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Landwirte leiden unter der Kältewelle

Eiszeit draußen – Eiszeit in den Ställen

Ahaus. Temperaturen bis zum zweistelligen Minusbereich, Dauerfrost und ein eisiger Wind – die Menschen in Ahaus bibbern. Eine Berufsgruppe trifft die Kältewelle aber ganz besonders hart.

Eiszeit draußen –
Eiszeit in den Ställen

Markus Selker zeigt die Melkzeuge, die eingefroren waren. Foto: Hildebrand-Stubbe

Norbert Erning hat wie seine Kollegen von den anderen Ahauser Sanitär- und Heizungsfirmen zurzeit sehr viel zu tun. Besonders Heizungsausfälle sind das große Thema. „Die passieren zwar auch bei warmen Außentemperaturen, aber bei einer solchen Kälte ist das Problem umso dringender“, sagt Erning. Auch bei Manfred von der Wurps Kundschaft sind die Folgen der extremen Witterung ähnlich.

In einem Fall war er bereits dreimal im Einsatz: „Die Anlage steht auf dem Dachboden und lief bislang störungsfrei, jetzt aber sind kurioserweise Rohre eingefroren.“ Der Auslöser liegt für den Fachmann auf der Hand: „Was viele einfach unterschätzen, ist der Wind, selbst wenn das Thermometer es nicht vermuten lässt.“

Seine Empfehlung ist daher im konkreten Fall, erst einmal einen Heizlüfter aufzustellen und grundsätzlich, den Fokus auf die Isolierung zu richten – bei den Rohren, aber auch bei den Wänden. Und: Außenzapfstellen im Winter komplett zu entleeren.

Tränken frieren zu

Eine extreme Herausforderung ist die ungewöhnliche Kälteperiode zurzeit für die Landwirte. Vorkehrungen hatten Josef Buddendick und Schwiegersohn Markus Selker auf dem Hof Buddendick-Vissing bereits getroffen, als die „Eiszeit“ drohte. Schließlich mussten die Tiere – rund 150 Milchkühe und ebensoviele Jungtiere – geschützt werden. Über die Öffnungen der Ställe – vor allem an der Ostseite – wurden Windschutznetze gespannt, Fenster verriegelt und Ritzen geschlossen. Und auch jetzt achten alle darauf, dass die Stalltüren sofort wieder geschlossen werden.

Komplett geschützt vor den Folgen des Dauerfrostes hat das alles dennoch nicht. Zurzeit wirbelt der den Alltag der Landwirte gehörig durcheinander: So müssen mehrmals täglich die Tränken im Jungviehbereich aufgetaut werden. Anders als im Kuhstall, wo die Schalentränken durch ein Zirkulationssystem frostsicher sind, ist das bei den Einzeltränken dort nicht der Fall. Dabei ist der Flüssigkeitsbedarf bei den Tieren extrem hoch. Rund 100 Liter Wasser trinkt eine Kuh am Tag.

Markus Selker berichtet aber noch von mehr Problemen: „Melkzeuge im Melkkarussell sind eingefroren und mussten mit heißem Wasser gängig gemacht werden.“

Und die neugeborenen Kälber werden mit Rotlicht gewärmt. Sogar beim Grünfutter, das draußen gelagert wird, sind die obersten Schichten gefroren. Außerdem müssen die beiden Landwirte und ihre Helfer sorgsam darauf achten, dass die Flächen, auf denen die Kühe laufen nicht vereisen und damit gefährlich glatt werden. Andernfalls drohen Verletzungen.

Neue Technik hilft Landwirten

Für die Landwirte bedeutet die Schadensbegrenzung viel zusätzlichen Aufwand. „Einen halben Tag sind wir damit beschäftigt“, sagt Josef Buddendick. Auch wenn sie auf wärmere Zeiten hoffen, ist ihnen klar: „Wenn alles wieder aufgetaut ist, dann gehts ans Reparieren.“ Markus Selker ist sicher, dass dann die tatsächlichen Schäden an Wasserleitungen und Tränken erst sichtbar werden.

Relativ gelassen ist man beim Nachbarn, auf dem Hof Heling, einem 2011 gebauten Pensionspferdebetrieb mit 32 Stallboxen. „Wir haben heizbare Tränken“, sagt Katrin Heling. Das allerdings werde die Stromkosten wohl in die Höhe treiben, befürchtet sie. Zudem sei der vereiste Boden für den Auslauf der Pferde zurzeit zu gefährlich.

Ähnlich gelassen ist auch Hermann Lenting, stellvertretender Ahauser LOV-Vorsitzender und Bullenmäster. Die rund 450 Bullen in seinen neuen Ställen werden über Tränken mit einer Ringleitung versorgt. „Die springt ab sieben Grad an“, sagt Lenting.

Wer allerdings nicht neu gebaut hat, dem geht es ähnlich wie Josef Buddendick und seinem Schwiegersohn. Eine Nachrüstung ist zwar kostspielig, aber angesichts solcher Wetter-Ausreißer für viele Landwirte eine Überlegung wert.

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