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So bewertet ein Design-Experte das Schalke-Trikot

18 Jerseys im Check

Die neue Bundesliga-Saison steht vor der Tür. Die 18 Fußball-Erstligisten sind frisch eingekleidet worden. Doch was sagen die Farben und Symbole der Trikots über Team und Ziele aus? Das hat Kommunikationsdesigner Rüdiger Quass von Deyen für uns analysiert. Welches Heim-Trikot gefällt Ihnen am besten? Stimmen Sie ab.

Dortmund

, 01.08.2015

Als Kommunikationsdesigner betrachtet Rüdiger Quass von Deyen die 18 Heim-Trikots mit ganz anderen Augen. Er achtet zum Beispiel auf die Wirkung von Farben und Symbolen. „Corporate Design macht einen Teilbereich der Unternehmensidentität aus und befasst sich mit der Gestaltung von Kommunikationsmitteln. Dazu gehören natürlich auch die Verpackungen des Produkts – also die Trikots“, erklärt Quass von Deyen.

Gelb steht für Glaube

Das sei schon zu Zeiten des Mittelalters so gewesen: Wappen, Signale und Symbole entwickelten sich im 12. Jahrhundert. Sie dienten dazu, Ritter bei Kämpfen und Turnieren unterscheiden zu können. In ihren Rüstungen allein waren sie nicht zu unterscheiden. Zunächst bestanden diese Signale aus Farben und Mustern. Später entwickelten sich daraus auch Tierabbildungen und andere Symbole. Ritter führten Farben vor allem bei Turnieren, aber natürlich auch in kriegerischen Auseinandersetzungen, so der Fachmann.

Die Farben hatten laut Quass von Deyen folgende Bedeutungen: Gold und Gelb standen für Glaube, Weiß für Hoffnung, Vollkommenheit und Sicherheit, Rot für Mut, Kampfeslust und Stärke. Blau für Gerechtigkeit und Treue, Schwarz für Macht und Eleganz. Und Grün für Tapferkeit und Freiheit. "Sieht man sich die Trikots der Bundesliga-Vereine in der Saison 2015/2016 an, beherrscht zunächst mal relative Eintönigkeit", so Quass von Deyen.

 

Sein Bundesliga-Trikot-Check:

(Sortierung: Sportliches Abschneiden Saison 2014/2015)

 

FC Bayern München: Rot steht für Leidenschaft. Allerdings ist die Kombination aus roten Hemden, roten Hosen, roten Stutzen und dazu roten Schulterstreifen auf rotem Grund nicht gerade ein innovatives Symbol aggressiver Leidenschaft. Das coole „Mia san Mia“ kann man aber auch in dieser Art demonstrieren.

 

VfL Wolfsburg: Der Brustaufdruck ist eine Kopie. Aber immerhin die Kopie eines emotionalen Vorbilds: das des amtierenden Weltmeisters. Wolfsburg will also nicht nur hoch hinaus, sondern auch weg vom Image einer Betriebssportgemeinschaft. Der V-Ausschnitt, das grüne Ypsilon, wirkt frisch, aber auch sehr bemüht.

 

Bor. Mönchengladbach: Sicherheit strahlt das Trikot nun nicht aus. Der grüne Senkrechtstreifen mit schwarzen Rahmen ist zu wenig Blickfang. Die schwarzen Applikationen wirken eher unentschieden. Die größte gestalterische Herausforderung ist es in Gladbach, das schmerzhafte Logo des Brustsponsors irgendwie zu integrieren.

 

Bayer Leverkusen: Rot und Schwarz? Eleganz und Kampfeslust? Würde passen bei den Leverkusenern. Die Streifen des Ausrüsters auf den Schultern. Der Verein lässt es beim neuen Trikot mal ordentlich krachen. Die spielerischen Punkte, die an den Ärmeln und am unteren Rand wiederkehren, runden das Bild ab.

 

FC Augsburg: Das Spiel der Augsburger hatte, jedenfalls bisher, deutlich mehr Facetten als das Trikot. Im direkten Vergleich wirkt die Arbeit des Ausstatters extrem einfallslos: das weiße Heimtrikot, die weiße Hose, die feinen Ralleystreifen. Man ahnt es schon: Aufregend ist anders.

 

FC Schalke: Das Heimtrikot in dieser Saison wird schlicht und ergreifend beibehalten. Das Trikot spiegelt die Identität des Revierclubs wider. In Anlehnung an die typische Kluft der Bergarbeiter im Ruhrgebiet kommt die Gestaltung im Nadelstreifen-Design daher.

