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Hilfe fürs vergessene Viertel

Ahaus Chilibulo gibt es nicht - zumindest nicht in Reiseführern. Touristen sollen lieber einen großen Bogen um das ärmste Viertel von Ecuadors Hauptstadt Quito machen. Kolja Schürmann hört nicht auf die Warnungen der Reiseveranstalter. Der 20-Jährige macht sich auf den Weg nach Chilibulo und bleibt elf Monate - nicht als Tourist, sondern als Friedensarbeiter.

"Schön", "reizvoll", "herzlich" - wenn der junge Ahauser zwei Wochen nach der Rückkehr von seiner Heimat auf Zeit spricht, wählt er Begriffe, die so gar nicht in das Bild eines im Sumpf von Kriminalität, Drogenmissbrauch und Zerfall versunkenen Viertels zu passen scheinen. Dabei hat Kolja, der seit einem Auslandsjahr als Gymnasiast in Uruguay fließend Spanisch spricht, nicht die Augen verschlossen vor den Problemen - im Gegenteil.

Jeden Tag von 8 bis 17 Uhr hat er sie bei der Arbeit gesehen: Dreijährige, die nicht kauen können, weil sie feste Nahrung nicht gewohnt sind, Vorschulkinder, die Opfer sexuellen Missbrauchs sind, Erzieherinnen, die ihre Schützlinge ungern in die Ferien lassen, weil diese dann ganz allein sind mit ihren überforderten Eltern.

"Ich habe im Kinderhilfsprojekt Chilibulo gearbeitet, sowohl in einem Kindergarten als auch in einer Tagesstätte für Fünf- bis Sechsjährige", erzählt der junge Mann. Die Kinderärztin Dr. Martha Davila sowie die Zahnärztin Dr. Martha Yanez betreuen dort rund 300 Kinder - unterstützt allein durch Spenden aus Deutschland und freiwillige Helfer wie Kolja.

Dass der blonde Europäer mitten unter ihnen lebt - ganz freiwillig und ohne Geld - habe die Menschen des Viertels, das einst die größte Mülldeponie der Millionenstadt am Äquator beheimatete, tief beeindruckt. Dabei hätten er und sein Kollege Simon aus Nienberge das Leben der Viertelbewohner - "Slum möchte ich nicht sagen, denn die Probleme fallen dort erst auf den zweiten Blick auf" - gar nicht so entscheidend verbessern können, wie sie es sich gewünscht hätte: "Wir haben eben die Kinder betreut, mit ihnen gespielt, das Essen verteilt." In ein paar Jahren will der angehende Student daher wieder kommen - dieses Mal als Arzt. "Dann kann ich bestimmt noch mehr tun."

Aber nicht nur der Wunsch zu helfen wird ihn wieder nach Ecuador führen. "Es ist einfach eines der schönsten Länder auf der Welt", schwärmt er: mit Schnee auf den Gipfeln der Anden, tropischem Regenwald und breitem Meeresstrand - all die Ziele, über die die Reiseführer nicht schweigen. sy-

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