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Songwriter-Legende im Ruhr Congress

Bochum erlebt den puren Elvis Costello

BOCHUM Für große musikalische Momente braucht es manchmal nur einen Mann. Elvis Costello hat im Ruhr Congress in Bochum eins von zwei Deutschland-Konzerten seiner "Detour" gespielt. Nur Costello, ein paar Gitarren, ein Flügel, 40 Jahre Schaffensgeschichte. 2500 Besucher reisten durch ein vertontes Leben.

Bochum erlebt den puren Elvis Costello

Elvis Costello bei seinem Konzert in Bochum.

Schwarzer Anzug, schwarzes Hemd, schwarze Hose, eine getönte Brille, der grell-rote (später weiße, dann lilafarbene) Hut als einzige geübte Pose. Auf der Bühne ein riesiger 50er-Jahre-Fernseher, auf dem ein irrer Mix aus Kinderfotos, Film-Noir-Covern, Zeichnungen und Konzerterinnerungen läuft. Der Rest ist Reduktion.

Costello ist auf "Detour", ohne Band, er ist sein eigener "Special Guest", wie er sagt. Die Songs sprechen für sich, es fehlt nicht an Abwechslung. Er spielt klare, bluesige Versionen von "My aim is true" oder "Accidents will happen". Entfesselt seine Dämonen mit beeindruckendem Loop-Krach bei "Watching the detectives". Zupft sanfte Oden an "Veronica" oder an seine jüngsten Kinder.

Große Songs in rohen Versionen

"She" und "What's so funny 'bout peace love and understanding", Coverversionen und zugleich zwei der bekanntesten Costello-Songs, bilden das Finale. In ganz rohen Versionen, ohne den Studio-Pomp - und gerade deshalb nachdrücklich wirksam.

Was bei Costello wirkt, ist die Stimme. Sich immer kurz hinzitternd zum richtigen Ton, um ihn dann so zu treffen, dass er beim Hörer genau die Synapse erreicht, die für tiefe Gefühle zuständig ist. Als er die Schlusszeilen eines Songs ohne Mikrofon singt, erhält der karge Ruhr-Congress-Saal für einen Augenblick Konzerthaus-Atmosphäre.

Es ist ein betont autobiografischer Abend. Costello conferenciert durch sein eigenes Leben. Nicht aufdringlich, sondern unterhaltsam. Schließlich gibt es genügend Geschichten zu erzählen. Über seinen Vater den gefragten Orchestermusiker, der mit den Beatles und Marlene Dietrich vor der britischen Königin auftrat. Oder über den Großvater, den ersten Musiker der Familie. Über die Liebe.

Schon immer sind seine Songs direkter Ausdruck der Gefühlswelt des Liverpoolers, wie er in seiner Autobiografie "Unfaithful Music" auf gut 1000 Seiten darlegt. Das verpackt Costello in Bochum in bewegende 105 Minuten.

Mit 62 blickt Declan Patrick Mac Manus (so sein bürgerlicher Name) häufiger zurück. Ohne, dass das zum Greatest-Hits-Abliefern verkäme. Im Gegenteil: So auf die Basis reduziert, wird der Mann auf der Bühne für Minuten wieder zum 17-, zum 35-, zum 50-Jährigen.

Lange Songschreiber-Historie

Seit 1977 veröffentlicht Costello Songs, hatte zahlreiche Hits mit den "Attractions" und den "Imposters" , komponierte mit Größen wie Paul McCartney oder Burt Bacharach, schrieb Filmmusik, hatte eine Jazz- und Klassik-Phase. Auf seinem bisher letzten Studio-Album 2013 arbeitete er mit der US-amerikanischen Hip-Hop-Band "The Roots" zusammen.

Gerade, so erzählt er in Bochum, arbeitet er an einem Musical "ohne Katzen und Phantome, dafür mit dem Teufel". Zwei gefühlvolle Songs daraus erhalten in Bochum viel Applaus. 

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