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Angeklagter beschuldigt Zehnjährigen

Ahaus/Münster Ein Zehnjähriger als Sex-Täter? Ein fast 20 Jahre älterer Mann, der sich alles gefallen lässt und dem Jungen später auch noch Geld zusteckt? Nicht nur Richter Winfried Kröger befand gestern im Prozess vor dem Landgericht Münster: "Das kann man eigentlich nicht glauben."

Der angeklagte Mann aus Ahaus blieb jedoch dabei: Er sei kein Kinderschänder, sondern vielmehr das Opfer eines allzu forschen Kindes gewesen.

Äußerst zäh und schleppend begann die Verhandlung gegen den 30-Jährigen, dem die Staatsanwaltschaft zehnmaligen sexuellen Missbrauch des anfangs zehnjährigen Jungen vorwirft. Zwischen Sommer 2005 und dem 12. Mai dieses Jahres soll sich der Angeklagte immer wieder an dem Kind vergangen haben. Mal in dessen Kinderzimmer, mal am alten Bahnhofsgelände, und ganz häufig in einem Waldstück in der Nähe der Ridderstraße.

Angeklagter taubstumm

Der Angeklagte kann selbst nur wenig zur Aufklärung beitragen. Er ist taubstumm und offenbar auch psychisch schwer angeschlagen. Die meisten Fragen der Richter erreichten ihn gar nicht - obwohl gleich zwei Dolmetscherinnen für Gebärdensprache sich im Gericht alle erdenkliche Mühe gaben.

So werden die Richter der 1. Strafkammer nicht umhin kommen, am nächsten Verhandlungstag den Jungen selbst als Zeugen zu vernehmen.

In Missbrauchs-Prozessen ist dies für gewöhnlich einer der markantesten Punkte der ganzen Verhandlung. Legt der Angeklagte vor der Vernehmung des Belastungszeugen ein Geständnis ab und erspart seinem Opfer so die Aussage, kann er mit einem erheblichen Strafrabatt rechnen.

"Zeuge glaubwürdig"

Tut er es nicht, schlägt das Gesetz mit aller Härte zu. "Wollen sie das?", wurde der 30-Jährige gestern gleich mehrmals gefragt. Doch auch diese Frage verpuffte, ohne dass der Mann sie verstanden hätte.

Die Befragung des heute 13 Jahre alten Jungen wird für die Richter indes auch keine leichte Übung sein. Eine Gutachterin beschreibt ihn als "aufmüpfig, aufsässig und trotzig", als einen Jungen, der "sehr durchsetzungsfähig" sei.

An der Glaubwürdigkeit des Zeugen hat die Sachverständige bisher allerdings keine Zweifel. Der Junge hatte bei der Polizei die sexuellen Übergriffe des Angeklagten bestätigt. MvB

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