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Kunst-Veranstaltung

Bochumer Rundlauf lässt "Speckschweiz" aufleben

BOCHUM Im Bochumer Viertel "Speckschweiz" findet noch bis zum 5. Mai der Rundlauf 2013 statt. Von Theater bis hin zum Grusel-Kabinett gibt es dort Kunst-Ereignisse jeder Art zu entdecken. Idee der Veranstaltung: Mit Kunst zu begeistern und die verstaubten Gebäude mit Leben zu füllen.

Bochumer Rundlauf lässt "Speckschweiz" aufleben

Der Hochbunker ist voller Möglichkeiten: Durch ein Loch in der Wand gelangt man zur nächsten Installation.

Ein bisschen furchteinflößend ist er schon, dieser alte Bunker an der Zechenstraße. Und muffig riecht es auch. Kein Wunder. Bis vor kurzem war hier alles voller Müll. Müll aus mehreren Jahrzehnten. Jetzt ist fast alles leergeräumt. An die Stelle von Schutt und Müll treten jetzt die im Rahmen des Rundlaufs ausgestellten Kunstinstallationen und Ausstellungen. „Ich beneide euch um diesen geilen Grusel“, sagt Talitha Müller, als zwei Jungs vor einem großen Loch in der Wand des Hochbunkers stehen und sich nicht trauen, hindurchzuklettern. Aber es lohnt sich, den Mut aufzubringen: Man befindet sich in einem „Tempel“, so nennen es Talitha Müller und Markus Draxler, die diese Kunstinstallation entworfen haben.

Konzerte in leerstehenden Lokalen

„Wir haben einfach den Müll genommen, den wir hier im Bunker gefunden haben und daraus etwas Neues entworfen“, erzählt Müller. Zum Beispiel einen Berg aus Leuchtstoffröhren, viele seitlich angrenzende Nischen, in denen sich aufgestapelte Kartons oder Drahtgestelle befinden. Aber neben dem Bunker gibt es noch viel mehr zu entdecken. Über die ganze, sogenannte „Speckschweiz“ verteilt, finden Theateraufführungen, Lesungen und Konzerte statt. Alle in Wohnungen, leer stehenden Ladenlokalen oder einfach draußen. Das Viertel zu entdecken ist hier das Motto. Vieles steht hier leer, kaum ein Geschäft existiert noch. So auch in der Schmechtingstraße: „Vielleicht war das hier mal ein Büro – da hinten ist jedenfalls noch eine Teeküche“, erzählt Thorsten Eisentraut und deutet auf eine verschlossene Tür. Er sitzt neben einer Pantry-Küche in einem Raum, der am Nachmittag und am Abend für die Vorstellung von „Wunschkonzert für Sophie R“ dient. Es ist wohnlich eingerichtet, extra für das Stück.

Neues Leben in der Speckschweiz

Nebenan wird ein ehemaliges Modegeschäft und Atelier nachgeahmt, das in diesen Räumen für eine lange Zeit existierte. Den Gebäuden, die so lange ungenutzt waren, haucht der Rundlauf für die Zeit zwischen vergangenem Dienstag und nächstem Sonntag neues Leben ein. Aber auch langfristig könnte sich durch den Rundlauf in der Speckschweiz etwas verändern. Eisentraut erzählt, dass viele sich vorstellen könnten, die Räumlichkeiten auch darüber hinaus zu nutzen. Es wäre dem Viertel zu wünschen, denn es präsentiert sich wirklich von seiner besten Seite: Die liebevollen Altbauten, blühende Bäume in jeder der kleinen Seitenstraße. Vor den Häusern sitzen die Leute auf dem Bürgersteig. Sie haben Sofas und Sessel nach draußen gebracht, machen Musik und unterhalten sich. Gesellt man sich dazu, wird man schnell eingeladen, sich eine Performance anzu-gucken. Eine davon heißt „Hauch“. Sie findet in einer bewohnten Wohnung statt. Die Mieter haben ihre Zimmer für die Performance zur Verfügung gestellt.

Aus Wohnküche wird Theaterbühne

So sitzen sieben Zuschauer in einer kleinen Wohnküche, während um sie herum Theater gespielt wird. Nur kurz, etwa 20 Minuten lang wuseln die drei Darstellerinnen durch die Wohnung. Der Text kommt von alten Kassettenrecordern, die sie dabei in den Händen halten. Die Möglichkeiten, Dinge beim Rundlauf zu entdecken sind nahezu endlos. An jeder Ecke wartet etwas Neues, man wird abgeholt und kann sich von all den Eindrücken berauschen lassen. Ein unbekanntes Bochumer Viertel in Kombination mit Kunst und Kultur ist absolut sehenswert.

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