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Auch Wittener mussten ins KZ Sachsenhausen

INNENSTADT Sie ist müde, sehr müde. In den vergangenen vier Tagen hat sie kaum geschlafen und doch bekommt Dr. Martina Kliner-Fruck ein Lächeln über die Lippen.

Auch Wittener mussten ins KZ Sachsenhausen

Dr. Martina Kliner-Fruck.

Denn sie freut sich, dass es noch rechtzeitig geklappt hat. Was normalerweise mehrere Monate dauert, schaffte sie in fünf Nächten – eine Ausstellung auf die Beine zu stellen. Besser gesagt ist es eine Ergänzungsausstellung zu der Wanderausstellung „Jüdische Häftlinge im KZ Sachsenhausen 1936-1945“.

Martina Kliner-Fruck stellt für die Stadt Witten einen lokalen Bezug zu diesem Thema her, indem sie 18 Einzelschicksale jüdischer Männer dokumentiert. „Mein Mann Jörg Fruck hat die Gestaltung übernommen, ich hingegen bin für den Inhalt verantwortlich.“ Der Institutsleiterin war es ein besonders Anliegen, den Häftlingen einen Namen und Gesicht zu geben. Nun gliedert sie ihre Arbeit für einen Monat an die der Wanderausstellung.69 Jahre nach dem 9. November

„Die Stadt bekam eine Anfrage, ob wir Interesse daran hätten, die Ausstellung der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten/Gedenkstätten und Museum Sachsenhausen in Witten zu präsentieren. Allerdings war das erst für‘s nächste Jahr angedacht“, erklärt Kliner-Fruck. Doch die Institutsleiterin wollte sie früher: „Ich denke, dass man auch in diesem Jahr solch eine Ausstellung präsentieren kann.“ Dafür müsse nicht immer eine besondere Gedenk-Zahl stehen. So jährt sich der 9. November 1938 im kommenden Jahr zum 70. Mal.

Vier Wochen lang zu sehen

Bereits ab Freitag stehen die Räume des Märkischen Museums vier Wochen lang ganz im Zeichen der Wanderausstellung mit dem Thema KZ Sachsenhausen. Zwischen 1936 und 1945 waren dort mehr als 200 000 Menschen inhaftiert. Knapp 20 Prozent aller KZ-Insassen waren jüdische Häftlinge. In vier Abschnitten gegliedert, dokumentiert die Ausstellung Ursachen und Anlässe der Einlieferung von Juden und deren Schicksal. Mit Hilfe von Bild- und Textmaterial werden die verschiedenen Situationen der unmenschlichen Existenz- und Arbeitsbedingung, geprägt durch Erniedrigung, Folter, Hunger, Misshandlungen und Tötungen, verdeutlicht.

Mahnwache Während der jahrelangen Recherche – Kliner-Fruck reiste bereits für ihre Doktorarbeit nach Israel, um Gespräche mit Überlebenden zu führen - lernte die Historikerin die Schicksalswege der 18 Juden aus Witten kennen. Die sie jetzt auf 15 großen Plakaten im Märkischen Museum dokumentiert. Zur Ausstellungseröffnung am 9. November um 19 Uhr kommt auch der Direktor der Stiftung aus Brandenburg, Prof. Dr. Günter Morsch. Doch vorher wollen alle der Opfer gedenken. Ab 18 Uhr gibt es eine stille Mahnwache an der Synagogenstraße Ecke Breitestraße. „Wer möchte, kann auch einen Kranz niederlegen“, betont Martina Kliner-Fruck. 

  Die Ausstellung „Jüdische Häftlinge im KZ Sachsenhausen“ dauert vom 9. November. bis 9. Dezember im Märkischen Museum. Öffnungszeiten: Di bis So: 10 bis 13 Uhr und 14 bis 17 Uhr. Anmeldung für Schulklassen unter Tel. 581-2550.

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