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Monty Python an Karfreitag

Bochumer kämpft gegen Komödien-Verbot

Bochum An "stillen Feiertagen" wie Karfreitag sind nicht nur einige Tanzveranstaltungen verboten. Auch bestimmte Filme dürfen nicht öffentlich gezeigt werden. In Bochum regt sich dagegen seit Jahren Widerstand. Die Munition der Widerspenstigen: "Das Leben des Brian".

Bochumer kämpft gegen Komödien-Verbot

Martin Budich von der Initiative "Religionsfrei im Revier" ist nicht einfach ein Monty-Python-Fan. Wenn er und seine Verbündeten von "Religionsfrei im Revier" zur Aufführung von "Das Leben des Brian" laden, dann tun sie das an Karfreitag, und das ist eigentlich verboten. Budich möchte damit auf die aus seiner Sicht unsinnige Feiertagsregelung aufmerksam machen.

Martin Budich will es wieder tun. Er will „Das Leben des Brian“ abspielen, dabei hat er die Komödie sicherlich schon 20 Mal gesehen. Er weiß quasi schon vorher, wann er lachen wird. Aber um den Film geht es Budich gar nicht, ihm geht es ums Prinzip. Das aus seiner Sicht viel zu enge Verhältnis von Staat und Kirche treibt ihn um. Auf dem Papier ist das vielleicht ein dröges Thema, aber Budich hat einen Weg gefunden, es immer wieder prominent zu platzieren. Dieser Weg führt über „Das Leben des Brian“.

Bei der Feiertagstauglichkeit durchgefallen

BOCHUM Wiederholung schützt vor Strafe nicht: Nachdem die Initiative „Religionsfrei im Revier“ im Jahr 2013 zum ersten Mal an Karfreitag den Film „Das Leben des Brian“ zeigte, blieben sie im letzten Jahr nicht vom Feiertagsgesetz verschont. Nun soll die Initiative ein Bußgeld zahlen.mehr...

Was den Klassiker der Komikergruppe Monty Python zur Waffe des Rentners auf seiner Mission zu mehr Kirchenferne macht, ist die Feiertagsgesetzgebung. Sie macht sich an diesem Freitag, dem Karfreitag, wieder bemerkbar. Tanz- oder andere öffentliche Veranstaltungen sind häufig verboten. Und - was vielleicht nicht so viele wissen - auch bestimmte Filme, die nach Ansicht von Prüfern nicht so recht zu dem in der Geschichte der Christenheit mit Schwermut besetzten Tag passen mögen. Zum Beispiel der „Brian“. Budich will ihn aus einer Art Protesthaltung heraus mit seiner Initiative „Religionsfrei im Revier' type='' href='http://religionsfrei-im-revier.de/“ in Bochum zeigen.

Ausschuss aus Ehrenamtlichen

„Sonn- und Feiertage sind in Deutschland durch Ländergesetze geschützt. Diese sehen vor, dass an stillen Feiertagen nur solche Filme öffentlich vorgeführt werden dürfen, bei denen der diesen Tagen entsprechende „ernste Charakter“ gewahrt ist“, erklärt Stefan Linz von der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft. Bei der FSK entscheiden Gremien seit 1952 daher über die Feiertagstauglichkeit. Es gibt eine lange Liste von Filmen, die durchgefallen sind.

Die Entscheidung liegt dabei in den Händen zweier Prüfer, die zu einem Ausschuss aus Ehrenamtlichen bei der FSK gehören. Einen entsendet die Film- und Videowirtschaft, den zweiten die öffentliche Hand - dazu zählen gelegentlich auch Kirchen. Die Prüfer haben allerdings Ermessensspielraum. Mit den Jahren wurde daher immer seltener den Daumen gesenkt. „Die Bedeutung der Feiertage in unserer Gesellschaft hat sich mittlerweile erheblich gewandelt“, meint Linz.

Keine Chance für brachiales Kalauer-Feuerwerk

Gleichwohl gibt es die sogenannte Feiertagsfreigabe noch, die erfunden wurde, als sich über das Kinoprogramm noch recht einfach regulieren ließ, welche Filme die Deutschen zu Gesicht bekommen und welche nicht. Das Wort Streamingdienst war noch nicht erfunden. In den 50er und 60er Jahren hatten es deshalb an Feiertagen vor allem Komödien schwer. „Klamauk entsprach nach damaligen Vorstellungen nicht dem Charakter der stillen Feiertage“, sagt Linz.

Mittlerweile ist die Liste zu einem recht bunten Film-Sammelsurium angewachsen. Bei manchem Film lassen sich die Beweggründe der Prüfer womöglich leichter nachvollziehen - etwa beim brachialen Kalauer-Feuerwerk „Sunshine Reggae auf Ibiza“, das mit Hauptdarsteller Karl Dall und allerhand barbusigen Frauen aufwartet. Oder auch bei „Police Academy ... Dümmer als die Polizei erlaubt“. Aber auch Streifen, die mehr Spuren in der Filmgeschichte hinterlassen haben, stehen auf dem Index - etwa „The Rocky Horror Picture Show“, „Ghostbusters - Die Geisterjäger“ oder „Mad Max“.

NRW Was ist erlaubt an Karfreitag, Ostersonntag und Ostermontag? Darf ich feiern? Tanzen? Laufen gehen? Mit Freunden im Park Fußball spielen? Wann kann ich Brötchen und Blumen kaufen? Eine Übersicht über die Gesetze in NRW.mehr...

Experte will nicht von "Kirchenprivilegien" sprechen

Dass die Religion im Staatswesen ihren Platz behauptet, obwohl die Kirchen an Bindungskraft verlieren, sehen auch Experten so. Stefan Muckel vom Institut für Kirchenrecht an der Uni Köln nennt es eine „verfassungsrechtliche Situation, die der Religion freundlich gegenübersteht“. Von Kirchenprivilegien würde er aber nicht sprechen. „Die verfassungsrechtliche Situation resultiert daraus, dass man sich in Deutschland über Jahrhunderte hinweg und schlimmer als in jedem anderen Land aus Gründen der Religion bekämpft hat.“ Danach sei mit aller Kraft versucht worden, sich gütlich zu einigen.

Martin Budich hat den „Brian“ in Bochum trotz der Gesetze schon mehrmals an Karfreitag gezeigt. Der Film ist sein Zugpferd, wenn es darum geht, auf Privilegien aufmerksam zu machen, die die Kirchen aus seiner Sicht noch genießen. Man tritt ihm nicht zu nahe, wenn man sagt, dass er gezielt provoziert. Mehrere Medien haben schon über seinen Kampf berichtet. Als ihm die Stadt Bochum 2014 für den „Brian“ endlich ein Bußgeld aufbrummte, war das für ihn ein Erfolg. Sein eigentliches Ziel ist nun eine Klärung vor dem Bundesverfassungsgericht. 

Von dpa

BOCHUM Weil die Initiative "Religionsfrei im Revier" den Film "Das Leben des Brian" am Karfreitag öffentlich gezeigt hat, könnte es die Filmvorführung bis vor das Bundesverfassungsgericht schaffen. Denn der Film steht auf dem Karfreitagsindex und darf an diesem Tag in NRW nicht öffentlich gezeigt werden. Die Initiative hofft auf den Prozess.mehr...

Und hier der Trailer zum Kultfilm "Das Leben des Brian":

 

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