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Hausärzte verzweifelt gesucht

Ein Job im Notstandsgebiet

AHAUS. Retter im Notarztwagen? Operateur in der Uni-Klinik? Forscher im Labor? Wer Medizinstudenten nach ihrer Zukunft fragt, der hört nur selten: "Hausarzt auf dem Land." Gleich mehrere Förderprogramme sind vonnöten, um angehende Mediziner hierhin zu bekommen. Die Lage ist so dramatisch, dass Ahaus und weitere Orte vom NRW-Gesundheitsministerium schon als "Notstandsgebiete 1. Ordnung" deklariert werden.

Ein Job im Notstandsgebiet

Studentin Kathrin Sprenger beim Blick durchs OP-Mikroskop im Augen-Zentrum-Nordwest. Die 22-Jährige hat über das St. Marien-Krankenhaus einen OP-Tag in Ahaus verbracht. Dr. Stefanie Schmickler assistierte der zukünftigen Ärztin.

Wie führt man Nachwuchsmediziner nach Ahaus? Der Kreis Borken versucht es mit der Aktion "Hand aufs Herz". Dabei bekommen zweimal im Jahr jeweils fünf Medizinstudenten die Möglichkeit, im Alltag der hiesigen Hausärzte und Krankenhäuser mitzuwirken.

Das Augen-Zentrum-Nordwest in Ahaus nimmt an der Kampagne teil. Dr. Stefanie Schmickler ist geschäftsführende Augenärztin und erklärt, dass man dem Ärztenachwuchs die hohe Lebensqualität der Region vermitteln müsse. "Wenn die Studenten dann ihr Examen in den Händen halten und ihre Karriere planen, sollen sie sich daran erinnern, wie schön es hier ist."

Praxistag

Das wird vielleicht auch Kathrin Sprenger tun. Die Medizinstudentin aus Münster verbrachte über das St. Marien-Krankenhaus einen Tag in Ahaus. Am OP-Mikroskop im Augen-Zentrum griff sie zur Übung Krümel aus einem Mehrkornbrot heraus. Jetzt weiß sie, dass das viel einfacher aussieht, als es ist. Ähnliche Erfahrungen machte wohl auch das NRW-Gesundheitsministerium. Das prall gefüllte Wartezimmer in ländlichen Arztpraxen nicht nur mit Husten und Heiserkeit, sondern auch mit zu wenig Hausärzten zu tun haben könnten, ist mittlerweile bis nach Düsseldorf vorgedrungen. Das Ministerium führt eine Liste mit "Notstandsgebieten 1. Ordnung". Damit sind Orte gemeint, "in denen die Gefährdung der hausärztlichen Versorgung droht". Gelistet sind neben Ahaus aus dem Kreis Borken noch Vreden, Gescher, Heiden, Isselburg, Raesfeld und Rhede.

50.000 Euro

Das Land versucht es mit finanziellen Anreizen: Hausärzte können bis zu 50000 Euro Einzelförderung als Zuschuss beantragen. Ahaus gehört zu den 191 Kommunen, die die Anforderungen erfüllen: Die Einwohnerzahl darf nicht über 40000 liegen und der Versorgungsgrad der Hausärzte unter 60 Jahre muss unter 75 Prozent liegen. Antragsteller müssen sich je nach Förderung verpflichten, bis zu zehn Jahre im Gebiet als Hausarzt tätig zu sein. Geld müsste das Land eigentlich nicht zahlen. Denn den Sicherstellungsauftrag der Hausarztversorgung in dieser Region hat die Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen Lippe mit Sitz in Dortmund.

Die will von einem "Notstandsgebiet" Ahaus nichts wissen. Auf Anfrage heißt es, der Versorgungsgrad an Hausärzten "im Mittelbereich Ahaus" liege bei 111,3 Prozent - ein Überangebot. Die KVWL: "Die Versorgung ist als stabil zu bezeichnen." Allerdings gehören zum Mittelbereich Ahaus die Kommunen Heek, Schöppingen und Legden. Den insgesamt 62316 Einwohnern stehen 41 Hausärzte zur Verfügung. Von den Medizinern sind mehr als 50 Prozent zwischen 55 und über 70 Jahre alt - unter 35 Jahre ist nicht einer.

 

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