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Josef Rickers‘ Ärger mit dem Kreisverkehr

Fahrrad-Ausbildung

Wenn Verkehrssicherheitsberater Josef Rickers mit Grundschülern die Verkehrsregeln übt, macht ihn eins besonders wütend: Radfahrer, die sich einfach nicht an Regeln halten wollen.

Ahaus

von Stephan Teine

, 02.07.2018
Josef Rickers‘ Ärger mit dem Kreisverkehr

Erst gucken, dann fahren: Josef Rickers zeigt seit 15 Jahren Grundschülern in Ahaus, wie sie sich mit dem Fahrrad sicher im Verkehr bewegen. Gestern waren die Viertklässler der Josefschule dran. Und während die zeigten, was sie gelernt haben, musste der Polizist viele andere Radfahrer ermahnen. © Stephan Teine

Josef Rickers holt Luft: „Es ist doch wirklich zum ...“, die Worte, die da am Montagmorgen noch folgen, kann sich jeder selbst ausmalen. Es wird jedenfalls sehr deutlich, dass er wütend ist. Wütend auf Fahrradfahrer, die sich nicht an die Regeln halten wollen. Josef Rickers ist Verkehrssicherheitsberater bei der Polizei. Jeder, der in Ahaus in den vergangenen 15 Jahren die Grundschule verlassen hat oder Kinder in diesem Alter hat, kennt ihn. So lange kümmert er sich hier schon um die Verkehrssicherheit.

Kinder ohne Probleme unterwegs

Er steht an diesem Morgen wieder einmal am Kreisverkehr zwischen Wall-, Königs-, Wüllener und Wessumer Straße. Die Grundschüler aus der Josefschule müssen an diesem Tag beweisen, dass sie mit ihren Fahrrädern sicher im Verkehr unterwegs sind . „Und die schaffen das ohne Probleme“, sagt Josef Rickers. Ganz genau beobachtet er, wie sich ein Kind nach dem anderen in den fließenden Verkehr auf der Kreisbahn einfädeln. Und Josef Rickers sorgt dafür, dass sie dafür Zeit haben. Dass drängelnde Autofahrer warten und dass alles genau so abläuft, wie es die Straßenverkehrsordnung vorsieht. Und wenn die Schlange auf der Wessumer Straße noch so lang wird, mit der Sicherheit ist bei Josef Rickers nicht zu spaßen. Das bekommt auch eine junge Frau zu spüren, die über den Bürgersteig auf der Wessumer Straße an dem Stau vorbeifahren will. Von Weitem sieht Rickers sie schon kommen. Er murmelt sich deftige Worte in den Schnauzer. Als sie am Kreisverkehr ankommt, stellt sich der Polizist in ihren Weg. Die Frau muss absteigen.

Es bleibt bei einer Verwarnung

Während der Polizist aus dem Augenwinkel weiter die Autos im Kreisverkehr beobachtet, lässt er die junge Frau strammstehen. Ob sie sich vorstellen könne, was sie damit für ein schlechtes Vorbild sei? Ob sie wisse, was passiert, wenn plötzlich ein Fußgänger aus einer Haustür herauskommt und sie denjenigen umfahren würde? „Stellen Sie sich mal vor, das wäre Ihre Großmutter, die dann mit Oberschenkelhalsbruch ins Krankenhaus käme.“ Die Frau muss schlucken und nickt. Sie sieht ihren Fehler ein und fürchtet wohl, dass es nicht nur bei der Verwarnung bleibt.

Josef Rickers‘ Ärger mit dem Kreisverkehr

Josef Rickers hat seine Augen überall: Während der Prüfung behält er alle Verkehrsteilnehmer im Blick. © Stephan Teine

Josef Rickers hat an diesem Tag aber Besseres zu tun, als Strafzettel zu schreiben. Die Frau gibt sich reumütig, aber als sie weiterfährt, rollt sie hinter ihrer Sonnenbrille mit den Augen. Ob sie ihre Fahrweise in Zukunft ändert? „Ich weiß es nicht. Ich kann es nur hoffen“, sagt Josef Rickers. Es vergehen nur wenige Augenblicke, dann fährt der nächste Radfahrer über den Bürgersteig. „Man kann hier noch so viel kontrollieren, die Menschen lernen es einfach nicht. Es ist zum aus der Haut fahren. Dabei zeigen die Kinder doch, dass es geht“, sagt Josef Rickers und deutet auf einen Jungen mit seinem Rad. Der fährt gerade zwar noch etwas unsicher aber fehlerfrei durch den Kreisverkehr. Ständige Kontrollen seien auch keine Lösung: „Dafür müssten ja auch erst einmal die Ressourcen bei der Polizei da sein“, sagt er. Und an jede Kreuzung und jeden Kreisverkehr könne man eben keinen Polizisten stellen.

15 Jahre haben einiges bewegt

Seit 2003 arbeitet Josef Rickers als Verkehrssicherheitsberater. „In der Zeit hat sich einiges getan“, sagt er. Zum Beispiel, dass die Autofahrer inzwischen akzeptieren, dass Radfahrer im Kreisverkehr mitten auf der Straße fahren sollen, wenn es keinen Fahrradweg gibt. „Das war am Anfang ein ziemlicher Kampf, weil die Menschen das einfach nicht gewohnt waren.“ Aber diese Fahrweise ist die einzig sichere: „Man schaltet die toten Winkel so aus.“ Und damit die gefährlichsten Stellen für Radfahrer.

Toter Winkel ist gefährlich

Mit der Meinung ist der Polizist nicht allein: „Es stimmt“, sagt Michael Dörr durch sein offenes Fahrerfenster. Er fährt gerade mit einem 7,5-Tonner in den Kreisverkehr. „Wenn ich die Fahrradfahrer vor mir habe, kann ich sie besser sehen. Rechts neben mir sehe ich nur durch die Spiegel etwas. Gerade in diesem Kreisverkehr hier ist das schlimm.“ Für den LKW-Fahrer ist zum Beispiel der Kreisverkehr am Stadtpark viel besser: „Da ist das alles viel übersichtlicher.“ Dass die Kinder an diesem Tag Radfahren üben und es eben länger dauert, stört ihn nicht: „Es ist doch wichtig, dass die Kinder sicher unterwegs sind“, sagt er und ruft dann noch beim Anfahren aus seinem Führerhaus: „Das macht es doch auch für uns sicherer und leichter.“

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