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Autoschieber schweigt vor Gericht

WITTEN War er ein kleines, aber nicht unbedeutendes Rädchen im Getriebe oder, wie sich einer der Zeugen ausdrückte, lediglich ein „Lakai“ und zudem „nicht besonders clever“?

Mit dieser Frage musste sich das Schöffengericht am Donnerstag unter Vorsitz des Richters Bernd Grewer befassen. Angeklagt ist ein 29-jähriger Mann aus Herne, dem die Staatsanwaltschaft in 19 Fällen von August bis Oktober 2004 Beihilfe zum gewerbsmäßigen und bandenmäßigen Betrug vorwirft. Dabei geht es um windige Fahrzeugfinanzierungsgeschäfte, in die auch Mitarbeiter zweier Wittener Autohäuser verstrickt waren.

Mit Hilfe gefälschter Unterlagen waren überhöhte Kredite für hochwertige Gebrauchtwagen erlangt worden, die später zumeist platzten, da die Fahrzeuge ins Ausland verschoben wurden oder die vielfach arbeitslosen Kreditnehmer die Raten nicht mehr bezahlen konnten. Die arbeitsteilig organisierte Betrügerbande profitierte dabei von den beträchtlichen Provisionen, den Schaden hatten die Banken. Da der Angeklagte sich am Donnerstag jeder Einlassung zu den Tatvorwürfen enthielt, war das Gericht auf Zeugenaussagen angewiesen, um seine Rolle in der Organisation zu klären.

Demnach war der Mann nicht nur der „Chauffeur“ des Haupttäters, der die Geschäfte mit den Autohäusern angebahnt hatte. Vielmehr versorgte er diesen auch mit Versicherungsdoppelkarten, mit denen die Fahrzeuge später zwar zugelassen wurden, die aber nur selten in abgeschlossene Verträge mündeten. Große Mengen davon hatte die Polizei bei einer Durchsuchung der Wohnung des Mannes gefunden, außerdem Finanzierungsanträge und gefälschte Verdienstbescheinigungen. Richter Grewer mochte dem 29-Jährigen darum auch nicht glauben, dass er von den Machenschaften seines Bekannten nichts gewusst habe, hoffte jedoch nach der recht eindeutigen Zeugenvernehmung vergebens darauf, dass der Angeklagte die Vorwürfe einräumen würde. Das Gericht muss sich nun in einem zweiten Verhandlungstermin am kommenden Dienstag, 27. November, mit jedem einzelnen der angeklagten 19 Fälle beschäftigen.

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