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Mieter-Ärger in der Nordstadt

Baugerüst als Fluchtweg: Mängelflut in Wohnblock

DORTMUND Zu hohe Nebenkosten, ein Baugerüst als Fluchtweg, Ratten und Sorgen um Asbest: Die Mängelliste im Wohnblock an der Uhlandstraße 149-151 ist lang. Jetzt wollen die Bewohner gegen den Eigentümer vorgehen. Doch an den ist schwer heranzukommen. Ein Besuch mit der Videokamera vor Ort.

Baugerüst als Fluchtweg: Mängelflut in Wohnblock

Dieser Wohnkomplex an der Uhlandstraße ist für seine Mieter ein großes Ärgernis.

Seit 18 Jahren wohnt Ewald Glasmeyer in der Uhlandstraße 151. Gäste holt der 65-Jährige aus dem dritten Obergeschoss an der Haustür persönlich ab. Denn die Gegensprechanlage mit dem Türdrücker funktioniert nicht. Beim Abholen schätzt er sich glücklich: Anders als im Nachbarhaus funktioniert sein Aufzug wieder.

Optisch ist die Wohnanlage gewöhnungsbedürftig. Denn vor zwei Jahren ordnete die Stadt Dortmund den Aufbau von Gerüsten an. Sie sollen im Notfall den Mietern der oberen Etagen als Fluchtwege dienen. Weil das Dach einer Tiefgarage im Innenhof unter der Last der schweren Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr einstürzen und deshalb die Hilfe nicht über Leiterwagen erfolgen könnte.

Wärme raus, Nässe rein

Eine defekte Gegensprechanlage und die hässlichen Gerüste vor den Balkonen - wenn das die einzigen Probleme an der Uhlandstraße wären, bliebe der Dortmunder Mieterverein gelassen. Doch den Hausbewohnern fehlt allmählich die Geduld, die Rechtsberater erkennen teils gravierende Mängel: Überzogene Nebenkosten schreien nach Widerspruch, Schimmel wuchert an den Wänden, nach außen ziehende Wärme, nach innen dringende Feuchtigkeit, Ratten und auch Angst vor Asbest - schöner wohnen geht anders.

Wie es sich mit uralten Alufenstern und einer historisch anmutenden Heizung lebt und wie der Dortmunder Mieterverein helfen will, zeigen wir in einem Videobeitrag. Zu Wort kommen der Bewohner Ewald Glasmeyer und Markus Roeser vom Mieterverein.

Unser Besuch in der Uhlandstraße (4:30 min):

Jährliche Klagen gegen Nebenkostenabrechnungen

Ewald Glasmeyer klagt nahezu jährlich gegen hohe Nebenkosten-Abrechnungen. Bisher immer mit Erfolg. Juristische Schritte des Vermieters blockierte das Landgericht. Zuletzt legte der Vermieter, die Octagon S.A.R.L. mit Briefkasten in Luxemburg, allen Mietern eine Heizkosten-Jahresabrechnung vor, obwohl Dortmunds Gasversorger DEW21 noch keine Angaben über den Verbrauch und eine Rechnung zugestellt hatte. Auf eine Anfrage unserer Redaktion antwortete das Unternehmen bislang nicht. Auch die aktuelle Hausverwaltung hält still.

"Wiederholt erhebliche Mängel"

"Bei den Betriebs- und Heizkostenabrechnungen haben wir wiederholt erhebliche Mängel festgestellt", beschreibt Mieterverein-Rechtsberater Steffen Klaas die Zustände. Anwohner bestätigen das - sie sollten bis zu 3000 Euro nachzahlen, ohne dass die Abrechnung nachvollziehbar war. "Genau das bemängelte mehrmals das Gericht", sagt Ewald Glasmeyer über seinen mehrfach ausgetragenen Rechtsstreit. Der Mieterverein unterstützte ihn dabei. Glasmeyers Bilanz: „In den 18 Jahren, in denen ich in dem Haus wohne, hat es noch keine korrekte Nebenkostenabrechnung gegeben.“ Mehrfach wechselte die Hausverwaltung.

Auch Hausmeister- und Licht-Kosten würden überdurchschnittlich hoch berechnet, stellte Steffen Klaas klar. Das wunderte auf einer am Dienstagabend (23.2.2016) einberufenen Mieterversammlung vor allem jene Nachbarin, die über Monate die Reparatur des Flurlichts eingefordert hatte. Ein Ehepaar, das seit 33 Jahren in dem vor über 40 Jahren gebauten Mehrfamilienhaus wohnt, wartete nicht auf die Handwerker und investierte selbst viel Geld - ins Badezimmer. Richtig wohl fühlen sich die Rentner allerdings nicht: "Man schämt sich, wenn Besuch kommt", sagt der Ehemann über den optischen Gesamteindruck der Wohnanlage.

Obendrein ein Müllproblem

Für die Zustände verantwortlich sind nicht allein Vermieter und wechselnde Hausverwaltungen. Auf der Mieterversammlung wurde deutlich, dass auch Nachbarn zum schlechten Gesamtbild beitragen würden. "Zum Sperrmüll im Keller kommt immer mehr dazu. Andere stellen den Müll draußen neben die Tonnen, statt sie reinzuwerfen", sagte eine Anwohnerin. Ein Nachbar erklärt: "Ja, das machen die Kinder. Aber die kommen ja nicht an die hohen Öffnungen dran." Ratten laufen über das Grundstück und in den Kellern.

Ratten und Angst vor Asbest in einem Wohnblock

Zur schlechten Optik gesellt sich ein Gefühl der Unsicherheit. Weil die Haustüren nicht immer richtig schließen, gelangen Fremde in die Keller und Flure. "Bei mir ist schon eingebrochen worden", sagt ein Mieter. Den unkontrollierten Zugang nutzten andere Zeitgenossen, um Matratzenlager zu errichten.

Miete kürzen und Reparaturen einklagen

Der Mieterverein will die Mängel auflisten und dem Vermieter vorlegen. Der Name eines tatsächlich Verantwortlichen soll über ein luxemburgisches Handelsregister ermittelt worden sein. Als Druckmittel sollen Mietkürzungen wirken. "Allerdings ist jeder Einzelfall genau zu prüfen", warnt der Mieterverein vor Aktionismus im Umgang mit dem "Mietminderungsrecht". Reparaturen durchsetzen können Mieter auch mit Instandsetzungsklagen. Steffen Klaas rät dazu, diese juristisch komplizierten Schritte von Rechtsanwälten gehen zu lassen. Die Verbraucherberatung und der Mieterverein können vorher beraten. An die Seite springen den Mietern jetzt auch das Quartiersmanagement in der Nordstadt und die Wohnungsaufsicht der Stadt Dortmund.

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