Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung
Anzeige
Anzeige

Gema-Tarif-Änderung

Am Ende zahlt der Kunde

BOCHUM Die Gema will zum Jahreswechsel ihre Tarife ändern: Sie sollen überschaubarer und gerechter werden. Kleinere Discotheken sollen davon profitieren, aber die Großen gehen auf die Barrikaden. Die hohen Mehrkosten zahlt am Ende wohl nur einer: der Disco-Besucher.

Am Ende zahlt der Kunde

Jugendliche wünschen sich eines besonders: mehr Tanzflächen.

Dirk Zimmer, Matrix-Inhaber, gehört mit einer Veranstaltungsfläche von 2500 Quadratmetern definitiv zu den „Großen“. Und er kocht. Für ihn bedeuten die geänderten Tarife ab Januar 2013 einen enormen Kosten-Anstieg. Zahlt er jetzt etwa 18 000 Euro im Jahr an die Gema für den Disco-Betrieb, muss er künftig 64 000 Euro im Jahr zahlen. „Wir Großen geraten dadurch so unter Druck, dass wir überlegen müssen, ob wir den Betrieb aufrecht erhalten können“, so Zimmer. Das sei nicht mehr zu seinem Vorteil, die Gästezahl bleibe schließlich gleich. „Ich muss mich ernsthaft fragen, ob ich das noch machen kann.“ Die Gema möchte mit den angepassten Gebühren „eine größere Gerechtigkeit herstellen“, sagt Sprecher Franco Walther. „Im Vergleich zahlen die Großen zu wenig.“ Deshalb sollen die Gebühren ab 2013 anhand der wirtschaftlichen Kraft gemessen werden, also nach Eintrittsgeldern, Besucherzahl und nach Veranstaltungsfläche. Auf Basis der Anzahl der Gäste soll der Umsatz aus dem Eintrittsgeld errechnet werden. Dass auch die Besucherzahlen eine Rolle spielen sollen, bedeutet für Dirk Zimmer (Foto) bürokratischen Mehr-Aufwand: „Soll ich jetzt täglich nachweisen, wie viele Gäste ich hatte? Wer soll das denn machen?“

Rechnet Dirk Zimmer die Gebühren auf die Eintrittsgelder um, bleiben ihm davon letztlich etwa 55 Prozent. „Wie soll man da einen Betrieb vernünftig führen?“ Logische Schlussfolgerung für den Disco-Eigentümer wäre erstmal, die Eintrittsgelder zu erhöhen. „Aber davon profitiert auch wieder die Gema, also müsste man die Getränkepreise erhöhen – das vergrault aber viele Gäste oder sie trinken weniger.“ Für Zimmer ein Dilemma. Eine Lösung hat er nicht. Noch nicht. Obwohl jetzt die Aufsichtsbehörde der Gema über die Durchsetzung der neuen Tarife entscheiden wird, rechnet er damit, dass die Gema damit durchkommen wird. „Die haben ja sogar gegen Youtube gewonnen.“ Die Gema hatte die Internet-Plattform wegen Urheberrechtsverletzungen verklagt – und Recht bekommen. Auf jeden Fall werde das spannend, denn die Gema werde dann die Kultur- und Club-Landschaft verändern. „Das ist heute nicht mehr wie in den 80ern, man muss sehen, woher man die Gäste bekommt.“ Zimmer hofft, dass die aktuellen Sätze bestehen bleiben. Aber: er glaubt nicht dran. „Die kommen damit durch – und das wird nach hinten losgehen“, so Zimmer. Während unter den großen Discotheken Aufruhr herrscht, scheint es sich für die Kleinen durchaus zu lohnen. Aber wenn immer mehr große Discos schließen müssten, sei irgendwann die Frage, woher die Gema ihre Gebühren noch bekomme, so Zimmer. „Vielleicht schreien jetzt auch nur alle auf, und dann gewöhnt man sich doch dran, aber fest steht: Am Ende des Tages zahlt der Endkunde.“  

Anzeige
Anzeige
Das könnte Sie auch interessieren

Mordkommission ermittelt

Polizei findet Leiche eines 39-Jährigen in Bochum

BOCHUM Polizisten haben am späten Samstagabend in einem Bochumer Mehrfamilienhaus die Leiche eines 39 Jahre alten Mannes gefunden. Der Mann sei Opfer eines Gewaltdelikts geworden, teilten die Behörden am Sonntag mit. Eine Mordkommission wurde eingerichtet. mehr...

Prozessauftakt gegen Fälscher

Mit falschen Papieren hohe Kredite bei Banken ergaunert

Bochum Neun Monate nach dem spektakulären Ausheben einer Fälscherwerkstatt hat am Donnerstag in Bochum der Prozess gegen drei mutmaßliche Mitglieder einer professionellen „Fälscher-Bande“ begonnen. Es geht um falsche Pässe, fingierte Identitäten und erschlichene Darlehen im ganz großen Stil. mehr...

Gerichtsprozess

Werner Arzt drohen vier Jahre Haft wegen Betrugs

Bochum/Werne Er soll eine Bank um 1,6 Millionen Euro betrogen haben: Im Betrugsprozess rund um eine Bochumer Privatklinik drohen dem angeklagten Arzt aus Werne über vier Jahre Haft. Das hat das Bochumer Landgericht am Montag signalisiert.mehr...

Auf Cranger Kirmes verloren

Polizei Bochum fahndet nach Schnuffelbär "Heia"

BOCHUM Mit einer ungewöhnlichen Vermisstenanzeige will die Bochumer Polizei dem dreijährigen Malte helfen. Denn seitdem der Junge aus Gelsenkirchen vor einer Woche auf der großen Cranger Kirmes seinen „Schnuffelbären Heia“ verloren hat, schläft er schlecht.mehr...

Bauchschuss-Drama

Sieben Jahre Haft für Bochumer Pistolenschützen

BOCHUM Nach einem beinahe tödlichen Nachbarschaftsstreit ist ein 56-jähriger Pistolenschütze am Freitag in Bochum zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. Er hatte im Streit um zu laute Musik seinem Nachbarn in den Bauch geschossen.mehr...

Zeltfestival Ruhr 2017

Royal Republic: Weekend Men in Bochum

BOCHUM Beim Zeltfestival Ruhr in Bochum stand am Donnerstagabend eine besondere Rockband auf dem Programm. Wer auf den letzten Drücker kam, konnte bereits im Biergarten hören, wo es lang ging, denn schon bevor die Schweden überhaupt auf der Bühne standen, schallten „Royal Republic“-Sprechchöre aus dem kleinen Zelt.mehr...