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Raubzüge und Mord

Castrop-Rauxeler schrieb Buch über reale Krimifälle

CASTROP-RAUXEL Über Raubzüge, Mord und echte Kriminalfälle aus Castrop-Rauxel hat Wolfram Schmidt gerade ein Buch veröffentlicht. Einer der Fälle ist sogar so spektakulär, dass er den Raubzug eines legendären Postkutschenräubers beeinflusst hat, ist sich Schmidt sicher. Hier gibt es eine Kostprobe aus seinem Werk.

Castrop-Rauxeler schrieb Buch über reale Krimifälle

Autor Wolfram Schmidt und Leselust-Chefin Martina Tielker mit dem Buch, das Kriminalfälle aus der Vergangenheit bis 1984 bei uns aufzeigt. Die neueren Fälle fehlen – aber vielleicht macht sich Wolfram Schmidt da auch noch ran.

Auf die Idee mit dem Buch ist Wolfram Schmidt bei einer Recherche im Arbeitskreis Stadtgeschichte gekommen: Der legendäre Raubzug von Posträuber Ronald Biggs 1963 hatte einen Vorläufer in Castrop-Rauxel - schon 1935. „Wildwest in Castrop-Rauxel“ hat Wolfram Schmidt diese Geschichte genannt. Sie ist eine von 25 Kriminalfällen, die der 83-Jährige in seinem Buch „Polizeiruf 110“ aufgeschrieben hat.

Die Nummer, die sich 1935 auf der Bahnstrecke zwischen dem Bahnhof in Rauxel und dem Bahnhof in Mengede abgespielt hat ( siehe Textauszug ) war wohl so etwas wie ein Vorbild für den legendären Posträuber Ronald Biggs, glaubt Schmidt – er lächelt dabei. „Die haben das, was sich in etwa in Höhe des Grutholzes ereignet hat, glatt kopiert“, sagt er. 

Der erste Fall spielt 1883

160 Seiten umfasst das Buch. Die Dokumentation, dass auch früher längst nicht alles mit rechten Dingen zuging, hat der ehemalige Konrektor der damaligen Hauptschule in Habinghorst chronologisch verfasst.

Das erste Blut fließt auf S. 9, dort geht es um den Fall vom 19. Oktober 1883 in Pöppinghausen. Die letzte Geschichte handelt vom gewaltsamen Tod von Margot Sibbe, einer Geschäftsfrau, die im Jahr 1984 an der Oberen Münsterstraße ermordet wurde - wer der Mörder war, wurde nie geklärt. „Ich habe Frau Sibbe und ihren Schmuckladen ja selbst gekannt“, sagt Schmidt. Und ergänzt: Meine Frau und ich waren ganz erschüttert, als wir davon gehört haben.“

Vielleicht ein zweites Buch

Aber was war die Hauptintention für die Sammlung historischer Kriminalfälle? „Die Kriminalität ist eine ganz andere geworden“, erklärt der 83-Jährige. Der größte Teil der Geschichten habe sich ereignet, als es den Polizeiruf 110 noch nicht gegeben habe. Der sei notwendig geworden, als die Kriminalität in Deutschland zugenommen habe. „Heute haben wir vollkommen neue Strukturen. Ich nenne nur Cyberkriminalität als ein Beispiel“, sagt Schmidt. Als Hilfsmittel für seine Dokumentation dienten in erster Linie die Veröffentlichungen in den Tageszeitungen, die er nun zu ganzen Geschichten aufbereitete. Dass sich natürlich auch durch die Neuen Medien und ganz andere Ermittlungsmethoden viel geändert habe, erfordere eigentlich ein zweites Buch, so Schmidt.

Hier gibt es das Buch:


 

„Ob ich das schaffe, weiß ich nicht“, sagt der Mann, dessen Biografie nicht minder spannend ist wie manche Geschichte im Buch selbst. Geboren in der Magdeburger Gegend, hat er die damalige DDR im Zuge politischer Unruhen um den 17. Juni 1953 als Flüchtling verlassen. Er kam schließlich 1971 nach Castrop-Rauxel. „Hier haben wir Wurzeln geschlagen, Castrop-Rauxel ist unsere Heimat geworden“, sagt Schmidt. Lehrer ist der ehemalige Pharmazeut geworden, weil es nicht seins war, am Ladentisch zu stehen, wie er erzählt. Und Hobby-Buch-Autor mit lokalem Anstrich.

Textauszug aus "Polizeiruf 110"  

21. Januar 1935: Wildwest in Castrop-Rauxel

Jede Nacht fuhr ein Personenzug von Wanne-Eickel über Herne, Rauxel und Mengede nach Dortmund. Hinten am Zug wurde ein Postwagen angehängt, besetzt mit fünf Postbeamten, die auf den Bahnhöfen die Post und Geldkisten in Empfang nahmen und während der Fahrt die Post vorbereiteten.

So verließ am 21. Januar 1935 um 23.29 Uhr dieser Zug nach einem kurzen Aufenthalt den Bahnhof Rauxel. Fahrgäste waren während dieser Zeit kaum in dem Zug. In einem Abteil des letzten Wagens saßen drei Männer, völlig unauffällig, von niemandem beachtet. Der Zug hatte Rauxel verlassen. Nach einem Kilometer stand einer der Männer auf und zog die Notbremse. Kreischend kam der Zug zum Stehen, rechts und links eingerahmt von Wäldern. Die drei Männer zogen sich Damenstrümpfe über ihr Gesicht, sprangen aus dem Wagen und rannten zum Postwagen. Sie klopften an die Tür. Einer rief sehr laut: „Aufmachen!“ Nichts ahnend öffnete ein Postbeamter die Tür. Er wollte wissen, warum der Zug so plötzlich hielt. (...)

Voller Schreck sah der Postbeamte die drei maskierten Männer. Noch bevor er reagieren konnte, schoss einer der drei Männer mit einer Pistole siebenmal in den Wagen. Die Postmannschaft erstarrte. Gott sei Dank gab es nur einen leicht Verletzten. Postschaffner Kneipp hatte ein Streifschuss getroffen. Die drei Maskierten befanden sich im Wagen und schrien: „Hände hoch!“ Das aber taten die Postbeamten nicht. Sie wehrten sich tapfer. Einer der Beamten warf einem Räuber die Plombierzange an den Kopf. Trotz der heftigen Gegenwehr konnte der geplante Raub nicht verhindert werden. Die Räuber rannten zielsicher auf die Geldkisten zu und ergriffen vier. Diese warfen sie aus dem Waggon in die Dunkelheit und sprangen hinterher. Sie konnten aber nur zwei Kisten finden. Mit dieser Beute verschwanden sie im Grutholz.

Die Postbeamten überwanden ihren Schreck, sprangen aus dem Waggon und schrien um Hilfe. Sehr rasch kamen Zugführer und Lokheizer angerannt. Fast atemlos erzählten die Postbeamten, was ihnen widerfahren war. Nun muss man wissen, dass damals keine Direktverbindung über Funk zwischen den Zügen und den Stationen bestand. Der Zugführer musste zum Bahnhof Rauxel laufen, um die Stationen per Telefon zu alarmieren. (...) Bei der Überprüfung stellte sich heraus, dass 8450 Reichsmark fehlten. (...) Für die Ergreifung der Täter setzte die Postdirektion 1000 Reichsmark als Belohnung aus. Es ist nicht bekannt, ob diese Belohnung ausgezahlt wurde.

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