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Supermann steht vor der Tür

Ahaus Noch nie war es so schön, ein "alter" Mensch zu sein, wie am Montagabend: gebrechlich, sterblich, leidend - aber eben auch fähig zum Mitleiden, eingedenk Jahrtausende alter Geschichte(n) getragen von Traditionen - und damit so symphatisch anders als der neue Mensch: der Homo Hypersapiens, den Prof. Dr. Jürgen Manemann im Schloss vorstellte.

Supermann steht vor der Tür

<p>Bernd Wacker (l.) moderierte die Diskussion mit Jürgen Manemann. Beide sind Mitinitiatoren des Forums. Lüttich-Gür</p>

Dass es manchmal schwer fällt, nicht nur zu verstehen, sondern auch zu glauben, ist für Besucher theologischer Vortragsveranstaltungen nichts Ungewöhnliches. Während der Ausführungen des Erfurter Professors für Christliche Weltanschauung, Religions- und Kulturtheorie wurden aber selbst geübte Zuhörer auf eine harte Probe gestellt - und dabei ging es nicht um transzendente Inhalte, sondern um etwas höchst Diesseitiges: den Versuch des Menschen, den Menschen zu überwinden. Wie bitte?

Elite statt Spinner

Manemann sah in die ungläubigen Gesichter seiner Zuhörer. "Nein, die Anhänger des Transhumanismus sind keine verrückten Spinner", stellte er klar, "sondern angesehene Naturwissenschaftler". Und nein, er spreche nicht von einer fernen Zukunft, sondern von einer Entwicklung, die schon begonnen habe.

Klonen, Genmanipulation, Präimplantationsdiagnostik - die schöne neue Welt ist längst am Horizont des technisch Machbaren aufgezogen. Bis zum Scannen des Gehirns und Brennen des Bewusstseins auf eine Chipkarte ist es gar nicht mehr so weit. Manemann stellte dem Publikum Männer vor, die genau davon überzeugt sind und sich nicht schütteln, wenn von der Zucht des Übermenschen die Rede ist: Max More, Ray Kurzweil und Marvin Minsky, die Gründer des Extropy Institutes in Kalifornien.

"Ihre Bewegung hat aber längst auch hier Sympathisanten", bremste Manemann die Hoffnung mancher, gerade nur von einer Art skurrilen Sekte zu hören, die typisch amerikanisch sei und weiter keinen Einfluss habe auf die alten Menschen im alten Europa. Prominentestes Beispiel: Peter Sloterdijk, einer der führendsten deutschen Philosophen der Gegenwart.

Inhumanität droht

Warum auch nicht? Krankheiten bekämpfen, das Altern überwinden - wer könnte das nicht wollen? Manemann zog den Vätern von Supermann und Superfrau die Maske des Gutmenschen vom Gesicht: "Das ist alles philantropische Heuchelei!" In Wahrheit drohe der "Einmarsch der Inhumanität": Demokratische Strukturen seien in einer von Herrschaftswissen geprägten Welt der Macher nicht vorstellbar, Behinderungen drohten als Produktionsmangel abgetan zu werden, der Glaube an ein göttliches Prinzip als altmodisch, die Moral als überflüssig, das Mitleid als störend - nicht weniger als die Würde des Menschen sei also in Gefahr.

Manemanns Schlussfolgerung: "Wir dürfen nach Immanuel Kant nicht nur fragen: Was können wir? Was sollen wir tun und was dürfen wir hoffen, sondern auch was haben wir zu unterlassen?" sy-

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