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Zehn Thesen und Gegenargumente

Braucht es mehr Kreisverkehre in Castrop-Rauxel?

CASTROP-RAUXEL Wenn man die Zahlen sprechen lässt, steht es im Castrop-Rauxeler Spiel Ampeln gegen Kreisverkehre 5:1 für die Ampeln. 69 gibt es im Stadtgebiet und 14 Kreisverkehre. Wäre nicht die Lösung für ein viel diskutiertes Problem auf der B 235 namens „Grüne Welle“, Ampeln durch Kreisverkehre zu ersetzen?

Braucht es mehr Kreisverkehre in Castrop-Rauxel?

Der Kreisverkehr an der Recklinghauser-/Klöcknerstraße in Ickern.

Unter dem Titel „Der Kreisverkehr – Königsweg der Verkehrsplanung“ schrieb uns Leser Ulrich A. Schmidt einen längeren Aufsatz, aus dem wir die zehn Kernargumente herausgriffen und sie der Stadtverwaltung vorlegten. Zehn Thesen, eine Gegenüberstellung:

Die zehn Thesen

  • Ampeln brauchen wesentlich mehr Platz. Nur wegen der unsinnigen Ampel ist z.B. die B 235 auf Castroper Stadtgebiet auf vielen Strecken vier-, fünf-, ja sechsstreifig ausgebaut.  
  • Gleichzeitig bieten die überdimensionierten Kreuzungen genug Platz, um Kreisverkehre anzulegen, denn Kreisverkehre benötigen nicht fünf oder sechs Spuren in jede Richtung. Eine, eventuell zwei reichen vollkommen.  
  • Ampeln sind extrem teuer. In Köln hat man etliche Ampeln durch Kreisverkehre ersetzt, auch aus finanziellen Gründen. Denn eine Ampelkreuzung kostet jährlich ca. 20 000 Euro. Das ist verschleudertes Geld, denn Kreisverkehre, sind sie erst mal da, sparen jährlich solche Summen ein. Und nicht jeder Kreisverkehr muss aufwändig angelegt werden. Mit einfachen Mitteln, Straßenmarkierungen lassen sich überall kleine Kreisverkehre installieren.  
  • Ampeln sind gewaltige Emissions-Produzenten. Denn sie stoppen den Verkehr komplett. Und wer hat sich noch nicht über die rote Ampel geärgert, obwohl es keinen Querverkehr gibt?  
  • Kreisverkehre regeln die Verkehrsströme deutlich zügiger.  
  • Dabei sind Kreisverkehre deutlich sicherer als Ampeln. Verkehrsexperten haben ausgezählt, dass es in Ampelkreuzungen bis zu viermal so viele Unfallpunkte „Konfliktpunkte“ gibt wie in Kreisverkehren.  
  • Es gibt wohl im Stadtgebiet wenige Stellen, wo wir Castroper eine Ampelkreuzung benötigen. Für die Feuerwehr am Engelsburgplatz wäre eine Bedarfsampel sinnvoll. Die Auffahrt auf die A42 wäre auch ohne Ampel durch versetzte Kreisel möglich.  
  • Der Kreisverkehr-Umbau der B 235 wäre auch eine Ideallösung für das leidige Problem der Lange Straße.  
  • Da die Umbaukosten gefördert werden, ist nicht einzusehen, warum die Stadtverwaltung nicht sofort an die Planung geht.  
  • Und zuletzt: Durch das ständige Bremsen und Anfahren tragen Ampeln auch viel zur Feinstaub-Produktion bei.

 

Und das sagt die Stadt

Diese Thesen legten wir der Stadt vor. Der Technische Beigeordnete Heiko Dobrindt antwortete: „Auch die Stadt Castrop-Rauxel hat großes Interesse, weitere Knotenpunkte zu Kreisverkehrsplätzen umzubauen. Die Vorteile liegen auf der Hand: Sie besitzen weniger Konfliktpunkte.

Die Bereiche, wo Fahrzeuge untereinander oder mit Fußgängern oder Radfahrern zusammenstoßen können, sind gegenüber der klassischen Kreuzung reduziert. Gerade deshalb gelten sie als sehr sichere Knotenpunktform. Hinzu kommt, dass die im Kreisverkehr gefahrenen Geschwindigkeiten durch das Umfahren der Insel deutlich reduziert werden und damit auch die Unfallschwere reduziert wird.

 

Der Trailer zu unserer Kreisel-Berichterstattung in #CAS #castroprauxel - ist doch besser als Ampeln. Oder wie seht ihr das?

Ein von Ruhr Nachrichten (@rnlive) gepostetes Video am 18. Okt 2016 um 9:06 Uhr

Stausituationen und Fehlinterpretationen 

Dennoch haben sie auch Nachteile, die weniger im Bewusstsein der meisten Verkehrsteilnehmer sind: Kreisverkehre benötigen mehr Fläche als Kreuzungen, die gerade in Innenstadtbereichen häufig nicht zur Verfügung steht. Auch funktionieren sie nur bis zu einer bestimmten Verkehrsbelastung, die in der Regel unter den Kapazitäten von signalgesteuerten Knotenpunkten liegt. Dann kommt es zu Stausituationen und Konflikten, die mit einer Ampel nicht aufkommen oder wesentlich besser abzubauen sind.

Auch sollte diese Knotenpunktform nicht an Einmündungen gewählt werden, die deutlich weniger Verkehr als die übergeordnete Straße haben. Hier kommt es nachweislich zu Fehlinterpretationen bei der eigentlich eindeutigen Vorfahrtsregelung.

Gefährdung für Fußgänger

Und auch für Fußgänger bietet ein Kreisverkehr nicht unbedingt die sicherste Möglichkeit. So haben sehbeeinträchtigte und blinde Personen große Schwierigkeiten, Zebrastreifen an Kreisverkehrsplätzen zu benutzen. Zu einer Signalanlage mit Akustik gibt es keine bessere Alternative als eine signalisierte Fußgängerfurt.

In der Schulwegsicherung ist eine Fußgängersignalanlage die sicherste Möglichkeit, Kinder über eine Straße zu führen. Diese genannten Punkte sind nur ein kleiner Teilbereich, der bei der Bewertung eines Knotenpunktes untersucht wird.

Hohes Investitionsvolumen

Ich möchte ausdrücklich erwähnen, dass die Frage nach Kreisverkehrslösungen im Stadtgebiet berechtigt ist und diese stets von Seiten der Stadtverwaltung sowohl bei anstehenden Infrastrukturprojekten als auch im Rahmen der Straßenunterhaltung geprüft wird. Dazu gehört auch die angesprochene Wirtschaftlichkeit, wobei Kreisverkehrsplätze allerdings im Durchschnitt ein mittleres bis hohes sechsstelliges Investitionsvolumen erfordern.

Der Vollständigkeit halber: Die B235 Ringstraße fällt als Bundesstraße in die Zuständigkeit des Landesbetriebs Straßen.NRW. Gerne tragen wir aber Vorschläge von Bürgern an die zuständigen Stellen weiter.“

Sind Sie für oder gegen Kreisverkehre?

Von den 14 Kreisverkehren


> sieben


> drei


> zwei


> Einer


Von den 69 Ampeln


> 33


> 25


> 8


und 3

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