Saison ist schließlich vor der Saison. Mit unserer Zeitung sprach Schalke-Manager Horst Heldt über die Planungen für die neue Spielzeit.

Gelsenkirchen

von Von Matthias Heselmann

, 21.06.2012
Manager Horst Heldt über den Stand der Saisonplanung

Schalke-Manager Horst Heldt. Foto: Achim Scheidemann

Die Vorrunde der EM ist vorbei, jetzt beginnen die K.O.-Spiele: Hätten Sie darauf gewettet, dass der Niederländer Klaas-Jan Huntelaar eher nach Hause fährt als der Grieche Kyriakos Papadopoulos? Mir war schon klar, dass es angesichts der schweren Gruppe B auch die Niederlande erwischen kann. In dieser Eindeutigkeit hätte ich aber nicht damit gerechnet. Es tut mir leid für Klaas-Jan, der ja bei uns eine herausragende Saison gespielt hat. Ich hätte nicht unbedingt damit gerechnet, dass Papa die Vorrunde übersteht. Das freut mich sehr für ihn: Er ist im ersten Spiel eingewechselt worden, und seitdem stehen die Griechen stabil in der Abwehr. Das zeigt auch die Qualität, die der Spieler hat. (lacht) Jetzt ist aber Schluss: Am Wochenende wird Papa in den wohlverdienten Urlaub gehen.Sind Sie denn insgeheim ein bisschen froh, dass Huntelaar jetzt aus dem „Schaufenster EM“ heraus ist? Der Spieler hatte ja selber gesagt, dass er mit einer eventuellen Vertragsverlängerung auf Schalke bis nach der EM warten wollte – und so ein Turnier ist ja immer auch eine Bühne, auf der man sich präsentieren kann. Ein Verein, der in der Lage wäre, soviel Geld für einen Spieler zu investieren, hätte sich schon im Vorfeld intensiv mit ihm beschäftigt. Der macht seine Entscheidung dann nicht von der EM abhängig.Dann könnte man ja jetzt mit Huntelaar über seinen neuen Vertrag reden... ...wir haben auch im Vorfeld viel miteinander gesprochen. Für uns wäre es schön gewesen, wenn wir bereits vor der EM eine Einigung erzielt hätten, aber das war kein Muss. Natürlich ist er nun nach dem Turnier-Aus enttäuscht und soll jetzt erst einmal Urlaub machen. Er weiß, dass wir den Vertrag verlängern wollen und kann sich das ja auch vorstellen. Er muss jetzt zunächst ´runterkommen´ und den Fußball eine Zeit lang vergessen. Ich bräuchte an seiner Stelle auch erst einmal ein bisschen Luft zum Atmen. Wenn er zurück ist, werden wir das Thema wieder aufgreifen.Hatten Sie denn in den vergangenen Wochen Zeit, um abzuschalten, oder haben Sie schon kräftig am Schalker Kader gestrickt? Das Telefon hört im Urlaub nicht auf zu klingeln, aber insgesamt war es ruhiger als sonst. Das hängt auch mit der EM zusammen. Es ist eine Phase, in der man viele Spieler angeboten bekommt. Ich bin wiederum bemüht, Spieler abzugeben – bin also ständig im Austausch. Ich konnte mich erholen, habe dennoch gleichzeitig an den Themen gearbeitet, die mir wichtig sind.Schalke ist durch die erfolgreiche Saison und die Champions-League-Qualifikation inzwischen ein bekannter Name in Europa – merken Sie das bei den Verhandlungen? Tendenziell stelle ich fest, dass der Markt schwieriger ist als noch in den Jahren davor. Viele Vereine in Europa haben Probleme, weil sie sich in der Vergangenheit finanziell zu weit aus dem Fenster gelehnt haben – vor allem in Spanien und Italien. Gerade aus diesen Ländern bekommt man viele Spieler angeboten. Gleichzeitig gibt es dort immer weniger Vereine, die in der Lage sind, in Spieler zu investieren, also ist es schwieriger geworden, Spieler auf dem Markt zu platzieren. Wir sind inzwischen als Verein eine große Nummer, nicht nur in Deutschland, sondern auch in Europa – auch deshalb, weil hier solide gearbeitet wird. Das spürt man immer wieder. Inzwischen bekommt man Spieler angeboten, die früher für Schalke kein Thema waren.Wen denn? (lacht) Früher hatten Topspieler aus England oder Spaniern nicht unbedingt den Drang, nach Deutschland zu kommen. Das hat sich geändert, inzwischen ist die Bundesliga auf Augenhöhe mit der englischen Premier-League.Die Saisonvorbereitung hat noch nicht begonnen, die Transferperiode läuft noch: Wie sehen Sie den Kader zu diesem frühen Zeitpunkt? Es ist schwierig, jetzt eine Prognose abzugeben. Wir sind auf einem guten Weg, das umzusetzen, was wir umsetzen wollen: Den Kader zu verkleinern, gleichzeitig eine gute Mannschaft aufzubauen. Wir sind aber da noch lange nicht am Ende. Vom Grundgerüst haben wir jetzt schon eine konkurrenzfähige Mannschaft. Den Abgang