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Mehr Mobbing in Schulen

Ahaus Wolfgang Kindlers Diagnose ist eindeutig: "Mobbing in Schulen ist ein altes Phänomen, aber es breitet sich immer weiter aus. Und es nimmt an Härte zu."

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Das Symbolbild zeigt eine Rangelei zwischen einem jüngeren und einem älteren Schüler: Gewalt kann eine Form des Mobbings sein. Oft wird aber viel subtiler gemobbt: mit Beleidigungen, Ausgrenzung oder Schweigen. dpa

100 Lehrer und Schulpädagogen befassten sich gestern Nachmittag im Fürstensaal mit dem Thema Mobbing. Grothues

Der Zuspruch, den gestern die Informationsveranstaltung "Aktiv gegen Mobbing" im Ahauser Schloss fand, scheint Kindlers Einschätzung zu bestätigen. 100 Lehrer, Schulsozialpädagogen und Fachleute aus Beratungsstellen hatten sich im Fürstensaal eingefunden, um den Vortrag des Experten Kindler zu hören. Eingeladen hatte der Arbeitskreis Streitschlichtung der Stadt Ahaus. "Für diese Veranstaltung mussten wir keine Werbung machen. Die Resonanz war überraschend groß", so Helmut Stegemann, Fachbereichsleiter Jugend der Stadt Ahaus.

Wolfgang Kindler, Gymnasiallehrer in Recklinghausen, Buchautor und für die Bezirksregierung in der Ausbildung des Lehrernachwuchses aktiv, gilt als Koryphäe auf dem Gebiet der Gewaltprävention. Und er betrachtet das Phänomen nicht als Außenstehender: "Ich hatte ein Mobbingopfer in meiner Klasse. Sie war damals sogar in psychologischer Behandlung. Und ich habe das nicht gemerkt", sagt Kindler heute selbstkritisch.

Der Vorfall vor mehr als 17 Jahren war für ihn die Initialzündung, sich intensiv in Theorie und Praxis mit dem Thema Mobbing zu befassen. Seither gibt es an seiner Schule auch Projekte, in denen Schüler für das Thema sensibilisiert und ermutigt werden, bei Mobbingfällen aktiv einzuschreiten. In der Schule müsse ein Klima geschaffen werden, das deutlich mache: Nicht das Opfer ist ein Schwächling, sondern der Täter. Kindler: "Den Schülern muss klar sein: Wer mobbt ist nicht stark, sondern hat ganz offensichtlich ein Problem."

Ein Problem haben natürlich auch die Opfer, die nicht selten krank werden. Zumal die Täter oft skrupellos seien und keinerlei Schuldgefühle zeigten. Im Kampf gegen das Mobbing spielen die Lehrer nach Ansicht Kindlers die Schlüsselrolle. "Sie müssen hinschauen, offen für Signale sein und konsequent eingreifen, auch mit Sanktionen gegen die Mobber."

Mobbing im Internet

Kindler machte aber deutlich, dass es für Lehrer nicht immer einfach sei, Mobbing zu erkennen. Vieles passiere im Verborgenen. Und die Opfer trauten sich häufig nicht, ihre Peiniger zu offenbaren.

Das Internet schaffe darüber hinaus neue Möglichkeiten. Kindler: "Ich weiß von einer Stufenhomepage, auf der mit schlimmsten Beleidigungen die 'Hackfresse des Monats' gekürt wurde". Bürgermeister Felix Büter persönlich hatte gestern die Veranstaltung im Fürstensaal eröffnet. "Ich möchte damit deutlich machen, wie wichtig das Thema ist - hier bei uns, nicht nur in den Ballungszentren." Die Veranstaltung solle helfen, dass sich Schulen nicht isolieren, sondern "gemeinsam offensiv und präventiv gegen Mobbing und Gewalt vorgehen". gro

www.schulministerium.nrw.de/ BP/Erziehung/Gewalt_Medien/

Mobbing/index.html

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