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Vor 60 Jahren eröffnete das Eiscafé Capri

Als das Eis nach Ahaus kam

Ahaus Vor 61 Jahren macht sich der gelernte Schneider Ugo De Cesero aus Italien auf den Weg, um Arbeit zu finden. Ein Jahr später ist er als Eismacher in Ahaus am Ziel seiner Träume.

Als das Eis nach Ahaus kam

Die Anfänge der „Eiszeit“ in Ahaus: Ugo De Cesero mitsamt Nachwuchs in seinem Eiscafé. Foto: Privat

Es ist das Jahr 1957, als sich Ugo De Cesero aus dem Val di Zoldo in den Dolomiten auf den Weg nach Frankreich macht, um Arbeit zu finden. Dass der gelernte Schneider ein Jahr später das Eis nach Ahaus bringt, hier die erste Eisdiele betreibt – und fast 20 Jahr lang auch die einzige in der Stadt – das ahnt er zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

„Mein Vater traf unterwegs einen Kölner, der ihm Arbeit in der Domstadt anbot. Da musste er nicht lange überlegen. In Frankreich hatte er noch nichts, in Deutschland einen Job“, erzählt Klaus De Cesero.

Purer Zufall, dass es Ahaus wird

In Köln lernt Ugo De Cesero das Eismachen und arbeitet dort eine Saison als Gelatiere, als Speiseeishersteller. Doch nur angestellt zu sein, das ist ihm zu wenig. Der Traum vom eigenen Eiscafé will erfüllt werden. „Wir haben uns ein paar Monate überall umgeschaut, in ganz Deutschland“, erinnert sich Rosy De Cesero an die Anfänge.

Dass es Ahaus wird, ist purer Zufall. Räume sind frei, Konkurrenz ist nicht zu fürchten. Rosy und ihr Ehemann Ugo eröffnen Ende Februar 1958 das Eiscafé Capri am Markt. „Draußen lag noch Schnee“, erinnert sich Rosy. „Aber das Geschäft war trotzdem voll.“

Als das Eis nach Ahaus kam

Andrang vorm Eiscafé Capri, damals noch am Markt beheimatet. Das Foto entstand 1983, als das Capri sein 25-jähriges Bestehen feierte. Foto: Privat

Sechs Jahrzehnte später sitzt Rosy De Cesero, mittlerweile 77 Jahre alt, mit Sohn Klaus (42) und Schwiegertochter Laura Vanella (40) an einem Tisch im Eiscafé Capri. 30 Jahre stand sie im Capri hinter der Theke. Bis zur Erkrankung ihres Mannes Ugo. Herzinfarkt, Schlaganfall. Rosys Ehemann starb vor sieben Jahren.

Zurück ins Jahr 1958. Das italienische Ehepaar mit eigenem Eiscafé, das ist zu der Zeit schon etwas Exotisches in der westmünsterländischen Kleinstadt. Ein Eiscafé hatte die Stadt bis dato nicht. Vielleicht gerade deshalb: „Anfangs war es nicht einfach“, blickt Rosy De Cesero zurück. Kritisch beäugen die Ahauser die Eismacher aus dem Ausland, die weder Platt noch akzentfrei Hochdeutsch sprechen.

Start mit zehn Eissorten

Die De Ceseros lassen dafür ihre Produkte sprechen. Rosy De Cesero: „Wir sind mit zehn Eissorten gestartet.“ Schokolade und Vanille, Zitrone, Aprikose und Himbeere, Ananas, Blaubeere und noch mehr. Nicht nur das Eis ist schnell in aller Munde, auch der Name „Capri“ spricht sich herum. Warum die De Ceseros vor 60 Jahren ihrem Eiscafé diesen Namen gaben? Rosy De Cesero: „Ganz einfach. Weil es da wärmer ist als in Ahaus.“

Sieben Tage die Woche, von 9 Uhr morgens bis 23 Uhr abends, arbeiten die De Ceseros im Capri, gewohnt wird ein Stockwerk darüber. Bis Oktober geht die erste Saison. Dann fährt das Paar zurück nach Italien und tankt Kraft für die Saison ´59. Rosy De Cesero: „Ab da haben wir jedes Jahr zum Saisonstart im Café etwas verändert.“ Mal ist es eine neue Fototapete, mal neues Mobiliar, mal gibt es neue Eissorten. Jahr für Jahr freuen sich die Ahauser auf Veränderungen.

Als das Eis nach Ahaus kam

Klaus De Cesero, seine Mutter Rosy und Ehefrau Laura Vanella laden die Ahauser vom 16. bis 21. April zur Jubiläumswoche mit besonderen Angeboten ein. Foto: Christian Bödding

Die Zeit bringt so manche Neuerung mit sich. Eis machen, das ist Ende der 50er-Jahre noch schwere Arbeit. „Man kann das mit dem Zementmischen vergleichen“, erklärt Klaus De Cesero. Auch Fertighörnchen gibt es zu der Zeit noch nicht. „Die hat mein Mann im Keller gebacken“, erzählt Rosy De Cesero.

Die ersten Eismaschinen erleichtern die Produktion. Bezahlt werden sie damals, ebenso wie die erste Ladeneinrichtung, noch mit Schuldscheinen. Eismachen, das ist anno 2018 einfacher. „Aber dafür ist der Stresspegel heute höher“, sagt Klaus De Cesero, der das Eiscafé, das heute an der Markstraße beheimatet ist, seit neun Jahren mit seiner Ehefrau führt.

Die Saison geht zehn Monate am Stück, sieben Tage die Woche. „Das können sich viele gar nicht vorstellen, was das heißt.“ Der gelernte Goldschmiedemeister arbeitete zehn Jahre als CNC-Techniker in Italien, bis er und seine Frau das Capri übernahmen.

Herzensentscheidung für Ahaus

Klaus De Cesero und Laura Vanella hatten beide einen festen Job in Italien, auch eine Eigentumswohnung. „Es war eine Herzensentscheidung. Ich komme aus Ahaus. Es war ein Grund, wieder in die Heimat zu gehen. Es wäre doch schade gewesen, wenn das Capri hätte schließen müssen“, sagt Laura Vanella.

Das Paar wusste, worauf es sich einlässt. Laura Vanella fing im Capri mit 16 Jahren als Aushilfe an und lernte dort ihren Mann kennen. Klaus De Cesero: „Meine Eltern kamen vor 60 Jahren, weil sie in Italien keine Arbeit hatten. Wir sind wieder nach Deutschland gekommen, weil wir kommen wollten. Es war eine ganz bewusste Entscheidung.“

Zurück ins Capri. Dort, wo die Stammkundschaft Klaus De Cesero noch als kleinen Jungen kennt und mit ihm älter geworden ist. „Ich finde, Kunden so lange zu halten, das spricht für uns.“ È così. So ist es.

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