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Runder Tisch mit den Schalke-Fans

Rüffel für eigenen Pressechef

Der Terminplan von Clemens Tönnies ist eng. Von Rheda-Wiedenbrück aus setzt der 54-Jährige mit seinem Fleischunternehmen jährlich drei Milliarden Euro um. Das kostet Kraft, Zeit und bedeutet viel Arbeit. Doch am Donnerstag ließ Tönnies für einige Stunden Fleisch Fleisch sein und eilte nach Gelsenkirchen.

GELSENKIRCHEN

von Frank Leszinski

, 19.08.2010
Runder Tisch mit den Schalke-Fans

Auf der Palme: Clemens Tönnies

In seiner Funktion als Aufsichtsratschef des FC Schalke 04 sprach der Unternehmer ein Machtwort. Denn die vor einer Woche vollzogene Abberufung von Rolf Rojek als Fanbeauftragtem des FC Schalke 04 (wir berichteten mehrfach) schlug im Lager der königsblauen Anhänger so hohe Wellen, dass sich Tönnies nun zum Eingreifen gezwungen sah. „Das habe ich in 16 Jahren als Aufsichtsratschef noch nie gemacht. Aber es wird höchste Zeit, dass wir wieder Ruhe in den Verein bekommen“, betonte der Aufsichtsratschef.

Bereits in der nächsten Woche will Tönnies persönlich einen „Friedensgipfel“ mit den Fanorganisationen und der Clubspitze moderieren.Der Aufsichtsratschef nahm Felix Magath teilweise gegen Angriffe aus dem Fanlager in Schutz („Er hat einen autoritären Führungsstil, ist aber kein Diktatur“), rüffelte öffentlich jedoch Pressechef Rolf Dittrich: „Rolf Rojek am Telefon mitzuteilen, dass er seinen Posten als Fanbeauftragter aufgeben soll, war stillos. So geht das nicht. Unsere Fans sind unser höchstes Gut.“ Wie sauer Tönnies über das öffentliche Erscheinungsbild des Klubs zuletzt war, wird auch an diesem Satz deutlich: „Die anderen 17 Bundesligisten halten sich doch den Bauch vor Lachen, wenn sie lesen, was wir in den letzten Tagen hier aufgeführt haben.“

In der Sache steht Tönnies jedoch hinter der Entscheidung, Rojek nicht mehr weiter als Fanbeauftragten arbeiten zu lassen: „Es war ein einstimmiger Vorstandsbeschluss. Dafür gibt es triftige Gründe.“ Welche das sein sollen, mochte Tönnies nicht sagen. Felix Magath, der Torhüter Manuel Neuer wie erwartet zum Kapitän bestimmte, wurde in diesem Punkt deutlicher: Rojek könne nicht als Vorsitzender des Fanclubverbandes einerseits Interessen der Anhänger wahrnehmen, andererseits als Fanbetreuer jedoch Vereinsbelange vertreten. Das sei ein großer Interessenkonflikt, der im Vorstand schon im Frühjahr ein Thema gewesen sei.Magath räumte aber ein, in der Personalie Rojek einen Fehler gemacht zu haben: „Ich habe das unterschätzt und hätte mit ihm vorher das Gespräch suchen sollen.“  

Dass die öffentliche Debatte über Rojek so eskalierte, kann der Schalker Trainer allerdings nicht nachvollziehen: „Schon der Zeitpunkt so kurz vor der Saison ist doch völlig daneben. Wir sind Vizemeister geworden und haben uns finanziell stabilisiert. Trotzdem schlagen wir uns jetzt die Köpfe ein.“ Kritik an seiner Machtfülle wies der 57-Jährige zurück: „Ich bin doch vor einem Jahr als starker Mann geholt worden, der neue Strukturen schaffen soll. Da stand der Verein nahe an der Insolvenz. Wenn man nicht will, dass der Club in einem Freundschaftsspiel 250 000 Euro einnimmt (gemeint ist die Partie bei Red Bull Leipzig, die Red.), wenn man nicht will, dass bei der Saisoneröffnung auch noch ein attraktives Turnier stattfindet, dass dem Verein mehr Einnahmen und Zuschauer beschert, dann muss man mir das sagen.“ Magath sagt es nicht, doch er würde dann wohl Konsequenzen ziehen, wenn Schalke ihm auf seinem Kurs nicht mehr folgt. Doch noch bekräftigt der 57-Jährige: „Ich habe Vertrag bis 2013 und will bis dahin mit Schalke 04 Meister werden.“