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200 Jahre alter Eiche ging es an die Wurzeln

Alter Baum in Ahaus von Bagger beschädigt

Der Baumsachverständige Hans-Hermann Stöteler aus Wüllen ärgert sich über den Umgang mit Baumriesen in Ahaus, aktuell geht es um eine alte Eiche.

Ahaus

von Christian Boedding

, 04.06.2018
200 Jahre alter Eiche ging es an die Wurzeln

Etliche dicke Wurzeln wurden vom Bagger gekappt. © FOTO: Christian Boedding

Es wäre untertrieben zu sagen, Hans-Hermann Stöteler sei „vom Fach“. Der Baumsachverständige aus Wüllen ist seit Jahrzehnten europaweit anerkannter Experte. Er ist Gutachter bei Gericht, sitzt in Fachgremien und wirkte an der Erstellung von Richtlinien der Baumkontrolle mit. Umso mehr wurmt ihn, was quasi vor seiner Haustür geschieht. Hans-Hermann Stöteler beklagt den zunehmenden Baumfrevel in Ahaus. Vor allem die Stadt setze viel zu oft und viel zu schnell die Axt an die Bäume.

Der Baumriese, um den es im aktuellen Fall geht, steht noch. Mit der Betonung auf „noch“. „Das kann doch alles nicht wahr sein“, ärgert sich Hans-Hermann Stöteler beim Ortstermin mit der Münsterland Zeitung. Der Baumsachverständige deutet auf eine etwa 200 Jahre alte Eiche an der Fuistingstraße, auf dem Grundstück, wo das neue Feuerwehrgerätehaus gebaut wird. Das Alter hat der Experte anhand des Durchmessers des Baums berechnet. „Er wächst etwa 0,7 Zentimeter pro Jahr, das macht bei einem Durchmesser von 140 Zentimetern gut 200 Jahre.“

Schachtarbeiten

Hans-Hermann Stöteler reibt sich an der Ausführung der Schachtarbeiten auf dem Gelände. „Die sind mit dem Bagger an einer Seite bis auf vier Meter an den Stamm heran, an einer anderen Seite bis auf sechs Meter.“ Dabei seien jede Menge Wurzeln gekappt worden. Für den Baumsachverständigen steht fest: „Hier wurde weder sach- noch fachgerecht gearbeitet.“ Hans-Hermann Stöteler deutet auf den ausgeschachteten Bereich: „So nah an den Baum hätte niemals gebaggert werden dürfen. Der Bereich unter der Kronentraufe hätte frei bleiben müssen. Minimum.“ Unter Kronentraufe versteht man die Ausmaße der Baumkrone.

Was hinzu kommt: „Es ist nicht erlaubt, so zu arbeiten. Die Krone hätte vorher gelichtet werden müssen, vor Beginn der Vegetationsphase.“ Das sei nicht geschehen. Dabei hätten zum Beispiel totes Holz und sich kreuzende Äste herausgenommen werden müssen. „Dadurch wird die Verdunstungsfläche kleiner. Man wusste ja, dass der Baum Wurzeln verliert.“ Der Experte nennt eine einfache Gleichung: „Kronentraufe gleich Wurzelbereich.“ Jetzt – mit der nicht gelichteten Baumkrone und dafür mit gekappten Wurzeln – würden Äste austrocknen. „Der Baum bekommt nicht mehr genug Wasser für seine Krone.“

Vorschriften

Hans-Hermann Stöteler nennt mehrere Vorschriften, gegen die verstoßen worden sei, exemplarisch die DIN 18920, die den Schutz von Bäumen bei Baumaßnahmen regelt. „Die Arbeiten müssen Bestandteil einer Ausschreibung sein und die Stadt muss das überwachen.“ Das sei wohl nicht geschehen. „So ist ein erheblicher Schaden entstanden.“ Hans-Hermann Stöteler schätzt den Wurzelverlust auf rund 50 Quadratmeter – bei einem Gesamtwurzelbereich von 300 Quadratmetern.

Hans-Hermann Stöteler tritt der Stadt mit seinen Äußerungen ordentlich auf die Füße. Er würde sich auch liebend gerne am Ort des Geschehens mit städtischen Verantwortlichen unterhalten, namentlich mit dem Beigeordneten Georg Beckmann. Hans-Hermann Stöteler: „Ich führe gerne im Beisein der Münsterland Zeitung ein Streitgespräch mit ihm. Hier, unter dem Baum. Dann soll er mir diese Maßnahme mal erklären.“ In anderen Städten, sagt Hans-Hermann Stöteler, würde eine solche Baustelle sofort stillgelegt. „Eigentlich müsste man Strafanzeige stellen.“

Stellungnahme der Stadt

Wurde rund um die Eiche an der Fuistingstraße tatsächlich weder sach- noch fachgerecht gearbeitet? „Der Vorgang wird verwaltungsintern geprüft“, lautete die schriftliche Antwort von Marc Frieler aus dem Büro der Bürgermeisterin. „Wir haben das ausführende Unternehmen um eine fachliche Stellungnahme gebeten. Wir bitten hier um etwas Geduld.“ Der Stadt Ahaus sei das sach- und fachgerechte Arbeiten von Fremdfirmen und auch von städtischer Seite ein großes Anliegen. Marc Frieler: „Wir arbeiten eng mit Experten zusammen.“

Anregungen und Beschwerden würden in der Verwaltung sowohl Beigeordneter Georg Beckmann als auch Bürgermeisterin Karola Voß „jederzeit gerne“ entgegen nehmen. Das von Hans-Hermann Stöteler angeregte Streitgespräch vor Ort an der Fuistingstraße wird es laut Mitteilung der Verwaltng nicht geben. „Ein von den Medien begleitetes Streitgespräch ist nicht üblich in der Verwaltung.“

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