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Prozess um Alptraum-Unfall

Anklage: Mordversuch mit Tempo 120

BOCHUM Er raste über die Universitätsstraße, rammte einen kleinen Opel-Corsa: Ein Jahr nach einem Albtraum-Unfall hat am Landgericht der Prozess gegen einen 39-jährigen Bochumer begonnen. Der Vorwurf: Mordversuch.

Es war schon sehr spät, als der Angeklagte am 26. Juni das Gaspedal durchdrückte. Laut Anklage zeigte sein Tacho mindestens Tempo 105, vielleicht sogar 120. In Höhe der Auffahrt zur Autobahn 43 passierte es: Der Angeklagte traf mit seinem Mitsubishi Colt gegen das Heck eines Corsa, der gerade einmal 50 km/h schnell gewesen sein soll. Der kleine Wagen geriet ins Schleudern, schlitterte quer über die Fahrbahn, prallte gegen einen Leuchtmast und kam zum Stehen. Die vier Insassen hatten Glück. Alle überlebten, keiner wurde richtig schwer verletzt. Hintergrund der Albtraum-Fahrt war offenbar ein Suizidversuch. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass sich der 39-Jährige in jener Nacht umbringen und deshalb mit seinem Auto einen Verkehrsunfall verursachen wollte – und auch verursacht hat. Dabei, so die Anklage, habe er die tödlichen Verletzungen seiner Unfallgegner billigend in Kauf genommen.

Zum Prozessauftakt vor dem Bochumer Schwurgericht hat sich der Angeklagte nicht zu den Vorwürfen geäußert. Seine Einlassung ist erst für den dritten Verhandlungstag geplant. Das wird in rund einem Monat sein. Der Verteidiger des 39-Jährigen erklärte am Rande des Prozesses, dass sich sein Mandant damals in einer schweren Lebenskrise befunden habe. Er sei allerdings zuversichtlich, dass sich der Anklagevorwurf des versuchten Mordes so nicht halten lassen werde. Dass in diesem Fall das Schwurgericht zuständig sei, liege an den Vorgaben des Bundesgerichtshofs. Der Angeklagte war erst Mitte Dezember vergangenen Jahres festgenommen worden. Das war rund sechs Monate nach der angeblichen „Amokfahrt“ auf der Unistraße.  

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