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70 Jahre WLT: "Eine Einrichtung, die fehlen würde"

CASTROP-RAUXEL Vor 70 Jahren, am 1. November 1946, eröffnete das Westfälisches Landestheater (WLT) in Castrop-Rauxel. Horst Sommerfeld ist seit mehr als 50 Jahren theatertechnisch in der Stadt aktiv. Mit uns hat er über die Bedeutung des WLT, dessen Finanzierung und Geschichte gesprochen.

70 Jahre WLT: "Eine Einrichtung, die fehlen würde"

Interview Horst Sommerfeld WLT

Herr Sommerfeld, was haben Sie eigentlich mit Theater zu tun? Seit 1960 bin ich Mitglied der Volksbühne, seit vielen Jahren deren Vorsitzender. Ich war immer schon Freund des Theaters. Nun ist das Westfälische Landestheater die kulturelle Einrichtung unserer Stadt. Es arbeitet nicht nur künstlerisch hochqualifiziert, sondern ist auch Werbeträger für Castrop-Rauxel. Das Theater lebt von den Zuschauern, darum bemühen wir als Vorstand der Volksbühne uns, Publikum zu gewinnen.

Was hat denn die Volksbühne als eingetragener Verein mit dem WLT zu tun? Wirtschaftlich sind die beiden Organisationen unabhängig voneinander. Aber als Besucherorganisation ist die Volksbühne wichtig: Seit den Tagen der Weimarer Republik in den 1920er-Jahren gibt es diese Bewegung als Initiative für ein Theater für alle. Wir sind also eine Besucherorganisation und buchen über die Einnahmen der Eintrittspreise fast ausschließlich das WLT – weil wir es als Kulturträger unserer Stadt stützen.

Die Volksbühne bucht das Theater, das dann in der Stadthalle spielt? Ja, wir buchen aus dem Programm acht Aufführungen pro Spielzeit.

Aber Heimspiel hat das WLT ja auch so in Castrop-Rauxel – zumindest, wenn man auf den Tag der Wiedergründung nach dem Zweiten Weltkrieg am 1. November 1946, also Dienstag vor 70 Jahren, zurückblickt. Ja, ich sage immer: Es ist unser Theater in Castrop-Rauxel und im Kreis Recklinghausen. Die Aufgabe des WLT ist ja, theaterlose Städte in Westfalen und darüber hinaus zu bespielen. Wir als Volksbühne könnten auch Tourneetheater buchen. Aber wir unterstützen das WLT, weil es die gewünschte künstlerische Arbeit liefert.

Rückblick auf 70 Jahre Westfälisches Landestheater

1951: Das WLT kommt von einer Tournee zurück.
1951: Omnibus des Westfälischen Landestheaters.
1957: Das Landestheater verfügte in den 50er- und 60er-Jahren über einen aus heutiger Sicht traumhaft schönen Fuhrpark.
1960: Bei der Eröffnung der 2. Theaterbaulotterie des Theatervereins: Der Vorsitzende Riedbaum spricht am 23. September 1960.
1962: Berufsjubiläum beim Westfälischen Landestheater (v.l.): Technischer Leiter Wicht; Oberspielleiter Deppisch; Intendant Dr. Falk.
1966: Bau am Europaplatz ist zeitweise die „Heim“-Spielstätte des WLT.
1973: Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Hans-Dieter Schwarze in der Aula des Adalbert-Stifter-Gymnasiums.
1975: "Max und Moritz" auf der Bühne. Das Stück führte das WLT im November 1975 erstmals auf.
So sah es auf der Bühne aus, als das WLT die "Schatzinsel" zeigte.

Wie ist die Resonanz? Sie bezeichnen das als herausragende Arbeit. Was sagen andere? Wenn ich an die Premiere Anfang Oktober denke und den Applaus hinterher messe, dann ist die Resonanz großartig. Die Aufführungen sind fast immer ausverkauft. Erfreulich ist auch, dass ein relativ junges Publikum die Aufführungen besucht.

Das ist für Sie vermutlich ein Zeichen, dass Theater heute noch funktioniert, oder? Man hat ja schon, als der Tonfilm im Kino Einzug hielt, den Tod des Theaters heraufbeschworen. Und er ist es bis heute in 3D-Zeiten nicht geworden. Ist Theater noch angesagt heute? Theater ist nach wie vor aktuell. Das WLT hat ja auch ein eigenes Kinder- und Jugendtheater. Unsere Erfahrung ist: Wer in jungen Jahren schon ins Theater geht, der bleibt es oft auch als Erwachsener. Das ist das Schöne.

An welche Intendanzen können Sie sich erinnern – gute oder weniger gute? Ich erinnere mich noch an den bekannten Fernsehregisseur Hans Dieter Schwarze, an Herbert Hauck, der fast 20 Jahre am WLT war. An Sebastian Heinrichs von 2003 bis 2011, als das Land mit Einsparungen hantierte und damit die Gefahr des Auslaufens wuchs.

CASTROP-RAUXEL Das richtige Stück zur richtigen Zeit: Mit "Er ist wieder da" zeigt das Westfälische Landestheater (WLT) nicht nur die Bühnenadaption eines sehr gut verkauften Romans, sondern schafft eine wahre Gesellschaftskritik. Im Video ließen wir uns die Hintergründe erklären.mehr...

Wie manifestierte sich der Widerstand gegen die geplanten finanziellen Kürzungen? Durch die politische Arbeit der Intendanz, der Stadt Castrop-Rauxel, der Volksbühne und von Bürgerinnen und Bürgern unserer Stadt. Es kamen viele neue Zuschauer ins Theater. Und viele sind mit nach Düsseldorf gefahren und haben am Landtag protestiert. Am Ende wurden die geplanten Kürzungen zurück genommen.

Also hat die Zivilgesellschaft das Ziel erreicht? Ja. Das finanzielle Engagement der Stadt Castrop-Rauxel hat auch dazu beigetragen. Das WLT hat ja Trägerstädte, die sich ebenfalls politisch engagiert haben. Wenn sich Oberbürgermeister im Ruhrgebiet gemeinsam engagieren, hat das schon eine Wirkung.

Malen wir mal den Teufel an die Wand: Was wäre, wenn das WLT nicht mehr wäre? Dann wären 60 oder 70 Arbeitsplätze weg. Viel wichtiger aber ist die Wirkung nach außen: Das „WLT aus Castrop-Rauxel“ ist ein Werbeträger – eine kulturelle Einrichtung, die dann fehlen würde.

Westfälisches Landestheater

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