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Glocken in Wessumer St.-Martinus-Kirche

Klarer Glockenklang

Wessum Die Glocken im Wessumer Kirchturm sind echte Raritäten – gestalterisch und akustisch. Ein Experte testet die Töne per Klanganalyse.

Klarer Glockenklang

Jan Gerling im Wessumer Kirchturm mit der Glocke St. Anna. Foto: Lara Wantia

Der Weg zu einer der ältesten Glocken Westfalens ist abenteuerlich. Der Aufstieg führt über die ausgetretenen Steinstufen einer engen Wendeltreppe. Die letzten Meter führen über eine Holzstiege, die Stufen sind schief, festhalten kann man sich am Ende nur noch an den oberen Stufen, ein Geländer gibt es nicht mehr. Jan Gerling öffnet eine Luke zum Plateau im Turm der St.-Martinus-Kirche.

Er ist Mitglied des Kirchenvorstands in Wessum, organisiert regelmäßig Begehungen des Turms, bei denen Besucher die Glocken besichtigen können. Dieses Mal hat er den Glockensachverständigen Claus Peter dabei. Auf der Plateauebene in 37 Metern Höhe hängen drei Glocken, darüber im Dachreiter noch eine. Zwei der Glocken stammen aus dem Mittelalter. Gegossen hat sie der Niederländer Gerdt van Wou, 1496 die Martinusglocke, 1499 die Glocke St. Anna.

Im Dachreiter hing von 1433 bis 1945 eine Glocke, die durch Artilleriebeschuss zerstört, aber noch in diesem Jahr durch eine neue Glocke mit dem gleichen Ton ersetzt wurde. Die älteste Glocke ist die Marienglocke. Sie stammt aus dem Jahr 1360 und ist damit die viertälteste Glocke in Westfalen. Wer sie gegossen hat, ist nicht bekannt. Sie ist kleiner und schlichter als die anderen Glocken.

Die älteste Glocke klingt besonders gut

Allerdings ist dieses Exemplar ein besonderes: Experten attestieren der Glocke eine besonders schöne Klangfarbe und spezielle Ritzzeichnungen, die es auf keiner anderen westfälischen Glocke gibt. Ein solcher Experte ist der Sachverständige Claus Peter. Er kennt sich mit der Gestaltung, den Gießmeistern und den unterschiedlichen Klängen der Glocken aus.

An der Marienglocke zeigt er eine große Ritzzeichnung eines Christushauptes und die Buchstaben der Inschrift, die mit geritzten Linien verziert sind. Damit gehört die Glocke zu den drei westfälischen Glocken, auf denen die Ritzzeichnung einer Person zu sehen ist.

Dann öffnet Claus Peter einen kleinen Koffer. Darin liegen Stimmgabeln und ein kleiner Schlägel. Er nimmt die Stimmgabel heraus und klopft leicht mit dem Schlägel gegen die Glocke. Peter hält die Stimmgabel an sein Ohr, hört aufmerksam, dreht an ein paar Rädchen, dann schlägt er wieder gegen die Glocke. Was der Sachverständige macht, nennt sich Klanganalyse. Dadurch kann er die Töne bestimmen, die die Glocke enthält.

Glockengießer konnten den Klang abschätzen

Doch bei dieser Glocke scheint es schwierig zu sein. „Passt noch nicht“, sagt Peter. „Aber wir kommen der Sache näher.“ Wieder schlägt er gegen die Glocke, hält aber dieses Mal die Stimmgabel daran. Der angeschlagene Ton verstärkt sich und summt beinahe endlos durch den Kirchturm. „Jetzt stimmt es.“

Die Glockengießer vor 600 Jahren hatten diese Hilfsmittel noch nicht. „Das hat damals keiner gemacht“, erklärt Peter. „Ein guter Glockengießer konnte genau den Durchmesser abschätzen, den die Glocke braucht, und dabei berücksichtigen, dass der sich durch den Abkühlprozess noch verändert.“ Darüber hinaus haben die Glockengießer die neuen Glocken tonal immer an die angepasst, die schon in der Kirche hingen.

Damit die Glocken weiterhin funktionstüchtig und gut erhalten bleiben, kümmert sich eine Spezialfirma um die Wartung. „Wie viele Glocken im Mittelalter in Kirchen hingen, lag am Reichtum und am Alter der Kirche. Bis heute haben sie eine repräsentative Bedeutung und einen Stellenwert, den wir so gut wie möglich erhalten wollen“, erklärt Jan Gerling.

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