Raúls müssen wir natürlich verschmerzen: Ob wir den intern oder extern auffangen, wird sich in den kommenden Wochen klären. Man muss natürlich immer auf die Konkurrenz schauen – vor allem die Bayern werden nach der Saison bestimmt kräftig nachlegen.Wenn man schaut, wie die Vereine, die hinter Schalke platziert waren, aufrüsten, wird es sicherlich schwieriger, Platz drei zu halten. Einige Vereine haben schon nachgelegt, aber die haben wir auch deutlich hinter uns gelassen – kein Grund also, davor in Ehrfurcht zu erstarren. Es sind ja auch noch zwei Monate Zeit bis zum Transferschluss. Tendenziell kann man eh erst im August eine Prognose abgeben.Der Verein will sich langfristig konsolidieren, auf der anderen Seite sind durch die Champions-League-Qualifikation Einnahmen in Millionenhöhe garantiert: Dürfen Sie die für neue Spieler investieren? Und können Sie schon beziffern, wie viel Geld für neue Spieler zur Verfügung steht? Es macht keinen Sinn, jetzt irgendwelche Zahlen zu nennen. Wir wollen jedoch den Weg der Konsolidierung gehen und stehen als Vorstand im ständigen Dialog mit dem Aufsichtsrat. Ich habe eine klare Vorgabe, an die ich mich halte. Das ist sicherlich nicht immer einfach, aber wir haben uns für diesen Weg entschieden. Deswegen stimmen wir einzelne Themen miteinander ab und treffen dann eine Entscheidung: Ist ein Spieler machbar oder nicht?José Manuel Jurado wurde vor zwei Jahren für eine zweistellige Millionensumme verpflichtet – Schalke könnte mit dem Erlös aus seinem Abgang neue Spieler finanzieren. Ist das eine Schlüsselpersonalie? José ist ein erstklassiger Fußballer mit außergewöhnlichen Fähigkeiten, hat aber, aus welchen Gründen auch immer, den Durchbruch noch nicht geschafft. Es geht jetzt nicht darum, ihm dafür die Verantwortung zu geben, aber wenn man so viel Geld investiert, erwartet man natürlich eine entsprechende Leistung. José hat den Wunsch geäußert, den Verein zu verlassen, er will zurück in seine Heimat. Wir sind da in Gesprächen mit Atletico Madrid, aber noch ist keine Entscheidung gefallen.Es kann also auch sein, dass er in der kommenden Saison weiter für Schalke spielt? Natürlich, der Spieler hat ja noch zwei Jahre Vertrag. Er hat klar formuliert, dass er den Verein verlassen will, jetzt ist es Aufgabe des Managements, Möglichkeiten zu finden, um sich zu einigen. Die Entscheidung, ob er bleibt oder nicht, hat eine gewisse Tragweite. Eben weil wir konsolidieren wollen, sind wir uns einig, keine Vorgriffe zu machen, bevor nicht entscheidende Transfers getätigt worden sind.Gibt es Spieler, denen Sie oder Huub Stevens sagen würden, dass Sie nicht mehr mit Ihnen planen? Alle Spieler im Kader wissen um ihre persönliche Situation. Aber sie haben auch einen Vertrag mit uns, und der ist ja nicht einseitig abgeschlossen. Solange einem Spieler nichts vorzuwerfen ist, gehen wir respektvoll mit ihm um. Nur, weil man mit einem Spieler sportlich nicht mehr plant, hat man noch lange nicht das Recht zu sagen „Du spielst jetzt in der zweiten Mannschaft“. Das ist nicht in Ordnung.Sie gehen mit drei Torhütern in die neue Saison, die allesamt Ansprüche auf die Nummer eins stellen: Ist das ein Problem? Jeder Spieler, der hier spielt, soll den Anspruch haben, Stammspieler zu sein. Wir werden in den kommenden Wochen mit Lars Unnerstall über eine Vertragsverlängerung sprechen, ich gehe davon aus, dass wir uns da einigen. Wir brauchen aber auch mehr als elf gute Spieler, wir brauchen einen fairen, gesunden Konkurrenzkampf auf allen Positionen. Am Ende der Vorbereitung werden wir dann sehen, wer die Nummer eins sein wird.Für einen der Torhüter heißt das aber auch, dass er auf der Tribüne sitzen muss – bei der Qualität, die alle drei haben, eine ungewöhnliche Konstellation. Wir gehen mit allen drei Keepern in die Vorbereitung und die Saison. Natürlich wird es für den, der in diese Situation kommt, nicht einfach sein. Das sollte man erst einmal abwarten und dann entsprechend handeln.In einem Interview hat Clemens Tönnies zuletzt davon gesprochen, Ihnen einen unbefristeten Vertrag anzubieten. Wenn mein Boss das in der Öffentlichkeit sagt, freut mich das natürlich ungemein. Wir werden uns in den nächsten Wochen sicherlich über dieses Thema unterhalten. Ich fühle mich hier sauwohl und kann mir nicht vorstellen, Schalke zu verlassen.