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Prozessauftakt

Anwälte sollen Mandanten Geld aus der Tasche gezogen haben

BOCHUM Ihre Ratschläge waren Tricks, ihre Versprechen nichts als Lippenbekenntnisse: Zwei ehemalige Anwälte aus Bochum und Herne müssen sich vor dem Landgericht verantworten. Sie sollen über Jahre Mandanten ausgetrickst, belogen und betrogen haben. Schaden: rund 1,3 Millionen Euro. Nach fast 30 Jahren steht das Juristen-Duo (60, 61) vor den Trümmern ihrer beruflichen Karriere.

Die Anwaltszulassungen sind weg, die Schulden türmen sich in Schwindel erregende Höhen. Laut Anklage geht es um Untreue und Betrug. Staatsanwalt Christian Schoß wirft den Anwälten vor, das Vertrauen von Mandanten in Serie schamlos missbraucht zu haben. Auslöser der illegalen Machenschaften soll Misswirtschaft gewesen sein.

Auf Luxus wollte das Duo aber offenbar bis zuletzt nicht verzichten. Beide Anwälte fuhren schicke Autos, einer hatte ein Segelboot. „Weil die Kanzlei seit Jahren nicht wirtschaftlich betrieben wurde“ sollen sie ab 2005 praktisch in die Rolle einer Bank geschlüpft sein. Die Juristen, die seit den 1980er Jahren eine Kanzlei in Herne betrieben, sollen von Mandanten Darlehen aufgenommen haben. Von dem Geld sollen sie so gut wie nie etwas zurück gezahlt haben. Im Juli 2008 sollen sie einem Mandanten geraten haben, sein Vermögen für ihn zu verstecken, damit es nicht für die Pflegekosten für seine Mutter aufgebraucht werden kann. Der Mann übergab 50 000 Euro.

Als ein anderer Mandant sein geliehenes Geld (200 000 Euro) zurück forderte, sollen ihm die Juristen erst noch weitere 45 000 Euro „abgeknöpft“ – und ihn danach im Regen stehen lassen haben. Ein scheidungswilliger Mandant soll sogar extra noch einen Kredit aufgenommen haben. Ergebnis: Das an die Anwälte übergebene Geld (440 000 Euro) ist weg. Vor Gericht kündigte das Duo Geständnisse an. Fest steht: Die Anwälte müssen ins Gefängnis. Richter Michael Rehaag signalisierte Haftstrafen von „drei bis dreieinhalb Jahren“. Ein Anwalt lebt heute vom Einkommen seiner Frau, der andere von Sozialleistungen. Der Anwalt aus Bochum trug zuletzt aus Angst immer eine geladene Schusswaffe.

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