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Olympische Dinge

1976 war sie die schnellste ungedopte Läuferin

CASTROP-RAUXEL An einem solchen Tag muss auch eine Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele einmal in die zweite Reihe treten. Selbst für eine zweimalige Olympia-Teilnehmerin. Als in Peking die pompöse Auftaktparty stieg, war Ellen Wessinghage anderweitig unterwegs - auf dem Rad.

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Ellen Wessinghage im Kreise des Präsidiums des Landessportbundes Rheinland-Pfalz.

Ellen Wessinghage (geborene Tittel) schaffte es vom TuS Ickern in die Weltelite.

Die frühere Mittel- und Langstreckenläuferin, die in jungen Jahren beim TuS Ickern zur Deutschen Jugend-Meisterin über 600 Meter reifte, fuhr mit einer Reihe anderer Prominenter bei der "Tour de Hoffnung" gerade die vorletzte Etappe nach Hildesheim.

Dabei ging es um Spenden für die Behandlung krebskranker Kinder. Nicht um den sportlichen Ehrgeiz. Ganz anders als bei ihren beiden Teilnahmen an den Olympischen Spielen in München 1972 und Montreal 1976. München 1972: Attentat überschattete die Spiele

Die erste Erinnerung an Olympia? "Das Attentat von München", antwortet Ellen Wessinghage. Deutsche und israelische Leichtathleten hätten damals ein enges Verhältnis gehabt. Man habe hier und dort gemeinsam trainiert. Wie etwa mit der Hürdensprinter Ester Roth, deren Trainer beim Attentat ums Leben kam. "Warum weitermachen, haben wir uns danach gefragt", sagt Ellen Wessinghage, "aber die Israelis haben uns gesagt, wir müssten weitermachen."

Ellen Wessinghage lief, sogar das Finale über 1500 Meter, stieg aber eine Runde vor dem Ziel aus. "Einfach so, das ist mir sonst nie passiert", erinnert sie sich, "ich war wahrscheinlich nach den ganzen Ereignissen übermotiviert." In Montreal hätte sie eigentlich Gold verdient gehabt

Vier Jahre später in Montreal musste sich Ellen Wessinghage, nach einer schlechten Saison, quasi selbst nominieren. "Ich sollte entscheiden, ob ich eine Chance auf das Finale hätte." Das traute sie sich zu - und schaffte es auch. Im Endlauf wurde sie Siebte. Im Nachhinein kam heraus, dass eigentlich sie Gold verdient hatte. Die Sportlerinnen davor seien alle gedopt gewesen, weiß Ellen Wessinghage heute: "Ich war die schnellste ungedopte Läuferin in dem Endlauf."

Edelmetall war Ellen Wessinghage bei Olympischen Spielen nicht vergönnt. Gold, Silber oder Bronze wären ihr heute wohl auch weniger wichtig als der Gewinn bei der "Tour de Hoffnung": 1,18 Millionen Euro für krebskranke Kinder.Das ist Ellen Wessinghage: Ellen Wessinghage (geborene Tittel), 64 Jahre alt, kam im Alter von 3 Jahren mit ihren Eltern aus Mühlbach (Sachsen) nach Castrop-Rauxel. Beim TuS Ickern turnte sie zunächst, ehe sie dem Leichtathletik-Trainer Paul Hase („Sehr umsichtig, ihm habe ich alles zu verdanken“) als Lauftalent auffiel. Noch für den TuS Ickern lief sie über 600 Meter deutschen B-Jugend-Rekord und wurde 1966 auch Deutsche Jugend-Meisterin. Ein Jahr später wechselte sie zu Bayer 04 Leverkusen. 1969 lief Ellen Wessinghage erstmals deutschen Rekord. 1970 gewann sie ihren ersten Titel von insgesamt 38 deutschen Meisterschaften. Bei den Olympischen Spielen erreichte sie 1972 in München wie auch 1976 in Montreal (7. Platz) die Endläufe über 1500 Meter. Weitere Erfolge: Europacup-Gewinnerin, Europameisterschafts-Dritte, Weltrekord über die Meile und in der 4x800-m-Staffel, Studenten-Weltmeisterin, Sportlerin des Jahres. Ehrenamtlich ist Ellen Wessinghage Vize-Präsidentin des Landessportbundes Rheinland-Pfalz, Vorsitzende des TC Boehringer Ingelheim und engagiert bei der „Tour de Hoffnung“. Sie lernte Chemielaborantin und studierte Jura. Sie lebt heute in Ingelheim bei Mainz.

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