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Streit unter Nachbarn

65-Jähriger verliert Augenlicht nach Angriff mit Glasflasche

BOCHUM Schwere Vorwürfe gegen einen 78-jährigen Mann aus Höntrop: Der Rentner soll seinen Nachbarn (65) mit einem Beutel Glasflaschen angegriffen haben. Das Opfer verlor sein linkes Auge. Seit gestern beschäftigt der unfassbare Fall das Amtsgericht.

65-Jähriger verliert Augenlicht nach Angriff mit Glasflasche

Der 65-Jährige kam mit einer schwarzen Sonnenbrille ins Gericht – an der Seite seiner Ehefrau und seines zehnjährigen Sohnes. Der Schüler hatte damals mit ansehen müssen, wie sein Vater zu Boden ging. „Das hat richtig geblutet“, sagte der Zehnjährige im Zeugenstand. Eine der Glasflaschen soll direkt unter dem Auge zersplittert sein. „Das war wie eine Hinrichtung“, sagte der 65-Jährige am Rande des Prozesses. „Das Auge war dreigeteilt.“

 Die Ärzte hatten noch versucht, den Augapfel zu retten. Doch bei der Heilung gab es Komplikationen. Erst kamen die Schmerzen, dann ein unerträglicher Juckreiz. „Das Auge ist geschrumpft“, sagte der 65-Jährige. „Dann mussten sie es rausnehmen.“ Als er im Gerichtssaal kurz seine Sonnenbrille abnahm, mochte man am liebsten gar nicht hinsehen. Der Anblick ist erschreckend.

 Warum der Nachbarschaftsstreit am 2. Dezember 2011 so eskaliert ist, ist unklar. Es hatte Streit gegeben, das steht fest. Um laufende Automotoren auf dem Innenhof, um beleidigende Gesten und Beschimpfungen.Am Tattag hatte der 65-Jährige einen Freund besucht. Sein Sohn hatte eine Airbrush-Ausrüstung geschenkt bekommen, der Bekannte hatte noch eine Schutzmaske. Beim Verlassen des Hausflurs soll der bullige Angeklagte dann jedoch die Haustür blockiert haben. Keiner kam durch. Jedes Bitten war vergeblich.

„Ich habe ihn dann zur Seite geschoben“, sagte der 65-Jährige. Kurz darauf ging es rund. „Er hat mich an der Schulter gepackt, mich gedreht und zugeschlagen. Dann nahm er den Stoffbeutel mit Flaschen und hat ihn geschmissen.“

 Der Angeklagte wollte davon jedoch nichts wissen. Er behauptet, selbst grundlos angegriffen und zu Boden geschlagen worden zu sein. „Ich bin bewusstlos geworden.“ Den Wurf mit der Stofftasche habe es gar nicht gegeben. Außerdem seien auch keine Flaschen darin gewesen. Eigentlich habe er damals nur Brot kaufen wollen. Dass er die Haustür kurz blockiert habe, könne allerdings sein. Weil er so langsam laufe. Der Prozess wird fortgesetzt. 

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