 

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Bor. Dortmund: Energie und Ehre. Dafür steht auch die Farbe Gelb. Dafür steht der BVB. Scheinbar nehmen die Dortmunder Bezug auf das Trikot der 83/84er-Generation. Damals waren die schwarzen Streifen vertikal, diesmal sind sie sehr fein und horizontal.

 

TSG 1899 Hoffenheim: Linien, die irgendwie nicht ineinandergreifen. Hier besteht die Hoffnung, dass dies nicht visuelle Umsetzung einer Absicht ist. Da enden die oberen Streifen im Mittelfeld, die unteren verblassen irgendwo im Nirgendwo. Vielleicht der Versuch, Dynamik zu zeigen. Aber es hat am Ende doch mehr von einem Schlafanzug.

 

Eintracht Frankfurt: Schwarz, rote Nadelstreifen, top-moderner enger Schnitt – das Trikot der Frankfurter zeigt Dominanz und Eleganz. Man kann es sich unter einem Sakko vorstellen. Angenehm und farblich angemessen fügt sich selbst das Logo des Brustsponsors in das Gesamtbild ein. Mehr als Bundesliga-tauglich. In der visuellen Kommunikation sicher bereits international dabei.

 

Werder Bremen: Der Auftritt lässt sich auch nicht mehr mit „Tradition“ oder „Retro“ entschuldigen. Weiße Ärmel mit grünen Rändern und ein komplett rasengrün gehaltenes Hemd ohne Taillierung – tapfer kann man das schon nennen. Denn langweiliger geht es visuell kaum. Grün als Zeichen von Lebendigkeit ist hier vertan.

 

FSV Mainz 05: Das neue Trikot beweist: Schlichtheit ist Trumpf in Mainz. Dies entspricht dem Auftritt des Vereins – im Verhalten als auch in der Kommunikation. Nicht mehr zu versprechen, als man zu halten in der Lage ist. Und durch die Gestaltung und die Farbe die innere Stärke zu belegen.

 

1. FC Köln: Das neue Trikot des 1. FC Köln ist extrem schlicht geraten. Ergänzt wurde nun der kleine und fein angedeutete Dom, der dezent eingearbeitet wurde. Ausdruck der tiefen Verwurzelung mit der Stadt, aber auch Ausdruck des neuen Selbstverständnisses.

 

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Hannover 96: Bei genauerem Hinsehen erkennt man in dem helleren Rot ein engmaschiges Muster, das an Bienenwaben erinnert. Die Bienenwabe ist ein Symbol für Stabilität und ein harmonisches Gleichgewicht. Wenn dies ein Versprechen ist, sollte Hannover besser abschneiden als in der letzten Saison.

 

VfB Stuttgart: Erstmals seit 40 Jahren zieht sich der rote Brustring über das gesamte Trikot. Die Idee zum durchgehenden Brustring entstand 1923 und hat sich seitdem als Identifikationssymbol des VfB Stuttgart etabliert. Bis 1973 spielten die Stuttgarter mit einem kreisrunden Streifen auf dem Trikot. Insgesamt hat das neue Trikot keine Überraschungen zu bieten.

 

Hertha BSC: Die Hertha hat vergangene Saison nur durch die bessere Tordifferenz gegenüber dem HSV die Abstiegsrelegation vermieden – eigentlich muss in Berlin alles besser werden. Weiße und blaue Senkrecht-Linien in der immergleichen Breite – kein Pep, keine Inspiration, kein Schwung. Da muss man auch bei der Kleidung erstmal drei schlechtere Teams finden.

 

Hamburger SV: Die Farbe Rot hat der Ausrüster dem HSV entzogen. Das Symbol der Stärke ist vielleicht derzeit auch nicht das beste Signal. Ein wenig Treue kann über die blauen Applikationen wohl eingefordert werden. Das Design kommt aktuell ziemlich klassisch daher – und das dominante Weiß steht in der Farbenlehre für Sicherheit.

 

FC Ingolstadt: Never change a winning Ingolstadt. So ist der Verein schwarz-rot-gestreift aufgestiegen – und genauso beginnen sie nun auch das Abenteuer Bundesliga. Ein wenig geheimnisvoll, aber mit einem Mehr an Mut und Kampfeslust. Starke Signale an die neue Konkurrenz.

 

SV Darmstadt 98: Das letzte große Geheimnis der Liga ist der Sensations-Aufsteiger Darmstadt 98. Vielleicht passen zur Symbolik der Lilie Glaube, Ritterschaft und Weisheit, das Vertrauen als weitere Bedeutung der Farbe Blau. Alles Werte, die einem Verein helfen können, in der höchsten Spielklasse zu bestehen.

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