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Olympische Dinge

Anja Schäfer und die Loser-Partys von Seoul

CASTROP-RAUXEL Anja Schäfer besitzt dieses Foto noch immer - und hält es in Ehren. Das Bild zeigt die 16 Jahre alte Ulrike Meyfarth, wie sie nach ihrem Hochsprung-Sieg bei den Olympischen Spielen 1972 auf der Matte hockt und lacht. Vier Jahre nach dem zweiten Olympiasieg ihres Vorbildes war dann auch die Ruderin von der Wartburginsel bei Olympischen Spielen.

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Anja Schäfer unlängst beim (Heimat-)Rudern auf der Wartburginsel, gemeinsam mit ihrer heutigen Ruder-Mannschaft: Sohn Jan und Tochter Lena. RN-Foto Engel

Anja Schäfer mit ihren Trophäen aus Seoul.

Und zwar 1988, in Seoul (Südkorea), im deutschen Frauen-Achter.  "Ulrike Meyfarth war ein bisschen ein Idol für mich", sagt Anja Schäfer vom RV Rauxel, "eine tolle Sportlerin."

Anja Schäfer selbst war ebenfalls erfolgreich. "Wir hatten uns das Erreichen des Endlaufes zum Ziel gesetzt", erinnert sie sich. Schon gar nach dem fünften Platz bei den Weltmeisterschaften 1987 in Kopenhagen. Doch in Südkorea konnte das deutsche Boot seine Vorjahres-Platzierung nicht wiederholen. "Ein Platz fehlte uns im Hoffnungslauf", sagt sie, "eine Riesen-Enttäuschung." Aber immerhin erklärbar: "Wir waren fast die einzigen Amateure im Rennen, die Ostblock-Boote im Finale dagegen durchweg Profis." Was blieb, war der siebte Platz für die Europastädterin und ihre Mitstreiterin samt Trainer Peter Jost, der das Boot zwei Jahre lang beim RV Rauxel betreut hatte."Die höchste Strafe war Trainings-Verbot"

Sieben Jahre lang hatte sich Anja Schäfer auf Olympia vorbereitet. "Das habe ich mir irgendwann in den Kopf gesetzt", erzählt sie. Viele Dinge seien in dieser Zeit unwichtiger gewesen als Rudern, "zum Beispiel die Schule", räumt Anja Schäfer freimütig ein: "Die höchste Strafe für mich war Trainings-Verbot."

Und dann das frühe Aus auf der Regattabahn in Seoul. Gleich zu Beginn der Olympischen Spiele. Sogar die Eröffnungsfeier hatten die deutschen Ruderer für die Vorbereitung auf die Regatten sausen lassen. Doch die gedrückte Stimmung im Frauen-Achter sollte schnell umschlagen. "Wir konnten ja nichts mehr ändern", erklärt Anja Schäfer, "so haben wir angefangen, Loserpartys zu feiern."

Aus den Olympischen Spielen wurde eine Zwei-Wochen-Party, "wir haben nicht mehr geschlafen". Und sind abgetaucht in den "Spirit Of The Games", wie Anja Schäfer erzählt: "Wir haben die Fechtwettkämpfe besucht und uns mit Anja Fichtel angefreundet." Die damals herausragende Fecht-Olympiasiegerin. Sie habe den Schwimmer Michael Groß gesehen und mit dem Gewichtheber Manfred Nerlinger gefeiert, erinnert sich Anja Schäfer: "Jürgen Hingsen stand mit seinen Hochsprungstäben mit uns im Aufzug, als er nach seiner Disqualifikation im Zehnkampf fluchtartig das Olympische Dorf verließ."

Und mit einem Einmarsch ins Olympiastadion wurde es für Anja Schäfer und ihre Mitruderinnen am Ende dann auch noch was. Bei der Abschlussfeier inmitten von 13.000 Olympia-Teilnehmern.

"Es ist schon ein erhebendes Gefühl", sagt Anja Schäfer, "zu den paar tausend Sportlern zu gehören, die an Olympia teilnehmen dürfen." Wie ihr Vorbild, "ein bisschen ein Idol" Ulrike Meyfarth.Das ist Anja SchäferAnja Schäfer (46) hat mit sechs Jahren das erste Mal ein Ruderboot gesteuert und mit neun mit dem Rudern begonnen. Ihre größten Erfolge: zweimal Bronze bei den Junioren-Weltmeisterschaften, der fünfte Platz bei den Weltmeisterschaften 1987 in Kopenhagen und der siebte Platz bei den Olympischen Spielen 1988 in Seoul. Im Österreichischen Ruderverband (ÖRV) ist Anja Schäfer ehrenamtliche Referentin für Mastersrudern. Sie veranstaltet alljährlich eine eigene Regatta, die Vienna Rowing Challenge. Zwei Jahre lang hat sie als Trainerin den österreichischen Ruder-Nachwuchs betreut. Aktuell ist sie Österreichische Ruder-Meisterin bei den Masters B. Anja Schäfer studierte Architektur, hat dieses Studium aber, wie sie sagt, „mit Erfolg abgebrochen“, und sich dann dem Bootbau zugewandt. Sie lernte ihr Handwerk bei der renommierten Werft Stämpfli am Zürichsee in der Schweiz. Seit 1993 ist Anja Schäfer selbstständige Bootsbaumeisterin, zuerst in Bochum, seit 2001 in Österreich. Anja Schäfer lebt und betreibt ihre eigene Bootswerkstatt heute in Theresienfeld, vor den Toren von Wien. Zudem führt sie eine Ruderschule an der Donau.

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