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Anerkennung statt Alkohol

Ahaus Deutsch, Mathe, Physik - und Suchtprävention. Wenn Montag die Schule beginnt, sollte dieses Fach einen festen Platz im Stundenplan haben - zumindest nach Ansicht von Maria Weber. Über die wachsende Gefahr für Kindern und Jugendliche, abhängig zu werden, sprach Sylvia Lüttich-Gür mit der Gesamtvorsitzenden des Kreuzbundes.

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Setzt auf direkten Kontakt zu Jugendlichen: Maria Weber.

Wenn Alkohol zum täglichen Begleiter wird, wenn Körper und Geist nach dem nächsten Schluck schreien, dann hat sich das Genussmittel in ein Teufelszeug verwandelt: eine Erfahrung, die immer mehr junge Menschen machen. MLZ Fotos (2) Lüttich-Gür

Heute verabreden sich viele Schüler, um Party zu machen vorm Ferienende: fröhlich und sicher auch feuchtfröhlich - ist das schlimm?

Weber: Nein, Jugendliche müssen ihre Erfahrungen machen mit Alkohol. Normale Feten feiern - kein Problem. Die Vorgaben des Jugendschutzgesetzes sollten aber auch bei privaten Feiern eingehalten werden - zumindest in etwa.

Ist das denn der Fall?

Weber: Leider nein. Wenn 14- und 18-Jährige zusammen feiern, trinken auch alle zusammen. Gerade bei uns auf dem Land wird das immer noch nicht als wirklich problematisch gesehen.

Wo liegt das Problem?

Weber: Mal auf einer Party über die Stränge zu schlagen, ist nicht der Punkt. Sorgen bereitet mir jedoch, dass immer mehr Jugendliche, manchmal auch Kinder, regelmäßig Alkohol konsumieren und im Alkohol auch einen Problemlöser sehen, der sie zumindest für einige Zeit ablenkt.

Woher wissen Sie das?

Weber: Aus vielen vertraulichen Gesprächen mit Jugendlichen, aber auch mit Mitarbeitern des Krankenhauses, die akut eingewiesene Jugendliche behandeln.

Warum greifen die Kids zur Flasche?

Weber: Bei Schwierigkeiten in der Schule oder im Elternhaus, finanziellen Problemen der Familie, Pers pektivlosigkeit, Langeweile - in erster Linie geht es ihnen um Anerkennung. Wer beim Komasaufen am meisten verträgt, hat gewonnen.

Komasaufen?

Weber: Na klar, das ist doch nicht nur ein Phänomen in den Großstädten. Auf unsere Bevölkerungszahl herunter gerechnet, kommt das in Ahaus bestimmt genauso oft vor wie in Berlin oder anderswo.

Wie lässt sich da gegensteuern?

Weber: Der Schlüssel ist die Anerkennung: Eltern sollten sich mehr Zeit nehmen, ihre Kinder zu loben - nicht nur für Erfolge in der Schule, sondern auch im Sport oder in der Freizeit. Viele Eltern sind so mit sich selbst beschäftigt - weil beide berufstätig sind oder weil sie sich selbst aufgegeben haben - , dass sie froh sind, wenn ihre Kinder fernsehen oder vorm Computer sitzen.

Also müssen bessere Freizeitangebote her?

Weber: Ja, sinnvolle Freizeitgestaltung - das ist wichtig. Darum finde ich den Einstieg in die Ganztagsschule auch sehr gut.

Sie und andere Mitglieder des Kreuzbundes machen regelmäßig Unterrichtsbesuche...

Weber: ... ja, aber längst nicht so oft und regelmäßig wie wir wollten.

Was schlagen Sie denn vor?

Weber: Suchtprävention sollte fester Bestandteil des Unterrichts sein. Wir meinen, dass Unterrichtsbesuche bereits ab der fünften Klasse sinnvoll wären und nicht erst ab der achten. Verstärkt sollten auch Eltern mit einbezogen werden.

Gehen Sie auch außerhalb der Schule auf Jugendliche zu?

Weber: Ja! Wir freuen uns, wenn uns Jugendheime und Vereine einladen. Umgekehrt können sich jederzeit Jugendliche - egal, ob sie schon ein echtes Problem mit Alkohol haben oder sich nur gefährdet fühlen - an uns wenden. Ganz vertraulich, versteht sich.

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